Nach AZ-Bericht: Rettung fürs Sendlinger Kleingarten-Biotop?

Naturschützer und die Rathaus-ÖDP fordern, die Gartenordnung ändern zu lassen.  
| Irene Kleber
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300 Quadratmeter misst Grießmeyers Idylle. Mittendrin: sein bewachsenes Holzhäusl unterm Kirschbaum, der mit acht Metern zu hoch ist.
Sigi Müller 300 Quadratmeter misst Grießmeyers Idylle. Mittendrin: sein bewachsenes Holzhäusl unterm Kirschbaum, der mit acht Metern zu hoch ist.

Sendling - Den Komposthaufen wegräumen – und damit auch den Unterschlupf für die Igel? Den acht Meter hohen Kirschbaum auf die Hälfte zusammenschneiden? Exotische Blumen und Brennnesseln entfernen, obwohl sie Lebensraum für Bienen und Schmetterlinge bieten? Und gar: die Grasfrösche, Teichmolche und Erdkröten umsiedeln?

Kleingarten wird zum Biotop - Rauswurf droht

Was der Sendlinger Gärtnermeister Jürgen Grießmeyer, der aus seiner Parzelle im Kleingarten SW 121 ein Biotop gemacht hat, alles tun soll, damit der Verband seinen Pachtvertrag nicht kündigt, lässt Münchner Naturschützer nur den Kopf schütteln. "Es ist natürlich völlig in Ordnung, wenn Vereine aufpassen, dass im Kleingarten Regeln beachtet werden", sagt der Münchner Bund-Naturschutz-Chef und Grünen-Landtagsabgeordnete Christian Hierneis. "Aber etliche Regeln in der Gartenordnung sind heute, wo sich vieles um Artenschutz dreht, nicht mehr zeitgemäß, die müssen dringend geändert werden."

Dass größere Komposthaufen mit Totholz nicht liegenbleiben dürfen, sei etwa "völliger Unsinn". Auch dass die Grünordnung auf einem Drittel einer Parzellenfläche Obst- und Gemüseanbau vorschreibt, müsse neu überdacht werden. "Die Regel stammt aus Kriegszeiten. Heute müssen wir aber in München keine Hungersnot mehr bekämpfen, sondern wir brauchen grünen Lebensraum für Menschen und bedrohte Tiere in der Stadt."

300 Quadratmeter misst Grießmeyers Idylle. Mittendrin: sein bewachsenes Holzhäusl unterm Kirschbaum, der mit acht Metern zu hoch ist.
300 Quadratmeter misst Grießmeyers Idylle. Mittendrin: sein bewachsenes Holzhäusl unterm Kirschbaum, der mit acht Metern zu hoch ist. © Sigi Müller

"Etliche Regeln sind nicht mehr zeitgemäß"

Die Stadtrats-ÖDP will sogar noch weitergehen. "Ich sehe auch überhaupt keinen vernünftigen Grund, warum man heute keine Spielgeräte oder Trampolins für Kinder in einen Schrebergarten stellen darf", sagt ÖDP-Stadtrat Tobias Ruff.

Er kündigt für kommende Woche einen Stadtratsantrag an: "Die Verwaltung soll prüfen, wie sich diese alte Gartenordnung für Münchens Kleingärten möglichst schnell modernisieren lässt", sagt Ruff. "Wir sollten nämlich nicht verhindern, dass engagierte Gartler Biotope gedeihen lassen, wir sollten es im Gegenteil sogar fördern."

Der Grüne Christian Hierneis hat dazu auch schon einen Plan in der Tasche: Er möchte einen Preis ausloben – "für den ökologischsten Kleingarten der Stadt".

Lesen Sie hier: Vermieter muss Lärmattacken nicht hinnehmen

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