Fußballfans werden (Sticker-)Künstler

Witzig, derb, münchnerisch: An jeder Ecke kleben Sticker von Bayern- und Löwen- Anhängern.  Im JIZ werden jetzt viele von ihnen vorgestellt – und über die Münchner Ausprägung dieser Kunst diskutiert.
| Felix Müller
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An der Kette von Sechzig-Investor Hasan Ismaik (rechts): Präsident Peter Cassalette.
Fabian Bross 6 An der Kette von Sechzig-Investor Hasan Ismaik (rechts): Präsident Peter Cassalette.
Hier mag jemand die Sechzger nicht so gerne.
Fabian Bross 6 Hier mag jemand die Sechzger nicht so gerne.
Auch Rote mögen Valentin.
Fabian Bross 6 Auch Rote mögen Valentin.
Fans der Sechzig-Amateure haben sich bei Augustiner bedient.
Fabian Bross 6 Fans der Sechzig-Amateure haben sich bei Augustiner bedient.
Che Guevara auf einem Sticker von Bayern-Ultra-Fans.
Fabian Bross 6 Che Guevara auf einem Sticker von Bayern-Ultra-Fans.
Karl Valentin fand gar nicht krank auch nicht gesund – wie die Löwen.
Fabian Bross 6 Karl Valentin fand gar nicht krank auch nicht gesund – wie die Löwen.

Witzig, derb, münchnerisch: An jeder Ecke kleben Sticker von Bayern- und Löwen- Anhängern

Kein Löwen-Fan mag wie die Bayern sein, kein Roter wie ein Blauer. Doch hier muss mal wohl eine Ausnahme machen. Die beiden jungen Fanszenen eint ihre Leidenschaft fürs Aufkleberkleben – und für Karl Valentin. Sechzger haben einen Sticker mit dem Valentin-Zitat „Gar nicht krank ist auch nicht gsund entworfen“, Bayern kleben „Fremd ist der Fremde nur in der Fremde“. Beide Aufkleber sind in der Stadt zu sehen.

So wie Hunderte andere Motive. An Laternenmasten, auf Verkehrsschildern, natürlich auf Kneipen-Klos: Überall kleben Fans ihre Kreationen. Im Jugend-Informationszentrum (JIZ) werden jetzt viele von ihnen vorgestellt – und über die Münchner Ausprägung dieser Kunst diskutiert.

Lesen Sie hier: Streetart: Das sind die irrsten Münchner Graffitis

Sebastian Drescher macht für das Fanprojekt der Arbeiterwohlfahrt Sozialarbeit mit Fußballfans. Er selbst hat an der Uni über das Phänomen Fan-Sticker geforscht.

„Natürlich geht es um das Markieren des Reviers“, sagt er. In München sei – ähnlich wie im Ruhrgebiet mit Dortmund und Schalke – der Anreiz besonders groß, weil hier zwei Fanszenen konkurrieren. „Vor allem die Sechzig-Szene verortet sich ja sehr stark in ihrem Viertel“, sagt Drescher. „Wenn in Giesing ein roter Sticker klebt, werden oft gleich fünf blaue drüber geklebt.“ Den Boom der Sticker erklärt er auch damit, dass sie sehr einfach zu entwerfen und schnell produziert sind. „Man hat eine Idee, setzt sie auf dem Smartphone um – und hat 24 Stunden später 1000 Sticker.“

Am Donnerstagabend wird im JIZ auch Fabian Bross mitdiskutieren. Der 32-Jährige sammelt für sein Blog derabstand.de Fotos von Streetart – vor allem aus München. „Man findet in der Stadt viel – und auch viele qualitativ hochwerte Motive“, sagt er. Natürlich belebe Konkurrenz die Szene – das sei bei Fußball-Fans wie bei linken und rechten Gruppen, die sich auch überkleben wollen.

Lesen Sie hier: Fan-Contest: „Stimmung besser als bei den Bayern“

Was die einen schön, kreativ und witzig finden, ärgert die anderen. Münchner, die genervt sind von den Aufklebern an jedem zweiten Laternenmast zum Beispiel. Und: die Stadt, die die Verkehrsschilder aufwendig von den Aufklebern reinigt. Es handele sich um Vandalismus, der zugenommen hat, teilt die Stadt auf Nachfrage mit. Mehr als die Hälfte der Aufkleber auf Verkehrsschildern stamme von den Fans der Münchner Vereine. Vor Jahren hatte es noch offiziell geheißen, die Blauen seien „deutlich schlimmer als die Roten“. Jetzt mag die Stadt dazu nichts mehr sagen. Man will offenbar den Revierkampf der Fans nicht weiter anheizen. Das aber ist ohnehin kaum noch möglich.


Am Donnerstag werden im JIZ in der Sendlinger Str. 7 (Innenhof) ab 20.30 Uhr Sticker gezeigt. Anschließend Diskussion. Eintritt frei

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