Münchner SPD-Politikerin Beate Bidjanbeg: "Kreativität macht glücklich"

Seit der Hippie-Zeit kennt diese Stadtviertel-Politikerin das hippe Glockenbachviertel: In den 70er Jahren gab es hier noch Kohlehandlungen und Tante-Emma-Läden. In den Hinterhöfen: lauter schöne und urige Werkstätten.
| Eva von Steinburg
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Kreatives Chaos, Atelier - und Wohnzimmer: Beate Bidjanbeg (61) lebt hier.
Daniel von Loeper Kreatives Chaos, Atelier - und Wohnzimmer: Beate Bidjanbeg (61) lebt hier.

Heute in unserem Stadtteil-Porträt: Beate Bidjanbeg. Die SPD-Lokalpolitikerin aus München wohnt in einem Atelier in der Isarvorstadt.

Isarvorstadt - Seit der Hippie-Zeit kennt diese Stadtviertel-Politikerin das hippe Glockenbachviertel: In den 70er Jahren gab es hier noch Kohlehandlungen und Tante-Emma-Läden. In den Hinterhöfen: lauter schöne und urige Werkstätten. So wie beim Meister Eder und seinem Pumuckl: "Vielleicht kommt der Pumuckl wirklich von hier - es würde passen", sagt Beate Bidjanbeg (61).

Als Studentin wohnte die SPD-Frau in einem aufgegebenen Milchladen in der Baaderstraße. Inzwischen hat sie in der Dreimühlenstraße 4 mit ihrem Bildhauer-Mann eine Galerie - in der sie auch wohnt: "In der Galerie zu schlafen, ist ein Erfolgsmodell. Sonst hätte ich ja zwei Haushalte", sagt sie verschmitzt.

Das Bildhauer-Atelier, in dem es Vernissagen, Lesungen und Konzerte gibt, ist ihr Wohnzimmer. Kommen Gäste zum Abendessen, räumt sie die halbfertigen Terrakotta-Arbeiten ihres Mannes weg - und baut eine Tafel für zwölf Personen auf. Denn: Menschen bringt sie liebend gerne zusammen.

Bidjanbeg ändert, was sie kann

Im Bezirk Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt kümmert sich Bidjanbeg als Kinderbeauftragte um junge Leute. Im November hält sie im Jugendtreff Tröpferlbad ihre Kinder-Bürgerversammlung ab: "Ich mache das am Tag der Kinderrechte. Ich will, dass Kinder merken, dass Politik etwas ist, was man nicht einfach wegschiebt."

Ihr großes Credo: "Ich bin ein Beteiligungs-Fan. Wenn junge Menschen irgendwo mitmachen, reifen sie, gewinnen Zufriedenheit und können auch geben".

In der Stadtviertelpolitik ändert Beate Bidjanbeg, was sie ändern kann. Oft wird die Kinderbeauftragte von Eltern für sehr kleine Erfolge gelobt: Zum Beispiel lässt sie ein Totenkopf-Poster aus einer Unterführung an der Isartalstraße verschwinden. Zwei Grundschüler hatten sich vor einem Konzertplakat der Heavy-Metall-Band Iron Maiden gefürchtet. Bidjanbeg sah es sich an - und informiert die Stadt.

"Schnelle und kreative Lösungen machen mich glücklich. Die sind die Triebfelder für mein Engagement", sagt die Frau mit den braunen Haaren und dem weichen Blick. Zuletzt hat sie der Thalkirchner Straße auf Höhe Waltherstraße eine Verkehrsinsel verschafft. Hier pausieren die Schulkinder beim Überqueren der Straße zur Tumblingerschule: "So ist es sicherer. Für mich ist das schön und befriedigend."

Beate Bidjanbeg ist eigentlich Künstlerin. Sie hat einen Abschluss der Münchner Kunstakademie. Doch anstatt als Kunstlehrerin zu arbeiten, ging die zudem Mathe- und Computer-begeisterte Frau zu Siemens in die EDV.

Integration genießt höchste Priorität

Integrationsarbeit scheint ihre Mission auf allen Ebenen zu sein: "Die Leute kommen mit ihren Nöten zu mir, weil ich gut verstehe, wo die Ursachen für Missverständnisse liegen", vermutet sie. Soziales Engagement und ein menschlicher Umgang miteinander sind für die Lokalpolitikerin fundamental: "Die Empathie habe ich von meinem Vater, er war in der Kirche engagiert. Dass man Nächstenliebe nicht nur predigt, sondern auch lebt, war mir immer sehr präsent."

Politisch unterstützt sie die Sozialgenossenschaft "Bellevue di Monaco", die Geflüchtete mit einheimischen Münchnern zusammenbringt: "Die machen eine super Arbeit. Konkrete Aufgaben auf der Baustelle vorzugeben, ist genau richtig."

Dass die drei städtischen Häuser an der Müllerstraße vor dem Abriss bewahrt wurden - das ist mit ihr Verdienst. Sie provozierte die Stadträte im Rathaus: "Wenn nicht das Bellevue die Monaco, was ist dann ein sozialdemokratisches Projekt?" Auf der Bellevue-Homepage steht Beate Bidjanbeg mit Foto und Statement als Unterstützerin. Ihr Statement: "Es gibt nur einen Globus und der ist unser aller Heimat."

Weltoffen ist die pragmatische Münchnerin seit ihrer Studentenzeit: Ihr Mann, der Bildhauer O.M. Bidjanbek, stammt aus dem Iran und sitzt mittlerweile auch wieder im Bezirksausschuss.

Unkonventionell, direkt hippiemäßig - so wohnen sie in ihrer Kunstgalerie. Sie trinken ihren Tee umgeben von geheimnisvollen Tonfiguren und Bronze-Plastiken: Eulen, Schnecken, Löwen - und ineinander verschlungene Liebespaare.

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