Erinnerungen aus dem Viertel

AZ-Leserin Gisela Welzenbach erinnert sich für die AZ an ihre Kindheit und Jugend im Lehel - damals noch ein Arbeiterviertel für die weniger gut situierten Münchner.
| Gisela Welzenbach
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Drei "Faschingsmädchen": 1971 in der Lerchenfeldstraße, wo die Leserin aufgewachsen ist.
privat Drei "Faschingsmädchen": 1971 in der Lerchenfeldstraße, wo die Leserin aufgewachsen ist.

Lehel - Ich bin im Lehel aufgewachsen und meine Eltern leben immer noch direkt am Englischen Garten, seit nunmehr 50 Jahren.

Es hat sich sehr viel verändert seit meine Eltern in die Lerchenfeldstraße gezogen sind.

Es fuhr damals noch die gute alte Straßenbahn der Linie 20. Und es gab viele Originale, die mittlerweile alle von uns gegangen sind.

Mein Vater ist noch das letzte Urgestein aus dieser Zeit.

Da war gegenüber unserer Wohnung eine alte volkstümliche Wirtschaft, wo man einen leckeren Schweinebraten für vier oder fünf Mark zu essen bekam. Meine Eltern waren oft am Abend dort auf Bier und Wein.

Ein Gast (er hieß Jakob, wurde aber immer „Jake“ genannt) haute immer wieder voller Freude auf den Kamin, weil er sich so wohl fühlte.

Leider wurde das Haus samt dem Lokal Mitte der 1970er Jahre abgerissen und ein neues Wohnhaus hingebaut.

Zum Glück gab es ein Ausweichlokal „die Hammerschmiede“ (gibt es heute auch schon lange nicht mehr), welches dann auch zum Stammlokal wurde. Als ich ein Teenager war, war ich auch mit Freunden ab und zu dort.

Meine Familie hatte einigen Anteil daran, dass in unserem Bereich – Oettingen-/Lerchenfeld-/Emil-Riedel-Straße – in den dortigen Lokalen/Wirtschaften Leben in der Bude war. Wir haben da tolle Feiern veranstaltet, weil mein Vater, meine Schwester und ein Kollege von ihm Musik spielten.

Mein Vater eine diadonische Harmonika, meine Schwester E-Gitarre und der Kollege spielte Bassgitarre. Ab und zu spielte auch mein Cousin mit der E-Gitarre mit und da ging dann wirklich die Post ab.

Ich selbst habe auch ab und zu mit meiner Schwester Schlager, Countrylieder oder sonstiges gesungen. Und mein Vater hat den Rhythmus (z.B. beim Rock'n'Roll) mit einer Schelle mitgescheppert. Gespielt wurde alles vom Volkstümlichen bis zu Schlagern, Country und Rock'n Roll.

Unser Jake hatte das Lied „Dschingis Khan“ so gern und so setzte er sich einen Sektkübel auf den Kopf und nahm das Schepperl in die Hand und schepperte mit der Musik den Takt mit was das Zeug hielt.

Es waren wunderbare Faschingsfeiern mit den Stammgästen, unserer Verwandtschaft und sonstigem Volk. Auch Weihnachts- und Silvesterfeiern fanden statt.

Selbstverständlich wurden viele runde Geburtstage und auch Jubiläumsfeiern veranstaltet, immer musikalisch begleitet von der Kapelle Rausch und Hupfauf, auch mal Lehel-Trio genannt.

Ich selbst habe meinen 18. Geburtstag und zwei Jahre später meine Hochzeit dort gefeiert.

Die Hammerschmiede war ein sehr volkstümliches Lokal, fast so wie beschrieben in dem Lied „Die kleine Kneipe in unserer Straße“. Es gäbe noch viel zu erzählen.

Bei einer Jubiläumsfeier meiner Tante (Anfang der 1980er Jahre), die ihre 25-jährige Firmenzugehörigkeit in der Hammerschmiede feierte, gab es ein Buffet, wo es u.a. auch einen warmen Leberkäse gab.

Die Stimmung war so gut, dass dieser vor Begeisterung auf den Boden fiel und von der Wirtin völlig unbekümmert wieder auf das Tablett gelegt wurde. Es hat wirklich niemanden gestört.

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