München: Das letzte leere Fleckerl in Haidhausen

Seit mehr als 40 Jahren liegt ein Grundstück in Haidhausen brach. Bald könnte es sozial bebaut werden – wären nicht die hohen Kosten.
| Lea Kramer
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1990 steht am Straßenrand noch das Gebäude der Reinigung. Hinten ist Brachland.
Stadtarchiv München 1990 steht am Straßenrand noch das Gebäude der Reinigung. Hinten ist Brachland.

Haidhausen - Freie Flächen sind im dicht besiedelten Haidhausen selten. Umso mehr freut es Anwohner und Lokalpolitiker, dass eine Jahrzehnte alte Lücke endlich sozialverträglich bebaut werden könnte. Die Betonung liegt auf könnte – denn das Grundstück in der Metzgerstraße stellt Behörden und potenzielle Eigentümer vor besondere Herausforderungen.

Der Reihe nach. Vor mehr als 41 Jahren hat die Stadt das damals arg heruntergekommene Glasscherbenviertel Haidhausen zum Sanierungsgebiet ausgewiesen. Im Februar 1979 wird die "Münchner Gesellschaft für Stadterneuerung mbH" (MGS) gegründet, der Träger für die geplanten Sanierungen in Haidhausen und dem Westend.

Haidhauser sorgen sich: Neue Eigentümer lassen Mieten steigen

Das Grundstück in der Metzgerstraße 5a gehört schon damals zu den Blöcken, die aufgewertet werden sollen. Die Sorgen der Haidhauser sind damals erschreckend gleich wie heute: Alte Vermieter sterben, neue Eigentümer vertreiben Alteingesessene, Luxussanierung und die Mieten steigen. In der Metzgerstraße geht es vorrangig um etwas anderes, darum, dass überhaupt mal ein Gebäude entsteht.

1990 steht am Straßenrand noch das Gebäude der Reinigung. Hinten ist Brachland.
1990 steht am Straßenrand noch das Gebäude der Reinigung. Hinten ist Brachland. © Stadtarchiv München

Das 144 Quadratmeter große Grundstück ist nämlich unbebaut. Es gehört der Stadt und die hatte es vorbildlich sogar für genossenschaftliches Wohnen vorgesehen. Umgesetzt wird das Vorhaben allenfalls mangelhaft.

Seit 2009 ist Haidhausen offiziell kein Sanierungsgebiet mehr. Das Grundstück an der Metzgerstraße – einst Stätte einer chemischen Textilreinigung – liegt da noch immer brach.

"München Modell" für Genossenschaften: Angebotsfrist bis April verschoben

Im Jahr 2016 bemüht sich die Kleingenossenschaft "Am Johannis" um die Fläche. Nur wenn die Landeshauptstadt ein Baugrundstück auch als solches ausschreibt, können sich potenzielle Bauherren darum bemühen. Doch der Stadtratsbeschluss zur Metzgerstraße lässt auf sich warten. Andere – größere – Projekte in der Stadt haben Vorrang.

Im Dezember 2018 ist es schließlich so weit. Die Ausschreibung für fünf Wohnungen nach dem städtischen "München Modell Genossenschaften" steht, vorerst. Denn der Wettbewerb um das Grundstück geht damit noch immer nicht los.

Das öffentliche Bieterverfahren wird fast ein Jahr später, im November 2019, eröffnet. Bewerbungsschluss ist Anfang Februar 2020, fürs Erste. Die kooperative, nicht-kommerziell organisierte Beteiligungsgesellschaft Mietshäuser Syndikat hatte geklagt, weil sie als GmbH nicht zum Wettbewerb zugelassen war. Das Syndikat bekam recht, die Angebotsfrist wurde bis zum 24. April 2020 verschoben.

Grundstückswert liegt bei 219.000 Euro: Wer kann sich das leisten?

Ob bald gebaut werden kann, ist fraglich. Das Grundstück ist verhältnismäßig klein und deshalb sicherlich auch für Genossenschaften schwer zu finanzieren – die Stadt hat eine Wohnfläche von etwa 490 Quadratmetern inklusive Balkonen und Dachterrassen errechnet.

Die Bewerber dürfen sich aber entscheiden, ob sie das Grundstück kaufen oder 80 Jahre lang im Erbbaurecht nutzen wollen. Den Wert legt die Stadt mit 300 Euro pro Quadratmeter je Geschossfläche an. Bei den anberaumten 730 Quadratmetern käme man auf einen Grundstückswert von 219.000 Euro.

Darüber hinaus hat eine Untersuchung ergeben, dass der Boden belastet ist. Bevor gebaut werden kann, müssten diese Altlasten entfernt werden. Einen Teil der Kosten wird die Gesellschaft für Stadterneuerung aus ihrem Treuhandvermögen tragen – wie viel, wird im Kaufvertrag ausgehandelt.

Ist das Gelände sauber, müssen die neuen Eigentümer oder Pächter zahlreiche weitere Richtlinien beachten. So soll es in dem Neubau Platz für Werkstatträume zur gemeinsamen Nutzung geben. Eine attraktive Grünfläche soll im Außenbereich vorhanden sein, Fahrradstellplätze, Durchgangswege sowie Platz für Mülltonnen müssen eingepreist werden. Autos könnten – kostenpflichtig – Platz in der Tiefgarage an der Preysingstraße finden.

Reges Interesse an Fläche in Haidhausen: "Nur als Liebhaber-Projekt"

Und dann wären da noch die Kosten für die Baustelle selbst. Die sind vermutlich nicht unerheblich, zumal direkt vor der Metzgerstraße 5a die Tram vorbeifährt. Allein das Abstellen eines Containers auf dem Trottoir kostet pro Woche ab 69 Euro aufwärts – zuzüglich den Kosten für Straßensperren, Baustelleneinrichtung und Beschilderung.

Einige Baugenossenschaften hat das alles abgeschreckt. Eine sagt, dass sie sich intensiv mit dem Projekt auseinandergesetzt, sich schlussendlich aber dagegen entschieden habe. Da das Bauvorhaben "nur als Liebhaber-Objekt" denkbar sei. Die Genossenschaft hat errechnet, dass für das Grundstück eine Querfinanzierung im fünfstelligen Bereich nötig wäre – wohlgemerkt pro Jahr.

Dass das Grundstück nicht den Besitzer wechseln wird, ist dennoch unwahrscheinlich. Alteingesessene Zusammenschlüsse wie der Bauverein Haidhausen haben sich beworben. Ebenso die Mietshäuser Syndikat Initiative "El Caracol", die vor einigen Jahren bereits in Thalkirchen ein selbstverwaltetes Mehrgenerationenhaus errichten wollte.

Die GWG, die die Bewerbungen prüft, berichtet von einem regen Interesse an der Fläche. Für die Metzgerstraße hätten sich sogar Menschen neu zu Genossenschaften zusammengetan. Wer am Ende den Zuschlag bekommt, darüber entscheidet ein Punktesystem. Das Konzept mit der höchsten Punktzahl darf eine der wenigen verbliebenen Haidhausener Baulücken schließen.

Lesen Sie hier: Historische Bilder aus München - Das unsanierte Haidhausen

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