Blühende Künstler-Oase in Moosach

Seit 30 Jahren betreiben Bettina und Heinrich Bunzel das Botanikum in Moosach als Event-Location und Künstler-Schmiede, was ab 10. Juli groß gefeiert wird. Angefangen hat alles eigentlich schon 1932
| Nina Job
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Handgemäht: Helfer Tomak Koziet stutzt eines der Gras-Sofas.
5 Handgemäht: Helfer Tomak Koziet stutzt eines der Gras-Sofas.
Die Künstlerin Ilana Lewitan hat ihr Atelier in einem ehemaligen Gewächshaus.
5 Die Künstlerin Ilana Lewitan hat ihr Atelier in einem ehemaligen Gewächshaus.
So hat es angefangen: 1932 kaufte der Großvater das Haus mit Grundstück im Münchner Nordwesten...
5 So hat es angefangen: 1932 kaufte der Großvater das Haus mit Grundstück im Münchner Nordwesten...
... und gründete eine Gärtnerei.
5 ... und gründete eine Gärtnerei.
Aus der ehemaligen Großgärtnerei wurde eine Eventlocation. Ein Gastgeber schmückte sein Fest mit einem echten Elefanten.
5 Aus der ehemaligen Großgärtnerei wurde eine Eventlocation. Ein Gastgeber schmückte sein Fest mit einem echten Elefanten.

Seit 30 Jahren betreiben Bettina und Heinrich Bunzel das Botanikum in Moosach als Event-Location und Künstler-Schmiede, was ab 10. Juli groß gefeiert wird. Angefangen hat alles eigentlich schon 1932.

München - In den Bäumen zwitschern die Vögel, blühende Bougainvillea und Zitrusbäumchen in Töpfen säumen die Wege. Überall duftet es nach Jasmin. Der Autolärm der B304 dringt nur gedämpft in die mediterrane Oase mit den Gewächshäusern, in denen Künstler malen und werkeln.

Mit einer kleinen, elektrischen Schere stutzt Tomak Koziet die langen, grünen Halme der beiden Gras-Sofas vor der Verwaltung des Botanikums. Es soll ja alles schön werden, bis zum großen Fest. Die Hausherren Heinrich und Bettina Bunzel stecken noch mitten in den Vorbereitungen. Eben wurde der große, knallrote Mund auf ein Eisengestell montiert. Am Wochenende sollen Flammen zwischen den Keramik-Lippen hervorlodern. Feuer und Flamme heißt das Motto zum 30-jährigen Jubiläum.

30 Jahre. So lange schon betreiben Bettina und Heinrich Bunzel in Moosach auf 20 000 Quadratmetern ihr Kunst-Biotop – eine Symbiose aus bildender Kunst, Handwerk und Pflanzen. Angefangen hatte alles mit dem Großvater. Er kaufte 1932 das Haus im Nordwesten Münchens, in dem die Bunzels heute mit ihren beiden Söhnen und Hund leben. Ende der 40er Jahre heiratete Heinrichs Vater in die Familie ein, er stammte aus einer bekannten Gärtnerfamilie: Sein Vater war Kreisobermeister der Gärtner und stadtbekannt für seinen Radi. „Der Radi-Samen war damals der ganze Stolz der Gärtner“, erzählt Heinrich Bunzel. Und so entstand auf dem Stück Land eine weitere Gärtnerei. Etwa 20 gab es damals bereits in Moosach – zu einer Zeit, als die Dachauer Straße noch einspurig war.

Während sich der Großvater aufs Gemüse konzentriert hatte, spezialisierte sich Heinrich Bunzels Vater auf Blumen. Bis in die 70er Jahre zog die Familie Millionen Tulpen und Rosen, Nelken und Orchideen groß und brachte sie unter die Münchner. Die Geschäfte liefen so gut, dass der Vater bei Neapel sogar eine Außenstelle gründete. Doch irgendwann blühte das Geschäft nicht mehr, die Konkurrenz aus Holland wurde zu stark. „Die Gärtnerei hatte keine Zukunft mehr. Man hätte zu viel investieren müssen“, sagt Heinrich Bunzel.

1983, bei der Eröffnung eines Möbelgeschäfts in der Innenstadt, lernte er seine Bettina kennen. Die Hamburgerin, die Fremdsprachen studiert hatte und in einer Münchner Werbeagentur arbeitete, beeindruckte Heinrich Bunzel (damaliger Spitzname: „Baccara-Prinz“) tief. So sehr, dass er ihr fast tägliche riesige Sträuße aus weißen Tulpen oder Rosen ins Büro schickte. Die beiden heirateten 1984 in Las Vegas.

Die Bunzels schufen aus der ehemaligen Großgärtnerei etwas völlig Neues. Zuerst vermieteten sie einzelne Gewächshäuser an Hobbygärtner. „Einer kam mit 200 Orchideen zu uns, bei ihm zuhause schimmelte es schon“, erzählt sie. Wenig später vermieteten sie an die ersten Künstler. Mittlerweile sind es 30 – ein paar sind schon seit Beginn dabei.

Ab Anfang der 1990er Jahre machte sich Heinrich Bunzel selbst einen Namen als Künstler: Er schuf riesige, blühende Kunstfelder. Sein erstes Projekt „Das Auge des Horus“ entstand zur Eröffnung des Münchner Flughafens auf einem 75 000 Quadratmeter großen Feld. Andere Projekte folgten.

Eine Konstante in den vergangenen 30 Jahren sind die Feste: Das Botanikum gehört seit Langem zu den Münchner „Event-Locations“, unzählige Partys wurden hier gefeiert. Ob Lokal-Politiker, Promi oder Hells Angel – alle waren hier. An diesem Wochenende feiert sich das Botanikum selbst.

Das Botanikum feiert seinen 30-jährigen Geburtstag das ganze Wochenende:

Los geht die Feierei am Freitag (10. Juli) um 19 Uhr mit der (öffentlichen) Vernissage. Die Begrüßungsrede hält Brigitte von Welser.
Ab 20 Uhr sowie am Samstag und Sonntag (11. und 12. Juli) öffnen die Künstler von 12 bis 20 Uhr ihre Ateliers.

Freitag, 22 Uhr: Künstlerfest

Samstag und Sonntag, 12 bis 20 Uhr: Gastkünstler wie Roger Fritz (Foto), FLATZ (Objekt), Betty Mü (Video), Kiddy Citny (Malerei), Pavel Schmidt und Jakob de Chirico (Performance), Massimo Lunardon (Glas), Ben Patterson (Objekt) und Lome (Objekt) zeigen ihre Arbeiten in der außergewöhnlichen Umgebung oder sind mit Performances vor Ort. Martin Stiefel wird mit einem Mini-Bagger malen.(mehr Infos unter: www.botanikum.com).

Samstag, Sonntag (11./12. Juli) 12 bis 20 Uhr: Performance, Musik, Strand

Adresse: Botanikum, Feldmochinger Straße 75–79, 80993 München

 

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