Spaziergang durch Moosach: Auf dem Pfad der Überraschungen

Moosach ist eine Art Gesamtkunstwerk – und wird sehr leicht unterschätzt. Der Ort, der älter ist als München, bietet ein paar Superlative. Und man kann sie bei einer Tagestour gut entdecken.
| John Schneider
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Die Fassade mit Brunnen in der Borstei, eine denkmalgeschützte Wohnsiedlung im Stadtteil Moosach.
imago/imagebroker 8 Die Fassade mit Brunnen in der Borstei, eine denkmalgeschützte Wohnsiedlung im Stadtteil Moosach.
Der 2010 eingeweihte U-Bahnhof Moosach ist eine Art Gesamtkunstwerk.
jot 8 Der 2010 eingeweihte U-Bahnhof Moosach ist eine Art Gesamtkunstwerk.
Das Pelkovenschlössl.
jot 8 Das Pelkovenschlössl.
Der Friedhof an der alten St.-Martins-Kirche.
jot 8 Der Friedhof an der alten St.-Martins-Kirche.
Seit 1442 gibt es den Alten Wirt.
jot 8 Seit 1442 gibt es den Alten Wirt.
Münchens ältester Baum, die Röth-Linde.
jot 8 Münchens ältester Baum, die Röth-Linde.
Die Aussegnungshalle.
jot 8 Die Aussegnungshalle.
Aufgestellt Skulpturen in lauschigen Höfen.
jot 8 Aufgestellt Skulpturen in lauschigen Höfen.

München - Wer an Moosach denkt, denkt wohl vor allem an das Olympia-Einkaufszentrum und an Uptown Munich, das höchste Hochhaus der Stadt. Aber der Stadtbezirk im Nordwesten, der erst vor 107 Jahren eingemeindet wurde, hat viel mehr zu bieten.

Ein paar Superlative sind auch dabei. Hier steht der älteste Baum Münchens, hier kann man in einer Wirtschaft einkehren, deren Anfänge ins 15. Jahrhundert zurückgehen. Hier begann als Neu-Priester die klerikale Karriere des späteren Papstes Benedikt XVI. Und hier entstand in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts eine vorbildliche Wohnsiedlung: die Borstei.

Moosach verdankt seinen Namen einem Nebenfluss der Isar. Und ist in der Single-Hauptstadt Deutschlands eher familienorientiert. Dass es die Moosacher beim Nestbau nicht immer so genau nahmen mit Recht und Gesetz, davon zeugt die Trinkl-Siedlung am Rande des zehnten Stadtbezirks. Nach dem Krieg wurden hier aus der Not heraus etliche, inzwischen legalisierte Schwarzbauten errichtet. Um den Kontrollen der Baupolizei zu entgehen, baute man gerne nach Sonnenuntergang am eigenen Haus. Deshalb der Ausdruck "Mondscheinsiedlung". Alteingesessene Moosacher kommentieren das mit Augenzwinkern und stehen dazu. Sogar einen Mondscheinweg gibt es inzwischen.

Der 2010 eingeweihte U-Bahnhof Moosach ist eine Art Gesamtkunstwerk.
Der 2010 eingeweihte U-Bahnhof Moosach ist eine Art Gesamtkunstwerk. © jot

Bereits bei der Ankunft im Herzen Moosachs, dem St.-Martins-Platz, gibt es die erste Attraktion zu bestaunen und das, bevor Sie überhaupt die Erdoberfläche erreichen (1). Der 2010 eingeweihte U-Bahnhof ist eine Art Gesamtkunstwerk. Bestehend aus 76.200 Fotos, die allesamt in Moosach aufgenommen wurden. Geschaffen von einem japanischen Künstler. Streng genommen könnte man also gleich wieder umdrehen. Man hat ja beim Betrachten aller Fotos Moosach bereits in allen seinen Facetten studieren können. Wer sich lieber sein eigenes Bild machen will, entsteigt der U-Bahn-Station in Fahrtrichtung.

Das Pelkovenschlössl.
Das Pelkovenschlössl. © jot

Und schon stehen Sie auf Moosachs zentralem und geschichtsträchtigstem Platz. Linkerhand ist das Pelkovenschlössl (2) zu erkennen. Gasthaus, Wohnungen, Gärtnerei – das 1690 als Hofmarkschloss erbaute Gebäude hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Und wird inzwischen als Kultur- und Bürgerhaus genutzt. Hier wird unter anderem das Moosacher Kinderradio produziert, und auf der Wiese vor dem Schlössl finden Konzerte statt.

Der Friedhof an der alten St.-Martins-Kirche.
Der Friedhof an der alten St.-Martins-Kirche. © jot

Gleich gegenüber: der Namensgeber des Platzes, nämlich die alte St.-Martins-Kirche (3). Erwähnt bereits vor etwa 1.200 Jahren, in seiner heutigen Gestalt im 12. und 13. Jahrhundert gebaut. Auch sie hat eine bewegte Geschichte, diente im 30-jährigen Krieg sogar mal als Pferdestall. Auf dem kleinen Friedhof fand auch ein Königlicher Fasanmeister seine letzte Ruhestätte. Von hier folgen Sie der Pelkovenstraße bis zur Dachauer Straße. Von der alten Hauptachse Moosachs geht es zur neuen sozusagen.

Seit 1442 gibt es den Alten Wirt.
Seit 1442 gibt es den Alten Wirt. © jot

Zum Einkehren ist es wohl noch zu früh. Obwohl, wenn die Sonne brennt, ist der Schatten einer Kastanie zu jeder Zeit wertvoll. Der Alte Wirt (4) beköstigt seit 1442 die Moosacher und ihre Gäste. So steht’s geschrieben. Ob mit oder ohne vorige Einkehr im Biergarten, folgen Sie nun der Verkehrsschlagader Dachauer Straße, stadteinwärts bis zur Hugo-Troendle-Straße und biegen dort nach rechts ab. Nach einigen hundert Metern durch das Wohngebiet müssen Sie links in die Welzenbachstraße und dann gleich wieder rechts in die Templestraße. Am Ende der Straße erreicht man den Amphionpark, quert diesen und kommt per Fußgängerbrücke auf die andere Seite des lärmenden Wintrichrings.

Münchens ältester Baum, die Röth-Linde.
Münchens ältester Baum, die Röth-Linde. © jot

Sie halten sich rechts und folgen nun den Schildern zur Gartengaststätte der Schrebergartenkolonie, flanieren lässig links an diesem vorbei (oder kehren ein) und folgen dem Weg dann zum Gatter am Ende. Hier steht Münchens ältester Baum, die Röth-Linde (5). Etwa 350 Jahre alt soll der dem Landschaftsmaler Philipp Röth gewidmete Baum sein. Kein Wunder, dass er nach all den Jahren Unterstützung in Form von Metallgerüsten braucht.

Die Aussegnungshalle.
Die Aussegnungshalle. © jot

Aus der Nederlinger Straße wird jetzt die Baldurstraße. Sie nutzen den ersten Eingang auf das Friedhofsgelände, das Tor Nederling, und laufen lieber (parallel zur Straße) auf den gut ausgeschilderten Wegen des Westfriedhofs (6) an blühenden Wiesen, torkelnden Schmetterlingen und schattigen Grabfeldern vorbei auf die Aussegnungshalle zu. Der imposante Kuppelbau hat ein historisches Vorbild. Er ist einem römischen Mausoleum nachempfunden.

Aufgestellt Skulpturen in lauschigen Höfen.
Aufgestellt Skulpturen in lauschigen Höfen. © jot

Nun fehlt nur noch eine Station zur Komplettierung unseres Spaziergangs: die Borstei (7). Vom Westfriedhof zu der berühmten Wohnsiedlung an der Dachauer Straße sind es nur wenige Meter. Namensgeber Bernhard Borst erbaute die Mehrfamilienhäuser um sieben Höfe herum in den 20er Jahren. Hier steht Deutschlands erstes (und immer noch funktionierendes) zentrales Heizkraftwerk, das kultivierte Ensemble wirkt mit seinen lauschigen Höfen und den hier aufgestellten Skulpturen trotz der nahen Dachauer Straße wie eine Oase der Stille und Kontemplation. Der Spaziergang geht hier zu Ende. Mit der Tram oder der S-Bahn geht es dann ganz bequem zurück in die City.

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