Beinbruch nach Kollision: Radl-Rambo fährt Polizisten um

Der uniformierte Beamte will einen Ingenieur stoppen, der über den Gehweg an der Brienner Straße fegt. Am Ende liegen beiden am Boden.
| Ralph Hub
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Der Radler gab an, die neue blaue Uniform nicht als Polizei erkannt zu haben.
dpa Der Radler gab an, die neue blaue Uniform nicht als Polizei erkannt zu haben.

Altstadt - Die Kellner aus der "GamsBar" passen ganz genau auf, bevor sie einen Fuß raus auf den Gehweg setzen. Alle paar Minuten brettert ein wildgewordener Radler vorbei, die wenigsten scheren sich um die Sicherheit der Menschen auf dem Gehweg.

"Für jeden Radler zehn Euro – und ich könnte glatt davon leben", sagt Veronica Bräutigam, die bei Eduard Meier, Münchens ältestem Schuhgeschäft, arbeitet. Am Montagmorgen gegen 9:40 Uhr sitzt die Rheinländerin vor der "GamsBar" und wird so zufällig Zeugin des spektakulären Unfalls: "Der Polizist hatte schon einige Radler gestoppt und gebeten, abzusteigen". Doch dann taucht der Radl-Rambo auf. Ein 62-jähriger Ingenieur, sportlich, die grauen Haare zum Pferdeschwanz zusammengebunden. Kurze Hose, Rucksack und auf einem Mountainbike unterwegs.

Der Radl-Rambo will sich an dem Polizisten vorbeischlängeln

Der Beamte steht mit ausgebreiteten Armen mitten auf dem Gehweg. "Stopp", ruft er. Doch der Radler denkt nicht dran. Im Gegenteil. "Ich hatte das Gefühl, dass der Mann sogar noch beschleunigt hat", sagt Veronica Bräutigam. Der 62-Jährige versucht, mit dem Radl knapp an dem Polizisten in Uniform vorbei zu zischen. Der Beamte bemerkt das, macht einen Schritt nach links. Auch der Radler will ausweichen, lenkt nach rechts. Und schon kracht es. Radler und Polizist liegen am Boden. Der Beamte hat abgesehen von einer zerrissenen Hose und ein paar Schrammen nichts abbekommen.

Dem Ingenieur geht es dagegen weniger gut. Er krümmt sich vor Schmerzen, sein rechter Unterschenkel ist gebrochen. Der Polizist, den er eben erst über den Haufen gefahren hat, leistet Erste Hilfe und ruft den Rettungsdienst. "Ein Wunder, wie ruhig und höflich der dabei geblieben ist, mir wäre das nicht so leicht gefallen", lobt Veronica Bräutigam. Der Radler will sich herausreden. Seine Erklärung: Er habe den Polizisten nicht "eindeutig erkannt", behauptet der Münchner.

Auch wenn die blaue Uniform der Polizei noch relativ neu ist und nicht jederman vertraut, bleibt doch die Frage, warum der Radler nicht anhält, wenn jemand mit ausgebreiteten Armen direkt vor ihm steht? "Bei uns vor der Bar und auch vor unseren Geschäften kommt es immer wieder zu ähnlich gefährlichen Situationen", erzählt Brigitte Meier, die die "GamsBar" betreibt.

Radler, die an der Abzweigung Amiraplatz an der roten Fußgängerampel stoppen müssten, machen einen eleganten Schlenker nach rechts, weichen auf den Gehweg aus und brettern dort weiter in Richtung Karolinenplatz. Ein gemeingefährliches Manöver, denn viele Fußgänger rechnen nicht damit, dass in ihrem Rücken plötzlich ein wildgewordener Radler auftaucht und vorbei will.

Lesen Sie hier: Unfall: Zwei Verletzte, sieben Fahrzeuge beschädigt

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