Herzog-Wilhelm-Straße: "Dieser Platz ist ein Schandfleck"

Grüner, schlauer, besser: In einer neuen Serie geht die AZ der Frage nach, wie Plätze in Zukunft aussehen müssen – los geht es gleich hinterm Sendlinger Tor.
| Annika Schall
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Mit einem Stadtbach und mehr Platz für Flanierer könnte der Herzog-Wilhelm-Park gleich besser aussehen, findet Greencity. Im kleinen Foto: der Ist-Zustand.
Green City/Wackerbauer Mit einem Stadtbach und mehr Platz für Flanierer könnte der Herzog-Wilhelm-Park gleich besser aussehen, findet Greencity. Im kleinen Foto: der Ist-Zustand.

Altstadt - Ein paar Tauben picken an einer weggeworfenen Semmel, Schnee schmilzt in grauen Pfützen auf der Wiese, darüber thront eine Reiterstatue, an der ein Pferdehuf fehlt: Zugegeben, besonders einladend sieht die Grünanlage an der Herzog-Wilhelm-Straße direkt hinterm Sendlinger Tor nicht aus.

Vielleicht auch deswegen halten sich an diesem Vormittag nicht viele Menschen hier auf. Die meisten eilen rasch mit Hund an der Leine oder Kaffeebecher in der Hand über den Platz. Verweilen möchten hier nur die wenigsten.

"So wie der Platz momentan ist, ist er schon ein Schandfleck" findet auch Silvia Gonzalez, Leiterin des Bereichs Stadtgestaltung bei Green City. Schon öfter war der kleine Park Thema, nicht nur bei der Organisation, die sich für ein grünes und lebenswertes München einsetzt, sondern auch in der Stadtverwaltung.

Gonzalez: "Dabei hätte das hier so viel Potenzial"

Der Spielplatz ist heruntergekommen, nach Einbruch der Dunkelheit halten sich in der Grünanlage öfter Obdachlose auf, Vandalismus und Vermüllung sind ein Problem. "Dabei hätte das hier so viel Potenzial", sagt Gonzalez.

Das größte Potenzial des Platzes hat Green City in vier Metern Tiefe unter der Grünfläche ausgemacht. Denn hier verläuft der Westliche Stadtgrabenbach. Ein Abschnitt der insgesamt 175 Kilometer Bach, die laut Informationen von Green City in der Stadt unterirdisch fließen. Und einen Teil davon möchte der Verein nun gerne am Herzog-Wilhelm-Park wieder an die Oberfläche holen.

Bereits im vergangenen Jahr hatte Green City deshalb eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Die belegt: Es wäre durchaus möglich, den Bach über die Grünfläche des Platzes rinnen zu lassen. Zwei kinetische Turbinen würden reichen, um den Bach auf rund 300 Metern über den Herzog-Wilhelm-Park zu führen und so nicht nur die Aufenthaltsqualität, sondern auch das Klima an dem Platz zu verbessern.

"Es wäre nicht soviel Wasser wie zum Beispiel am Eisbach, aber für eine Planschrinne, in der sich im Sommer zum Beispiel Kinder und Hunde abkühlen könnten, würde es reichen", so Gonzalez.

Die Vorschläge der Umweltorganisation kamen auch in der Stadtverwaltung gut an. Grüne und CSU hatten in der Vergangenheit bereits Anträge zu einer Freilegung des Baches gestellt. Derzeit wird eine Beschlussvorlage vorbereitet. Auch für die Aufwertung des Spielplatzes gibt es Stimmen.

Auch die Autos sollen weg

Bei Green City freut man sich über so viel Unterstützung, aber der Bach ist für die Umweltorganisation eigentlich nur die Minimallösung für den Herzog-Wilhelm-Park. "Eigentlich müsste man den ganzen Platz umgestalten", findet Gonzalez. Die Maximallösung von Green City sieht neben einer Freilegung des Baches auch noch eine Erweiterung der Grünflächen und eine fußgängerfreundliche Umgestaltung des Areals vor.

"Dazu könnte man zum Beispiel eine Seite des Platzes autofrei machen", schlägt Gonzalez vor. Eine Autospur und zwei Parkstreifen würden so an einer Seite des Platzes wegfallen. Auch die Querverbindungen im Norden und Süden des Platzes würden damit überflüssig, der Platz könnte so zum Sendlinger Tor hin geöffnet werden, findet man bei Green City.

Dass so ein großer Wurf das Projekt Stadtbach weiter verzögern könnte, darüber ist man sich bei der Umweltorganisation im Klaren. Für die Idee der Maximallösung werben, möchte man trotzdem. "Hier kann man sich gestalterisch noch ausprobieren, und wenn es richtig gemacht wird, könnte das hier ein richtiges Vorzeigeprojekt für die Stadt werden", findet Gonzalez.

Münchens Plätze – damals und heute

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