Glockenbachviertel: Feldahorne kühlen künftig beliebte Straße im Viertel
Zwei Männer in dunkelgrüner Arbeitskleidung schaufeln Erde rund um einen frisch eingesetzten Baum. Der etwa sechs Meter hohe, noch blätterlose Feldahorn ist der erste von sieben Straßenbäumen, die am Dienstagvormittag in der Arndtstraße gepflanzt werden.
3500 neue Bäume für München
Im Dezember 2023 beschloss der Stadtrat, 3500 neue Bäume an öffentlichen Orten in ganz München zu pflanzen – 1500 davon auf bislang versiegelten Straßen. So eine ist auch die Arndtstraße: Wohnhäuser ragen links und rechts in die Höhe, Grün sucht man hier vergeblich.
Anna Helidonis (42) lebt seit mehr als 30 Jahren in der Nachbarschaft – und freut sich. "Wir brauchen sie einfach. Vor allem im Sommer merkt man, wie heiß die Flächen werden", sagt sie. "Ich habe fast 30 Jahre darauf gewartet, jetzt sind sie endlich da."

Auch der Bezirksausschussvorsitzende Benoît Blaser (Grüne) zeigt sich zufrieden. Nach einem langen Prozess mit vielen Bürgervorschlägen sei es gut, dass nun gepflanzt wird.

Klar sei aber auch: Bäume im engen Straßenraum kosten Parkplätze. Der öffentliche Raum ist begrenzt, Kompromisse sind nötig, so Blaser. Trotz einzelner Unzufriedener kämen die Bäume gut an im Viertel.
Bürgermeister Dominik Krause gibt am Dienstag gemeinsam mit Baureferentin Jeanne-Marie Ehbauer (beide Grüne) den Startschuss. "Wir kommen gut voran", sagt Krause. 1400 Bäume wurden im vergangenen Jahr gepflanzt, 800 sollen heuer dazukommen. Die Bäume würden maßgeblich zur Kühlung der Straße beitragen, so Krause. "Und ein netter Nebenaspekt: Bäume sind schön und werten die Stadt auf."
Mehr als 50 Millionen Euro
Für das Gesamtprojekt hat der Stadtrat mehr als 50 Millionen Euro bewilligt. Ein einzelner Baum kostet rund 5000 Euro – das ergibt 17,5 Millionen. Der Rest fließt in die Vorbereitung. Denn damit ein Baum in der Stadt wachsen kann, reicht ein Loch im Asphalt nicht.
Der Boden ist oft verdichtet und ungeeignet. Mitarbeiter des Tiefbaus müssen Flächen entsiegeln, Erde austauschen, Standorte vorbereiten, erklärt die Baureferentin.

Landschaftsarchitekt Markus Schäf betont die Bedeutung des sogenannten Baumquartiers – des unterirdischen Wurzelraums. Etwa 32 Kubikmeter Platz braucht ein Straßenbaum. Das entspricht dem Fassungsvermögen eines Schiffscontainers.
Unter dem schmalen Pflanzstreifen an der Oberfläche liegt ein spezieller, verdichtbarer Kiesboden mit angepasster Körnung. So gelangen Luft und Wasser an die Wurzeln.
Auch die Baumart spielt eine Rolle. "Wir pflanzen mittlerweile andere Bäume als früher. In München sind Straßenbäume zu über 80 Prozent Linde und Spitzahorn." Beide kommen schlecht mit dem Klimawandel klar.
Deshalb setzt die Stadt verstärkt auf robustere Arten wie den Feldahorn. Er hat eine raue Rinde, ist weniger anfällig für Sonnenbrand und trägt kleinere Blätter, über die weniger Wasser verdunstet.
Die nun gepflanzten Bäume sollen einmal bis zu 15 Meter hoch werden – und im besten Fall viele Jahrzehnte Schatten spenden.
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