Interview

Giesinger Biersommelier: "Die Welt ist voller schlechter Biere"

Gianluca Massa ist Biersommelier. Deshalb trinkt er extra weniger. Ein Gespräch.
| Annabel Gruber
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Der Gastronom Gianluca Massa bietet in seiner Giesinger Bar besondere Biere an und kocht dort auch - neapolitanisch.
Der Gastronom Gianluca Massa bietet in seiner Giesinger Bar besondere Biere an und kocht dort auch - neapolitanisch. © Bernd Wackerbauer

Giesing - Der gebürtige Italiener Gianluca Massa ist Biersommelier und besitzt die Ambar Bierbar in Obergiesing.

Er hat auch schon einmal selbst Bier gebraut, trinkt aber selten davon. Warum ihm seine eigene Kreation nicht schmeckt, erzählt er im Gespräch.

AZ: Herr Massa, Sie sind Biersommelier und haben eine Bierbar. Wie viel Bier trinken Sie am Tag?
GIANCLUCA MASSA: Leider darf ich nicht so viel trinken (lacht). Bier ist zwar mein Beruf, aber in der Bar achten mein Team und ich darauf, bis zum Feierabend zu warten und dann ein Bier zu trinken. Außerdem bleiben wir zwei oder drei Tage in der Woche komplett trocken, sonst werden wir Alkoholiker.

Biersommelier muss das richtige Bier aussuchen

Eine Biersommelier-Ausbildung kostet in der Regel um die 3.000 Euro. Das muss man sich erst einmal leisten. Woher kommt Ihre große Liebe zum Bier?
Ich habe bereits in meiner Jugend gerne Bier getrunken. Seit fast 20 Jahren bin ich nun in Deutschland und habe seitdem immer nur Bier aus München getrunken. Mit der Zeit wollte ich aber nicht jeden Abend das Gleiche trinken. Deswegen habe ich mir belgisches und italienisches Bier bestellt. Ich hatte auch schon lange den Traum, eine eigene Kneipe aufzumachen. Ich dachte mir, bevor ich eine Bier-Bar aufmache, sollte ich eine gewisse Professionalität haben.

Was macht man dann als Biersommelier?
Man muss darauf achten, dass das Produkt gut ist. Man muss richtige Biere aussuchen.

Was ist denn ein richtiges Bier?
Das ist zwar eine billige Antwort, aber: Ein richtiges Bier muss schmecken. Mein Job ist es also, Biere auszusuchen, die Charakter zeigen.

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"Bier ist für mich kein Durstlöscher"

Sie meinen den geschmacklichen Charakter?
Ja, genau. Aber man verkauft als Sommelier die ganze Story von der Brauerei, promotet eine Region oder auch einen Ort. Der letzte Schritt ist es, das Bier den Gästen gut zum Essen auszusuchen.

Was macht für Sie ein gutes Bier aus?
Für mich ist es ein gutes Bier, wenn ich weiß, woher es kommt. Geschmack ist auch wichtig. Aber Bier ist für mich kein Durstlöscher, sondern eine ganze Story. Ein Komplettpaket.

Was ist dann Ihr Lieblingsbier?
Ich habe keine Lieblingsbiere. Jede Saison kommen ja neue Biere auf den Markt. Grundsätzlich liebe ich die Biersorte Dunkler Doppelbock.

Was ist das schlechteste Bier, das Sie jemals getrunken haben?
Da gibt es eine Menge. Die Welt ist voller schlechter Biere (lacht). Aber in meinem Kopf bleiben nur die Guten.

"Gianluca, du hast wirklich ein Scheiß-Bier gebraut"

Möchten Sie einmal selbst ein Bier herausbringen?
Ich war jahrelang Hobbybrauer. Es war gut, Biersommelier zu werden, weil ich immer wieder meine alten Biere probiere und zu mir sagen kann: Gianluca, du hast wirklich ein Scheiß-Bier gebraut.

Haben Sie Ihr Bier damals verkauft?
In meiner Bar habe ich es ab und zu verkauft. Eines von meinen zwei gebrauten Bieren hat sogar einmal bei einem italienischen Bierfest den dritten Platz geholt.

Wie viele Biere haben bei diesem Fest teilgenommen?
In der Kategorie waren es um die 50 oder 60.

Welche Kategorie war das?
Kölsch. Auch das findet man in Italien (lacht).


Ambar, Tegernseer Landstraße 25,
Montag bis Freitag, 17 bis 23 Uhr, 089/740 303 58

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