Pasing: Mietern in GBW-Wohnungen droht Abriss

Vor einem Jahr schockte die GBW mit einem unmoralischen Verkaufsangebot, nun droht Mietern sogar der Abriss ihrer Wohnungen.
| Myriam Siegert
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Sie alle sind betroffen: Anwohner Josef Kinder (Mitte knieend) mit einigen Nachbarn. Neun Häuser sollen abgerissen werden.
Daniel von Loeper Sie alle sind betroffen: Anwohner Josef Kinder (Mitte knieend) mit einigen Nachbarn. Neun Häuser sollen abgerissen werden.

Pasing - Schnörkellos und schlicht ist die Häuserzeile entlang der Nimmerfallstraße in Pasing, wie man eben gebaut hat, anno 1950. Etwas in die Jahre gekommen sind die Gebäude durchaus. "Wir wünschen uns eine kostengünstige Renovierung" sagt Mieter Josef Kinder, stattdessen lasse man die Häuser seit Jahren vergammeln. "Man" das ist in dem Fall die GBW, der die Häuser gehören.

Über 20 Wohnungen stehen teils schon längere Zeit leer, die Mieter wohnen hier aber gerne – meist mit niedrigem Komfort, aber günstig. Die Lage ist zentral, die Anbindung gut.

Doch statt zu sanieren, soll nun abgerissen werden, oder wie es die GBW nennt, "zurückgebaut". Erst im Oktober gab das Unternehmen dies in einer Pressemitteilung bekannt. Stattdessen wolle man hier bis Ende 2021 76 neue Wohnungen bauen. Die Mieter wurden zum etwa selben Zeitpunkt informiert, dass sie raus müssen.

Mit den Neubauten würden 2700 Quadratmeter Wohnfläche mehr als bisher geschaffen, heißt es. Die Wohnungen sollen vor allem für Familien geeignet sein, 26 davon außerdem barrierefrei. Die Baugenehmigung sei bereits erteilt, so die GBW.

"Hier wird bezahlbarer Wohnraum vernichtet"

Für die Mieter ist diese Nachricht freilich dramatisch. "Hier wird bezahlbarer Wohnraum vernichtet", sagt Josef Kinder. Ob die Betroffenen in die neu entstehenden Wohnungen einziehen können, und wenn ja wann, lässt die GBW bisher offen. GBW-Sprecherin Maren Holtermann beteuert nur: "Wir stehen in regelmäßigem Austausch mit unseren Mietern." Man arbeite zusammen "an einer Lösung, die die finanzielle Situation der Mieter berücksichtigt und dennoch die Wohnsituation jedes Einzelnen verbessert". Dies werde individuell geprüft.

Bei Josef Kinder klingt das anders. Er erzählt, den Mietern werde geraten, sich ans Wohnungsamt zu wenden. Und auch mit Blick auf die Neubauten macht er sich wenig Hoffnung: "Sie werden sie uns abzocken mit horrenden Luxusmieten, die kein Mensch mehr bezahlen kann."

Sein Misstrauen hat eine Vorgeschichte: Ursprünglich hatte die GBW über einen Verkauf der Häuser verhandelt, und zwar, wie es vorgesehen ist, zunächst mit der Stadt. 25 Millionen Euro wollte die GBW, 18 wollte die Stadt zahlen. Ein Preis, der laut Rathaus-SPD immer noch über dem Verkehrswert lag. Dann folgte ein weiteres "Angebot": die Stadt solle 22 Millionen sofort zahlen, weitere drei Millionen, wenn alle Wohnungen frei seien.

"Frei seien?" Tatsächlich: "Die GBW verpflichtet sich vertraglich, die Wohnungen innerhalb von zwei Jahren zu entmieten", hieß es damals. Da spielte die Stadt freilich erst recht nicht mit. "Eine Sauerei, die wir entsetzt abgelehnt haben", sagt SPD-Fraktionschef Alexander Reissl rückblickend. Die GBW bestritt hinterher das "Entmietungsangebot".

Die Verhandlungen scheiterten also, die GBW kündigte an, nun mit privaten Interessenten zu verhandeln. Ende Oktober 2017 war das, viele Medien, auch die AZ, berichteten über den extremen Fall.

SPD-Fraktion im Stadtrat sieht GBW in der Pflicht

Jetzt nach der Abriss-Ankündigung schaltet sich erneut die Rathaus-Politik ein: Dass die GBW den Mietern keine Alternative anbiete, sei "einfach unanständig", sagt Alexander Reissl. Die Mieter seien auf dem Wohnungsmarkt fast chancenlos und könnten auch nicht auf die Schnelle mit Sozialwohnungen versorgt werden. Sie stünden so vor der Wohnungslosigkeit. Die Fraktion sieht daher die GBW in der Pflicht: Sie verfüge über tausende Wohnungen in der Stadt und müsse "ein Mindestmaß an sozialer Verantwortung zeigen und für ihre Mieter sorgen", heißt es.

In der Nimmerfallstraße haben sie sich zusammengeschlossen und wollen für ihr Zuhause kämpfen (hier geht es zur Facebookseite der Mieter). "Die meisten wollen bleiben", sagt Kinder. Er selbst am liebsten sogar dann noch, wenn der Bagger kommt. "Aus Protest gegen diese Machenschaften", sagt er.

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