Sozialwohnung in München per Mausklick

Am Donnerstag geht die Wohnungsplattform sowon-muenchen.de online – eine Art Immoscout für Arme. Dann kann man sich um die Wunschwohnung im Internet bewerben.
| Irene Kleber
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Ein Gewofag-Wohnhaus mit Sozialwohnungen in der Kohlrauschstraße: Sobald hier etwas frei wird, zeigt www.sowon-muenchen.de für Berechtigte Innenansichten und den Preis an.
Gewofag Ein Gewofag-Wohnhaus mit Sozialwohnungen in der Kohlrauschstraße: Sobald hier etwas frei wird, zeigt www.sowon-muenchen.de für Berechtigte Innenansichten und den Preis an.

Es ist ein kniffliger Job, den die städtischen Mitarbeiter bei der „Wohnungsvergabe“ im Sozialreferat haben. An die 3000 Sozialwohnungen werden in München pro Jahr frei – also statistisch gesehen etwa acht pro Tag.

Aber: Rund 12 800 Haushalte suchen eine – vor allem Singles, aber auch viele Paare und Familien mit Kindern. Knapp drei Viertel der Sucher haben eine „höchste Dringlichkeit“, mithin: Für sie pressiert’s – zumindest auf dem Papier.

Bislang war das Prozedere ziemlich langwierig – und frustrierend für alle Seiten. Meldete ein Vermieter (wie die städtischen Wohnungsbaugesellschaften Gewofag und GWG) beim Wohnungsamt eine Sozialwohnung irgendwo im Stadtgebiet als „frei“, fischte der Wohnungsamt-Computer einen Schwung von 50 bis 100 geeigneten Sozialwohnungs-Berechtigten heraus, die – gemessen am Einkommen und der Anzahl der Personen im Haushalt – auf die freie Wohnung passen.

Die Mitarbeiter schrieben die „dringlichsten“ fünf auf der Liste an, die besichtigten die Wohnung – und: lehnten in vielen Fällen ab. „Weil die Lage nicht passte, der Kindergarten zu weit weg oder die Wohnung nicht barrierefrei war, zum Beispiel“, so berichtet es ein Mitarbeiter der AZ. Man habe mitunter bis zu 15 Bewerber zu einer Wohnung schicken müssen, bis endlich ein Mieter gefunden war. „Das hat viel von unserer Zeit verschwendet – und auch die Vermieter Geld gekostet, weil die Sozialwohnungen halt länger leer standen.“

So wird die neue Münchner Sozialwohnungs-Plattform ab Donnerstag aussehen: Zu jeder freien Wohnung sind Fotos, Angaben zur Lage, Zimmerzahl, Bezugstermin und zum Mietpreis zu sehen.

Ab kommenden Donnerstag wird alles anders. Dann nämlich startet das Sozialreferat eine Art Immoscout für Münchner Sozialwohnungen: die Wohnungs-Plattform www.sowon-muenchen.de (was für „Soziales Wohnen online“ steht). Eine kleine Revolution – und bislang einmalig in Deutschland.

Dann wird’s so laufen: Wer vom Wohnungsamt als „Sozialwohnungs-Berechtigt“ eingestuft ist, bekommt dort einen Registrierungsbescheid. Damit kann er sich mit jedem internetfähigen Computer oder Smartphone bei SOWON einloggen – und dort alle Münchner Sozialwohnungen online anschauen, die aktuell frei sind, und die auf genau seine Situation (Einkommen, Haushaltsgröße) passen.

5,65 bis 9,40 Euro kalt pro Quadratmeter

„Das werden pro Berechtigtem wohl jeweils zwischen drei und zehn Wohnungen sein“, erklärt Thomas Klimm von der Wohnungsvergabe. Aktuell kosten Sozialwohnungen – je nach Lage, Baujahr und Ausstattung – etwa 5,65 bis 9,40 Euro Kaltmiete.

Jede freie Wohnung bleibt 14 Tage lang online. Aus allen Bewerbern wählen die städtischen Mitarbeiter – wie bislang – fünf Haushalte mit der höchsten Dringlichkeit aus (nach einem Punktesystem; also bitte nur bewerben, wenn echtes Interesse besteht).

Die können dann direkt Kontakt mit dem Vermieter aufnehmen, die Wohnung anschauen und danach online zusagen. Wer selber keinen Zugang zum Internet hat, kann Terminals in der Innenstadt kostenlos nutzen.

Noch bis Mittwoch informiert das Wohnungsamt alle Münchner, die sozialwohnungsberechtigt sind, per Post über das neue Vergabeverfahren. Im Kuvert sollten sich auch gleich die Zugangsdaten für SOWON und ein Info-Flyer finden.

Ganz schön schwer, in München eine Sozialwohnung zu bekommen – zumal als vierköpfige Familie. Diese Grafik zeigt, für welche Art Haushalt (gelbe Balken) wie viele Wohnungen (rote Balken) zur Verfügung stehen. Beispiel: Auf jede Single-Wohnung kommen vier Bewerber, auf jede Pärchen-Wohnung kommen drei. Am schwersten haben es Familien mit zwei Kindern: Nur für jede siebte gibt es pro Jahr eine Chance auf eine große Wohnung.


Noch Fragen? Die beantwortet das Kundencenter „Wohnen“ im Amt für Wohnen und Migration telefonisch unter 089/ 233 - 968 20 und per Mail: kundencenter-wohnen.soz@muenchen.de

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