Donisl: Das neue Reinheitsgebot

Offiziell hat der Donisl noch gar nicht wieder auf. Trotzdem wird in dem Wirtshaus schon an einer neuen Legende gestrickt.
| Florian Zick
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Im Donisl v. li. Paulaner-Chef Andreas Steinfatt, Jürgen Büllesbach von der Bayerischen Hausbau und das Wirtepaar Birgit und Karlheinz Reindl.
Daniel von Loeper Im Donisl v. li. Paulaner-Chef Andreas Steinfatt, Jürgen Büllesbach von der Bayerischen Hausbau und das Wirtepaar Birgit und Karlheinz Reindl.

Altstadt - Das Geschichtenerzählen gehört zum Wirtedasein wie das Bierausschenken. Irgendwie muss man seine Gäste ja binden. Ein paar Mythen, die man unter die Leute bringen kann, sind da alles andere als schädlich.

Als Paulaner-Chef Andreas Steinfatt gestern den neuen Donisl vorgestellt hat, verbesserte er sich deshalb gleich. Das Lokal sei das zweitälteste, naja, eigentlich älteste Wirtshaus in München. Die Hundskugel gibt es ja schon nicht mehr. Da ist ein bisschen Legendenbildung jetzt nicht verboten.

Der Donisl ist nun also Münchens ältestes Wirtshaus, das tatsächlich auch noch in Betrieb ist. Seit Ende vergangener Woche hat die Traditionsgaststätte neben dem Rathaus wieder auf. Eigentlich wollte Wirt Karlheinz Reindl ein sogenanntes Soft Opening machen: Still und heimlich aufsperren und dann ganz langsam starten. So glänzend-golden wie der neue Namensschriftzug vom Donisl aus über den Marienplatz strahlt, war aber eigentlich klar: So soft wird die Wiedereröffnung nicht.

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Nächsten Montag, am 7. Dezember, soll der Donisl nun auch offiziell eröffnen, erst mit geladener Prominenz, tags darauf dann auch ganz regulär. Und apropos 7. Dezember – dieser Tag wurde natürlich nicht aus heiterem Himmel gewählt. Er habe diesen Termin beim Richtfest „nicht ganz zufällig gestreut“, sagt Steinfatt. Den Wirt hätte das natürlich ein bisschen unter Druck gesetzt, aber an genau jenem Tag vor 61 Jahren wurde nach dem Zweiten Weltkrieg der alte Donisl wiedereröffnet. So eine Geschichte dürfe man sich doch nicht entgegen lassen.

Natürlich will der neue Donisl nun aber auch seine eigene Geschichte schreiben. Und da soll vor allem das Reinheitsgebot Stichwortgeber sein. Von dieser uralten Regelung hat sich nämlich Architekt Andreas Hild inspirieren lassen: Tische, Bänke, Handläufe – alles aus reinem Birnen- und Ahornholz. „Es gibt hier drin kein furniertes Brett“, freut sich Steinfatt.

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Wirt Karlheinz Reindl bedient diesen Reinheitsgedanken, indem er ein paar altbayrische Speisen zurück auf die Karte geholt hat: den Kalbskopf für 10,50 Euro oder die Stockwurst für 2,60 das Stück.

Bei den Bauarbeiten wurden unter dem Donisl neben einer mittelalterlichen Latrine und einem Trinkbrunnen übrigens auch antike Essenreste gefunden. Steinfatt hat das gefreut. Ist ja durchaus hilfreich, wenn man die Geschichte vom ältesten Wirtshaus der Stadt erzählen möchte.

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