Perlacher Forst: Naherholungsgebiet statt Wirtschaftswald?

| Victoria Kunzmann
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Alexander Schmitt-Geiger, Manfred Sturm und Landtagsabgeordneter Florian von Brunn (v. l.) im Perlacher Forst in München.
Daniel von Loeper Alexander Schmitt-Geiger, Manfred Sturm und Landtagsabgeordneter Florian von Brunn (v. l.) im Perlacher Forst in München.

Harlaching - Die Flucht ins Grüne, manchmal ist sie lebensnotwendig. Der Rückzug in den Wald, wo es still ist, nur vereinzelt Vögel zwitschern, Spechte klopfen, die Blätter im Wind rascheln.

Der Perlacher Forst ist mit 13,36 Quadratkilometern das größte Naherholungsgebiet Münchens und Rückzugsort für Städter, insbesondere im Süden und Osten der Stadt. Naturschützern ist das nicht genug. Sie vermissen richtige Erholung.

"Früher war der Perlacher Forst ein gepflegter Hochwald, ein urtümlicher Wald in einer naturbelassenen Landschaft", erzählt Anwohner Manfred Sturm, der das Gebiet seit über einem halben Jahrhundert kennt und liebt.

Perlacher Forst ist ein reiner Wirtschaftswald

Das Waldgebiet, das an die Landeshauptstadt im Norden, direkt an die Isar und Grünwald im Westen, an Unterhaching im Osten und Oberhaching im Süden grenzt, ist ein reiner Wirtschaftswald. Die Bäume müssen nicht besonders geschützt werden, sondern dienen hauptsächlich wirtschaftlichen Zwecken, das ist im Perlacher Forst die Holzproduktion. Dafür verwendet der Forstbetrieb, die Bayerischen Staatsforsten, Holzvollernter, Harvester genannt.

Die großen Traktoren schlagen Schneisen in den Wald, um die Bäume gezielt anfahren zu können, dann zu fällen, zu entasten und zu teilen. Die Maschinen erleichtern zwar die Arbeit, machen sie effizienter und sicherer, doch der ökologische Mehrwert hält sich für Florian von Brunn in Grenzen. Der SPD-Umweltpolitiker sieht die Bodenverdichtung als großes Problem. "Das Wasser kann nicht mehr so gut durchsickern und die natürliche Humusschicht ist gefährdet."

Naherholung und ein wirtschaftlicher Wald – ein Widerspruch?

Der Landtagsabgeordnete wünscht sich ein reines Naherholungsgebiet statt eines Wirtschaftswaldes in den stadtnahen Teilen des Perlacher Forsts. Dafür kämpft auch Alexander Schmitt-Geiger, Vorsitzender des Perlacher Forstvereins. Die Staatsregierung und die Staatsforsten konnten sie damit (noch) nicht überzeugen. Beide verstehen deren Argumente, die als Wirtschaftsbetrieb keine Flächen aufgeben möchten. Gerade in der Nähe zur dicht besiedelten Stadt sei Naherholung besonders wichtig. "Wir wollen mehr Waldbiotope erreichen", erläutert von Brunn, "und damit auch die Artenvielfalt fördern."

Doch wie lassen sich Naherholung und Wirtschaftlichkeit in einem verhältnismäßig kleinen Waldgebiet vereinbaren? Schmitt-Geiger vom Perlacher Forstverein will die Gunst der Stunde nutzen. In Zeiten, in denen Klima- und Naturschutz großgeschrieben wird, möchte er Unternehmen mit ins Boot holen. Ein für ihn denkbares Modell: "Die Staatsforsten verzichten auf eine bestimmte Fläche, die dann an verschiedene Unternehmen verkauft wird", erklärt er. Die Firmen könnten einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten und und das Gebiet zur Naherholung freigeben. Für ein Statement war bei den Staatsforsten am Freitag niemand erreichbar. Für sie würde das Modell keinen wirtschaftlichen Schaden bedeuten – für die Münchner ein Ort, an dem sie sich wirklich erholen können.

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