Der BA-Chef in Sendling, Markus Lutz, im AZ-Interview

Eishockey-Fan: Markus Lutz (35) ist BA-Chef in Sendling. Der junge Sozialdemokrat liebt den schnellen Sport und den EHC.
von  Eva von Steinburg
Markus Lutz (SPD) mit seiner Tochter am Harras-Brunnen in Sendling.
Markus Lutz (SPD) mit seiner Tochter am Harras-Brunnen in Sendling. © Daniel von Loeper

Sendling - Markus Lutz hat den Puck entdeckt: "Eishockey ist schnell und spannend“, sagt der 35-jährige Sendlinger. Er liebt die Stimmung, "weil das Olympia-Eisstadion so kompakt ist“. Fußball hat ihn nie gejuckt. "Bei uns ist es wesentlich lauter. Unsere Fangesänge haben mehr Variationen und die Hockey-Spieler frotzeln frech – das ist witzig“. Der junge Stadtviertel-Politiker aus Sendling ist Fan des EHC Red Bull München. Und fürs Olympia-Eisstadion hat er eine Dauerkarte.

Wenn ihn seine Familie lässt, jagt der Sozi selbst mit Helm und Schläger über das Eis. Beim Unisport am Ostpark spielt Markus Lutz hobbymäßig. Das geht, obwohl er schon lange mit seinem Buchwissenschafts-Studium fertig ist.

Liebt den schnellen Sport auf dem Eis: Markus Lutz in Eishockey-Montur am Ostpark (Foto: privat).

"Süden“ von Friedrich Ani liest er auf dem E-Reader. Kapitalismuskritische Sachbücher kauft er als Hardcover. Morgens verschlingt er Zeitungen. Darunter auch die Abendzeitung: "Mit der bin ich aufgewachsen. Die ist so münchnerisch."

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Seit 2011 ist Lutz Chef des Bezirksausschusses

Zwölf bis 16 Sitzungen und Vereins-Termine bewältigt der Stadtteil-Politiker im Monat – ehrenamtlich. Das will nicht jeder. Seine Doppelrolle offenbart einen starken Ehrgeiz: Seit 2011 ist Lutz Chef des Sendlinger Bezirksausschusses. Er ist der zweitjüngste BA-Vorsitzende in München. Und steht er an der Spitze des SPD-Ortsvereins Sendling.

Weißes T-Shirt, braver Pulli, Silberring am kleinen Finger – der junge Familienvater wirkt verantwortungsbewusst, aber nicht spießig. Den Zivi hat Lutz bei der Münchner Aidshilfe gemacht. Seine Frau Sabine ist Krankenschwester in der Onkologie des Klinikums Rechts der Isar. Mit Tochter Hannah (2) und Baby wohnt die Familie am Herzog-Ernst-Platz.

Sein wichtigster Erfolg für die Bürger im Viertel? Die "Sendlinger Wüste", eine sandige Brache am Herzog-Ernst-Platz wird nach zwölf Jahren von der GWG bebaut: Mit 200 Wohnungen, dazu 100 Appartements für Azubis. "Das bedeutet was", so der gebürtige Sendlinger. "Jetzt muss die Plinganserstraße umgestaltet werden – natürlich mit Radstreifen!"

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Das liebt Lutz an Sendling

Sein Vater arbeitete bei Siemens – ein Donauschwabe, der aus Serbien kam. Die Mutter ist aus München. Die Eltern haben ihn stets motiviert, "die Dinge positiv zu sehen“. Freunde und Familie pushen den smarten Lokalpolitiker. Sein Netz gibt ihm Rückhalt und Energie für die Mühen der Stadtteil-Politik: "Zu Hause sitzen und über Politik zu schimpfen, ist mir zu wenig. Es soll doch vorwärtsgehen! Und sei es im Kleinen“. Er, sagt Lutz, wolle "lieber etwas machen, als nichts tun“.

Was der 35-Jährige an Sendling liebt? "Der Großteil der Sendlinger ist sehr offen. Die Leute gehen auf Demos. 2014 haben über 40 Prozent die SPD gewählt. Wir sind ein Dorf mit Stemmerhof plus Wiese und der Kirche.“

"In Sendling kennt man mich,“ sagt er. So wird im Viertel viel persönlich geregelt: Nach den Montagsdemos reserviert Pegida mehrmals in der Pizzeria „Casa Mia“ in der Implerstraße für 40 Leute. Gemeinsam mit Ernst Dill, Beauftragter gegen Rechtsextremismus im BA 6, erklärt Lutz dem Wirt, warum dass sein BA nicht gut findet. Der Wirt – frei in seiner Entscheidung – lenkt daraufhin ein: „Nicht nur ich kaufe jetzt im Casa Mia häufiger Pizza. So etwas spricht sich schnell rum, gerade in Sendling.“

Vom Job hatte Markus Lutz zuletzt Pause: In seiner Elternzeit brachte er seine Tochter Sophia mit der U-Bahn in die Krippe. Nachmittags turnten Hannah und er auf dem Spielplatz am Max-Hirschberg-Weg herum oder schauten Bücher mit Baggern. Jetzt arbeitet er wieder in der Pressestelle der Bayerischen Staatsbibliothek

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„Ohne Internet – das ist so schön!“

Abstand vom Großstadt-Trubel findet er im Gebirge, in der Nähe von Kufstein: „Unser Familien-Ding ist die Hütte. Ich hole Wasser an der Quelle, koche am Holzofen und habe Solar-Strom mit 12-Volt, der für Licht, Radio und Handy reicht. „Ohne Internet – das ist so schön!“

Seit das zweite Kind da ist, soll die Familie vorgehen. Eine erneute Stadtrats-Kandidatur wäre für Lutz eine Option. Noch reizvoller: „Der Bundestag wäre mein richtiger Platz. Dort könnte ich mein Fachwissen über digitale Medien einbringen“, sagt er forsch.

Selbst ständig unter Strom, imponiert es dem Freizeit-Sportler, was Eishockey-Spielern abverlangt wird: „Wenn die rausgehen, geben die 100 Prozent.“ Trotz Meistertitel für den EHC, in der Zuschauergunst liegt Eishockey in München noch recht weit hinten. Doch mit seiner Eishockey-Leidenschaft ist der rote Lutz in der SPD nicht allein: OB Dieter Reiter outete sich jüngst ebenfalls als Fan.


Am heutigen Dienstag ist Bürgerversammlung um 19 Uhr in der Dreifach-Turnhalle, Gaißacher Straße 8. Ein Thema: die Planungen zur neuen Großmarkthalle.