Elisabethmarkt: Streit um den Total-Abriss

Die Stadt will den Elisabethmarkt völlig neu erbauen. Bei den Schwabingern sorgt das für großen Unmut.
| Lisa Marie Albrecht
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Die verschiedenen Standl haben ihren ganz eigenen Charme. Laut Stadt geht der auch bei einem Neuaufbau nicht verloren.
Daniel von Loeper 2 Die verschiedenen Standl haben ihren ganz eigenen Charme. Laut Stadt geht der auch bei einem Neuaufbau nicht verloren.
Die benachbarte Baustelle der Stadtsparkasse stört den Markt noch nicht.
Daniel von Loeper 2 Die benachbarte Baustelle der Stadtsparkasse stört den Markt noch nicht.

Schwabing - Seit über 100 Jahren steht er da, Standl an Standl. Der Markt am Elisabethplatz gehört untrennbar zu Schwabing, darin sind sich die Anwohner einig. Doch die alten Steinhäuschen sind in die Jahre gekommen. Brandschutz und Lebenmsmittelhygiene sind teilweise nicht mehr zeitgemäß. Deswegen will die Stadt den kompletten Markt abreißen und neu bauen. Für die einen eine sinnvolle und zukunftsträchtige Maßnahme – für viele Schwabinger eine Katastrophe.

Die Bürgerinitiative „Pro Elisabethmarkt“ wehrt sich vehement gegen einen Komplettabriss. Sie befürchtet, durch eine Umgestaltung würde der Markt am Elisabethplatz seinen Charme verlieren. Er sei eine „Nische in der modernen Welt“, schreibt die Initiative auf ihrer Webseite. Für die Gruppe um den gebürtigen Schwabinger Hubertus von Medinger sind die Argumente der Stadt nicht ausreichend, nach denen Kühl- und Lagermöglichkeiten, Feuerwehr- und Lieferzufahrten sowie Toilettenanlagen nur bei einer Komplettsanierung die neuesten Auflagen erfüllen können.

Das Problem: Die Standl stehen für moderne Auflagen zu eng

Stattdessen will die Bürgerinitiative eine Sanierung der einzelnen Standl, die so stehenbleiben sollen, wie sie sind. Als Vorbild gilt der Markt am Wiener Platz, um den eine ähnliche Diskussion geführt wurde. Letztendlich hat OB Dieter Reiter entschieden, dass die Häuser dort nicht abgerissen werden. Es sei falsch, dass ein Komplettabriss von der Stadt als alternativlos dargestellt würde, so die Initiative.

Das Kommunalreferat hält dagegen: Sicher hätte man die Standl am Elisabethmarkt aufwendig einzeln sanieren können, sagt Kommunalreferats-Sprecher Bernd Plank – doch wäre das eine denkbar schlechte Lösung gewesen. Das Hauptproblem am Elisabethplatz sei die Enge, in der die Häuschen nebeneinanderstehen. Würde man mit dem Bestand versuchen, alle Auflagen zu erfüllen, müsste man an jedem einzelnen Stand etwas verändern, teilweise etwas anbauen, wodurch die ohnehin schon recht schmalen Wege noch schmaler würden. Stattdessen ist geplant, die Häuser neu anzuordnen. Nach der Sanierung sollen sie asymmetrisch und lockerer als vorher zusammenstehen.

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Eine zweite Ebene soll mehrere Funktionen erfüllen

Die Marktfläche selbst wird sich etwas verkleinern, was mit der benachbarten Baustelle für Stadtsparkassen-Wohnungen zusammenhängt. Die brauchen eine Feuerwehrzufahrt zum Markt und eine Tiefgarage. Zwar würde die Fläche über der Erde um ein Viertel kleiner, der Platz unter der Erde gleiche das durch Lagerflächen, Toiletten und Parkplätze aber mehr als aus, so Plank. Bis jetzt ist nichts entschieden. Es gibt einen Vorbescheid, über den die Stadträte abstimmen müssen. Die Schwabinger Bürgerinitiative hat zahlreiche Unterschriften gesammelt. Auf Change.org hat sie zudem eine Online-Petition ins Leben gerufen, die über 1400 Unterstützer hat (Stand September 2016). Und die Händler? Die sind geteilter Meinung, was den Komplett-Abriss angeht:


Die AZ-Umfrage unter Standlbesitzern:

Karl Huczala verkauft am Elisabethmarkt Obst und Gemüse. Der 37-Jährige ist für eine komplette Erneuerung des Marktes: „Ich befürworte die Komplettsanierung, weil sie unseren Markt zukunftsfähig macht. Zurzeit haben wir einen sehr hohen Personalaufwand, einen erhöhten Energieaufwand, im Sommer keine Kühlung. Die Konkurrenz der Supermärkte ist groß. Ich bin um die Ecke zur Schule gegangen, liebe diesen Markt und möchte die nächsten 30 Jahre hier miterleben. Dafür müssen die Händler konkurrenzfähig bleiben. Wir durften zudem sehr viel Input für die Planungen geben.“

Helmut Breu (50) verkauft neben Obst und Gemüse auch Blumen und Kräuter. Ihm wäre eine moderate Sanierung am liebsten: „Meine Kollegen und ich hören von vielen Kunden, dass alles so bleiben soll, wie es ist. Ich befürchte schon, dass bei einem Komplettabriss der Marktcharakter verloren geht. Aber es stimmt, dass in den letzten Jahren nie etwas Großes gemacht wurde, sondern eher immer nur geflickt. Man muss mit der Zeit gehen. Und wenn es bessere Lager- und Kühlmöglichkeiten gäbe, könnten wir auch mehr Produkte anbieten. Es wäre nur schade, wenn die Standl nach der Sanierung eher nach Markthalle ausschauen.“

Seine Leberkässemmeln verkauft Metzger Franz Sageder vor allem zur Mittagszeit. Ein wenig Angst hat der 37-Jährige schon, dass die Kunden bei einem Abriss wegbleiben: „Es wäre eine große Veränderung. Man könnte eine andere Form der Instandsetzung finden, als einen Komplettabriss. Besonders kritisch sehe ich die Bauphase, während der wir in Containern an anderer Stelle untergebracht wären. Doch wo und wie das sein wird, ist Zukunftsmusik. Man muss schon ein wenig Angst haben, dass die Kundschaft dann wegbleibt, zumal ich viel Laufkundschaft habe.“

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