München: Schwabings denkmalgeschütztes Milchhäusl soll saniert werden

München verändert sich an allen Enden. Überall stehen Kräne. Es wird abgerissen, aufgebaut, nachverdichtet – das große Baustellen-Wirrwar. 
| Lea Kramer
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Im November 2017 schaltet sich der BA ein, weil das Häusl verkommt.
Lea Kramer Im November 2017 schaltet sich der BA ein, weil das Häusl verkommt.

München - Man kennt es mittlerweile. Dem von außen gern belächelten Millionendorf geht langsam aber sicher der dörfliche Charakter verloren.

Mitten in der Kurve zur Seestraße ist ein Relikt aus Schwabings Dorfzeiten übrig. Das denkmalgeschützte Kleinsthäusl ist um 1800 entstanden. Da hatte das Dorf Schwabing bereits einige Jahrhunderte hinter sich. Vom ländlichen Idyll mit Wiesen, Feldern und einzelnen Gehöften ist damals schon nicht mehr viel übrig. Seit 1715 steht ein paar Schritte die Werneckstraße hinauf das Schloss Suresnes, ein Landschloss nach französischem Vorbild.

Schwabing bei europäischer Bohème äußerst beliebt

Ab da entwickelt sich der Ort rasant zur kleinen Stadt mit Freibädern, Schulen, Krankenhaus und Industrie. Am 20. November 1890 ist’s mit der Eigenständigkeit vorbei. Schwabing wird nach München eingemeindet. In derselben Zeit beginnt die goldene Ära des Viertels als Magnet für Künstler, Verleger, Publizisten Schriftsteller und politische Aktivisten. Bei der europäischen Bohème ist Schwabing äußerst beliebt.

Eine rote Revolution, zwei Weltkriege, Studenten-Krawalle: All diese Zeiten haben dem Bau nichts anhaben können, der übrigens mal als Milchhäusl genutzt wurde. Ein Investor hatte an der prominenten Stelle einen Neubau geplant. Dieser wurde ihm von der Unteren Denkmalschutzbehörde 2017 verwehrt. Der Eigentümer nahm den Abbruchantrag zurück, am Häusl passierte aber nichts.

Im November 2017 schaltet sich der BA ein, weil das Häusl verkommt.
Im November 2017 schaltet sich der BA ein, weil das Häusl verkommt. © Lea Kramer

Illegaler Abriss macht Nachbarn aufmerksam

Vor gut einem Jahr haben Haus und Grundstück erneut den Besitzer gewechselt. Und plötzlich steht ein neuer Kran an der Werneckstraße 10. Nachbarn und Bürgerinitiativen sind aufgescheucht. Seit dem illegalen Abriss des denkmalgeschützten Uhrmacherhäusls in der Giesinger Feldmüllersiedlung sind alle für Baustellen sensibilisiert.

Während die Stadt im Prozess gegen den Obergiesinger Abbrecher gerade einen Rückschlag vor dem Verwaltungsgericht hinnehmen musste, gibt es in Altschwabing erfreuliche Nachrichten: Das Milchhäusl wird saniert und in die Bebauung eines Einfamilienhauses eingebunden.

Ein kleiner erdgeschossiger Anbau sowie der Schuppen, die beide wesentlich später entstanden sind als das Gebäude selbst, wurden mit dem Einverständnis von Unterer Denkmalschutzbehörde, Landesamt für Denkmalpflege, Planungsreferat sowie dem Bezirksausschuss Schwabing-Freimann bereits abgerissen.

Neue Besitzer wollen Milchhäusl sanieren

Das Erdgeschoss des Einfamilienhauses steht im Rohbau. "Es handelt sich um eine Kommunenbebauung an den Nachbargebäuden Werneckstraße 8 und Seestraße 2", sagt ein Sprecher des Planungsreferats. Demnach sei das neue Gebäude in der Höhe gestaffelt. An der Werneckstraße erhält das Haus vier Geschosse, im mittleren Teil fünf, der seitliche Anbau an die Seestraße 2 soll dreigeschossig werden.

Derweil gestaltet sich die Sanierung des gelben Häusls mit seinen niedrigen Decken schwierig für die neuen Eigentümer – keine Investoren, sondern Privatleute. Die wollen ihren Namen nicht in der Zeitung lesen, äußern sich im Gespräch mit der AZ aber äußerst enthusiastisch über die Planungen.

Ihr "volles Herzblut" stecke in dem Projekt. Das Häusl sei in einem schlechten Zustand gewesen. Bald soll es aber wieder Kastenfenster bekommen. Die Teerpappe auf dem Dach kommt ebenfalls weg. Schindeln sollen die zukünftigen Bewohner vor Regen schützen.

Lesen Sie hier: Hinterhof in München soll Studentenwohnheim weichen

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