Das Ex-Glasscherbenviertel

Früher bemitleidet, inzwischen heiß begehrt: Museumsleiter Hermann Wilhelm über einen Münchner Stadtteil im Wandel  
| Hermann Wilhelm
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Das versteckteste Schloss: In der Grütznerstraße steht die Villa des Malers Eduard Grützner, der durch Klosterszenen berühmt wurde.
Daniel von Loeper 5 Das versteckteste Schloss: In der Grütznerstraße steht die Villa des Malers Eduard Grützner, der durch Klosterszenen berühmt wurde.
Der originellste Durchblick: An der Kreppe geht der Blick runter auf die ehemaligen Herbergen der Tagelöhner Haidhausens.
Daniel von Loeper 5 Der originellste Durchblick: An der Kreppe geht der Blick runter auf die ehemaligen Herbergen der Tagelöhner Haidhausens.
Das Modell des „Kriechbaumhofes“ im Haidhausen-Museum: So lebte man
im Viertel bis in die 70er Jahre.
Daniel von Loeper 5 Das Modell des „Kriechbaumhofes“ im Haidhausen-Museum: So lebte man im Viertel bis in die 70er Jahre.
Wo Haidhausen am schönsten ist: Der Wiener Platz mit Blick auf die Kirche St. Johann Baptist – als Kulisse für Fernsehkrimis sehr beliebt.
Daniel von Loeper 5 Wo Haidhausen am schönsten ist: Der Wiener Platz mit Blick auf die Kirche St. Johann Baptist – als Kulisse für Fernsehkrimis sehr beliebt.
Haidhausens beste rote Currywurst: Johanna und Peter Niedermeier servieren sie seit über 30 Jahren in ihrem Standl am Wiener Platz.
Daniel von Loeper 5 Haidhausens beste rote Currywurst: Johanna und Peter Niedermeier servieren sie seit über 30 Jahren in ihrem Standl am Wiener Platz.

Früher bemitleidet, inzwischen heiß begehrt: Museumsleiter Hermann Wilhelm über einen Münchner Stadtteil im Wandel

Früher waren’s Handwerker, jetzt sind’s Krawatten“, sagt der Niedermeier über seine neue Kundschaft. Und der darf so reden: Denn zwischen Friedensengel und Müllerschem Volksbad gibt es keine bessere „rote Currywurst“.

Seit 35 Jahren stehen er und seine Frau Johanna in ihrem Standl am Wiener Platz. Nobel sind wir in Haidhausen in dieser Zeit geworden, da hat er schon Recht. Dabei galt Haidhausen noch bis zu Beginn der 70er Jahre vielen Münchnern als Glasscherbenviertel. Tatsächlich war es in den Nachkriegsjahren ein düsteres Viertel. Auch dass die alten Herbergshäuser „An der Kreppe“ erst vor knapp 40 Jahren an die Kanalisation angeschlossen wurden, mag heute kaum noch einer glauben, der durch die schmucke Gegend rund um den Wiener Platz flaniert.

Aber so war’s. Der alte Pumpbrunnen steht bis heute. Alle Bewohner der umstehenden Herbergen versorgten sich hier mit Wasser. Die beiden Klohäuschen sind aber verschwunden. Überhaupt die 70er. Da hab’ ich angefangen, mich für das Viertel zu engagieren, in dem ich geboren wurde und aufgewachsen bin. Damals war Haidhausen vielleicht das spannendste Viertel der Stadt. In den Bürgerversammlungen gab’s nicht selten tumultartige Szenen: Stichwort „Sanierung“, „Umwandlungsspekulation“ oder „Großbauten“ wie der Gasteig.

Das Viertel hat sich auch sonst in den letzten zwanzig, dreißig Jahren rasant – und nicht immer zum Vorteil – entwickelt. Auch in der Inneren Wiener Straße kann man das gut beobachten. An Stelle der Gebäude der Hofbrauerei mit Sudhaus ist in den 90er Jahren ein neues „Quartier“ für „gehobenes Wohnen“ entstanden. Haidhausen wird immer attraktiver – und teurer.

 

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