Moosach: Familie haust in Bruchbude

In katastrophalen Verhältnissen lebt eine fünfköpfige Familie in Moosach. Kein Einzelfall in München.
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Der Schimmel im Bad ist nur ein Problem von vielen. Weil der Vermieter die Rechnungen nicht zahlte, gibt es jetzt nicht mal mehr warmes Wasser.
dpa Der Schimmel im Bad ist nur ein Problem von vielen. Weil der Vermieter die Rechnungen nicht zahlte, gibt es jetzt nicht mal mehr warmes Wasser.

In katastrophalen Verhältnissen lebt eine fünfköpfige Familie in Moosach. Kein Einzelfall in München.

Moosach - Die horrenden Mietpreise in München treiben immer mehr Menschen in prekäre Wohnsituationen. Die Süddeutsche Zeitung sprach mit einer Familie, die einem Abrisshaus lebt. Die beiden Eltern hausen mit ihren drei Kindern mit Schimmel, dafür ohne Strom und fließend Wasser. Die kaputten Fußböden und unverputzten Wände sind daneben nur kleine Schönheitsfehler in der Tiebstraße. 

Lesen Sie hier: Teuer, teurer, Wohnen in München - Mietpreise 2016

Für ihre beiden kleinen Zimmer mit Küche zahlt die Familie 600 Euro samt Nebenkosten, so steht es im Mietvertrag. Seit sie vor drei Jahren aus Bulgarien nach München kam, lebt sie in dem Horrorhaus. Noch in ihrer Heimat hatten die Eltern den Kontakt zum Vermieter bekommen, der offensichtlich ausschließlich an Bulgaren vermietet. Heizungen gab es in dem Gebäude noch nie. Doch vergangenen Mittwoch drehten die Stadtwerke den Strom ab. 18.000 Euro Schulden hat der Vermieter dort angesammelt. Die Bewohner sitzen nun im Dunkeln. Nicht mal Elektroheizungen halten ihre Wohnungen mehr warm.

 

Mit Gaskocher und Taschenlampe durch den Winter

 

Die Familie versucht mit der Situation irgendwie klar zu kommen - mehr bleibt ihnen auch nicht übrig. Die Mutter bringt die Kinder zum Schnellimbiss um die Ecke, um sich etwas aufzuwärmen. Ihr Mann hat einen kleinen Ofen, der mit Gas heizt, und eine Taschenlampe besorgt. So ist die Familie für die letzten Winterwochen gewappnet.

Schon vor einigen Monaten, Ende 2015, lief der Mietvertrag aus. Doch die Familie weiß einfach nicht, wohin. Auch eine Sozialarbeiterin konnte ihnen nicht helfen, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Der Mann hält die Familie mit Zeitarbeit über Wasser, momentan verdingt er sich als Verputzer. Zusätzliche Leistungen vom Jobcenter stocken die Familienkasse auf. Nicht genug, für ein wohnliches Zuhause.

 

Vermieter: "Wenn das Haus morgen abbrennt, will ich nicht Schuld sein."

 

Der Vermieter fühlt sich selbst als Opfer und gibt den Behörden die Schuld.  "Die Behörden haben mir im vergangenen Jahr gesagt, sie würden sich kümmern, aber nun kümmert sich niemand. Mir tun die Leute ja auch leid", sagt der Vermieter. Ihm ist durchaus bewusst, dass das Haus mit seinen kaputten Wasserleitungen nicht mehr wohnsicher sei. Schon aus Sicherheitsgründen dürfe der Strom nicht mehr angeschaltet werden.

Aber er bekommt die Bewohner nicht aus dem Haus: Obwohl ihre Mietverträge längst ausgelaufen sind, blieben einige einfach wohnen. Mit Räumungsklagen geht er jetzt gegen die Mieter vor. Sobald das Gebäude leer steht, will er es abreißen und das Grundstück vermieten. Das Haus sei bisher ein reines Verlustgeschäft gewesen: Mehr als 30.000 Euro Schulden hat der Besitzer, weil die Mieter die hohen Nebenkosten-Nachzahlungen nie beglichen hätten.

 

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Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtete, ist das Schicksal der Familie kein Einzelfall in München. Das Sozialreferat bestätigt, dass immer mehr Armutszuwanderer auf zweifelhafte Miet- und Wohnverhältnisse ausweichen. Die hohen Mieten in der Stadt verschärfen das Problem.  Dort ist das Gebäude an der Triebstraße bekannt, es steht auf der Liste als eines von 43 Objekten in prekären Verhältnissen, mit denen sich eine Taskforce beschäftigt. Doch die Möglichkeiten, dagegen vorzugehen, seien sehr beschränkt.

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