Messerstecher von Haidhausen in München: Die Erklärung für die Wahnsinns-Tat

Im vergangenen Oktober attackierte er wahllos Passanten. Aus Angst vor dem Dritten Weltkrieg, sagt Patrick H. am Montag vor Gericht.
| Victoria Kunzmann
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Patrick H. nimmt vor Anwalt Christian Gerber im Saal Platz.
von Loeper Patrick H. nimmt vor Anwalt Christian Gerber im Saal Platz.

Die Angst vor Familie Rothschild sei die Motivation für seine Taten gewesen, erklärt Patrick H.; diese Familie sei es, die einen Dritten Weltkrieg anfangen wolle. "Für eine neue Weltordnung, ein neues Wirtschaftssystem", sagt der 34-Jährige.

Messerstecher von Haidhausen verletzte acht Menschen

Die Bilder vom 21. Oktober 2017 sind vielen Münchnern noch sehr gut vor Augen. Unterwegs auf einem Fahrrad, attackierte ein Mann in Haidhausen insgesamt acht Menschen, stach mit einem Messer auf sie ein, schlug sie. Unter den Opfern war ein zwölfjähriger Bub. Schnell kamen Erinnerungen an den Amoklauf am Olympia-Einkaufszentrum von Juli 2016 hoch. Zwei Stunden nach dem brutalen Vorgehen wurde der Täter festgenommen.

Messerstecher von Haidhausen in Psychiatrie: Er bereut die Tat

Seitdem ist Patrick H. in einer psychiatrischen Klinik im Münchner Osten untergebracht. Am Montag hat der Prozess gegen ihn begonnen. Sie wirkt einstudiert, die Geschichte des Patrick H., der mit kurzer Sporthose und blaugrauer Kapuzenjacke den Richtern zugewandt im Gerichtssaal sitzt. Er redet sehr leise, nuschelt fast, während er die Geschicht vom drohenden Dritten Weltkrieg erzählt.

Hatte Angst um seine hellseherischen Fähigkeiten

Seit Ende seines Chemie-Studiums zu Beginn vergangenen Jahres, als er anfing, sich im Internet über die Rothschilds zu informieren, habe er sich vor dem Krieg gefürchtet. Patrick H., der vor einigen Jahren mit Drogen gehandelt und sie hergestellt hat, sagt, er sei schizophren. Auch andere Familienmitglieder hätten die Krankheit. Am 21. Oktober sei er durch die Psychose im Wahn gewesen. Er habe geglaubt, die Menschen, die er an diesem Tag auf der Straße in Haidhausen mit einem Messer mit 8,5 Zentimeter langer Klinge angegriffen hatte, seien Mitglieder der Familie Rothschild gewesen, die ihm die hellseherischen Fähigkeiten rauben wollten. Durch Meditationsübungen glaubte er, Hellseher zu sein. "Heute muss ich darüber schmunzeln", sagt H.

Einige seiner Opfer hätten rote Kleidung getragen, das habe er als Zeichen gesehen. Weshalb die Farbe ein Zeichen sein sollte, konnte der Beschuldigte nicht erklären. Er sei wie im Wahn gewesen. Ob er billigend in Kauf genommen hätte, dass die Menschen sterben könnten? "Genau", antwortet er dem Vorsitzenden Richter.

Nach Messerattacke: Täter setzt sich auf Parkbank

Patrick H. setzte sich nach seiner wahnhaften Attacke laut eigenen Ansagen auf eine Parkbank. "Ich dachte mir, das ist zu heftig, was ich jetzt gemacht habe. Ich muss in Deckung gehen", erzählte der im nordrhein-westfälischen Marl geborene Mann. In Deckung vor weiteren Mitgliedern der Familie Rothschild.

Staatsanwaltschaft: Psychiatrisches Krankenhaus für H.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 34-Jährigen zwei weitere Delikte vor, bei denen Patrick H. aufgrund seiner Schizophrenie ausgetickt ist. Sie glaubt, dass H. aufgrund seines seelischen Zustandes für die Allgemeinheit gefährlich ist und weitere Taten zu erwarten sind. Deshalb fordert sie, dass Patrick H. dauerhaft in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht wird.

Zehn Monate nach der Tat befinde sich Patrick H. nicht mehr im Wahn, wie er und sein Pflichtverteidiger Christian Gerber betonen. Auf die Frage, ob die Familie Rothschild noch immer vorhabe, den Dritten Weltkrieg anzufangen, huscht ein Grinsen über das Gesicht von H.: "Ich kann es Ihnen nicht sagen." Der Prozess wird am Mittwoch fortgeführt. Sieben Verhandlungstage sind angesetzt.

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