Confiserie Rottenhöfer: Aus nach 188 Jahren

Am 30. Juni geht ein Stück Stadt-Geschichte zu Ende: Die Confiserie Rottenhöfer an der Residenz schließt – die Betreiber müssen aus gesundheitlichen Gründen aufhören
| Laura Kaufmann
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Seit 1838 gibt es die „Confiserie Rottenhöfer“ in der Residenzstraße 25. Ende Juni schließt das Geschäft endgültig.
Petra Schramek Seit 1838 gibt es die „Confiserie Rottenhöfer“ in der Residenzstraße 25. Ende Juni schließt das Geschäft endgültig.

Altstadt - Schokolade und Pralinen, so fein, dass sie die Konditorei bald nach der Eröffnung 1838 zum königlich-bayerischen Hoflieferanten machten und später auch Papst Benedikt eine Sünde Wert waren: Der Rottenhöfer an der Residenz ist süßen Gourmets seit Jahrzehnten ein Begriff, hat die Hüften von Generationen von Münchnern vergoldet.

Am 30. Juni geht dieses Stück Stadt-Geschichte zu Ende. Denn die jetzigen Besitzer, Konditormeister Hans Peter Umscheid und seine Frau Brigitte, können das Geschäft aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr fortführen. Ihre Kinder sind in anderen Branchen tätig und neue Interessenten für den Café-Konditorei-Betrieb in der teuren Toplage Residenz gibt es nicht, heißt es.

Schokolade und Pralinen, frisch gebackene Kuchen, aber auch Frühstück und kleine Mittagsgerichte haben die Umscheids hier angeboten.

1825 hatte Carl Rottenhöfer zunächst mit der Gründung eines kleinen Konditoreigeschäftes angefangen, ehe er 13 Jahre später das Palais in der Residenzstraße 26 erwarb und nun von dort aus mit Schokolade experimentierte. So erfolgreich, dass die „Confiserie Rottenhöfer“ bald zum königlich-bayerischen Hoflieferanten ernannt wurde.

Nach seinem Tod übernahmen andere Konditormeister den Betrieb; nie verlor das Geschäft an der Residenz seinen guten Ruf. Im Jahre 1924 ließ der damalige Besitzer Ludwig Roselius, der damals mit seiner großen Erfindung, dem koffeinfreien Kaffee, auf den Markt kam, wie in vielen anderen deutschen Städten hier eine Kaffee-Hag-Stube einrichten.

Auch die Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg bedeuteten nicht das Ende von Rottenhöfer – zwar blieb nur die Fassade erhalten, die Stube aber war mit vielen hochgekrempelten Hemdsärmeln bald wieder aufgebaut.

Über 50 Mitarbeiter sind heute mit der Herstellung der feinen Backwaren, Pralinen und Schokoladen und der Bewirtung des Cafés beschäftigt. Treue Anhänger wie Alt-Papst Benedikt XVI., dem das Café früher das liebste in ganz München war, kann Rottenhöfer sein Eigen nennen. Vor der Schließung bewahrt hat es das nicht.

 

 

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