Ausstellung: From Samoa with Love?

Eine Ausstellung im Völkerkundemuseum begibt sich auf die Spuren der Samoa-Völkerschauen im Deutschen Kaiserreich - auch aus Sicht der Samoaner.
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Eine Ausstellung im Völkerkundemuseum begibt sich auf die Spuren der Völkerschauen zur Zeit des deutschen Kaiserreiches.
Museum für Völkerkunde 2 Eine Ausstellung im Völkerkundemuseum begibt sich auf die Spuren der Völkerschauen zur Zeit des deutschen Kaiserreiches.
Eine Ausstellung im Völkerkundemuseum begibt sich auf die Spuren der Völkerschauen zur Zeit des deutschen Kaiserreiches.
Museum für Völkerkunde 2 Eine Ausstellung im Völkerkundemuseum begibt sich auf die Spuren der Völkerschauen zur Zeit des deutschen Kaiserreiches.

Lehel - „From Samoa with Love? Samoa-Völkerschauen im Deutschen Kaiserreich. Eine Spurensuche“ lautet der Sonderausstellung, die am 31. Januar im Münchner Völkerkundemuseum.

Samoa. Sandstrand. Inselreich mitten im Paradies. Südsee-Schönheiten unter Palmen… Solche Vorstellungen wurden von sogenannten Völkerschauen zur Zeit des Deutschen Kaiserreiches maßgeblich geprägt, denn sie erreichten ein Millionenpublikum.

Das Bild, das man sich hierzulande von fremden Kulturen machte und immer noch macht, geht auch auf diese Ära zurück.

Zwischen 1895 und 1911 reisten Gruppen oft ranghoher Samoaner mit Völkerschauen nach Deutschland. In der Regel mehr Frauen als Männer, wurden sie für Monate und manchmal sogar Jahre angeworben.

Über die Motive dieser samoanischen Reisenden, ihre Erlebnisse in Deutschland, Schicksale und weiteren Lebenswege war bis heute wenig bekannt.

Die Münchner Ausstellung ändert dies. Sie präsentiert Ergebnisse einer detektivischen Spurensuche und nimmt ihre Besucher dabei auf eine Zeitreise vom Deutschen Kaiserreich am Vorabend des Ersten Weltkrieges bis in das Samoa der Gegenwart mit.

Denn es sind die heute lebenden Nachfahren der einstigen Samoa-Schau-Mitglieder, bei denen Erkundungen zur Vorbereitung der Ausstellung durchgeführt wurden. Diese Zeugenaussagen brachten vielfach unerwartetete Ergebnisse hervor.

Durchaus eigenständige und selbstbewusste politische Ziele verfolgten die Mitglieder der Tournee-Ensembles oft, während ein vor allem männliches Publikum sie teilweise wie „Marzipanpüppchen mit Chocoladenüberzug“ bestaunte. Während vom hanseatischen Arbeiter bis zum bayerischen Prinzregenten eine unüberschaubare Menge von Leuten aller Gesellschaftsschichten sich Tänze, Gesänge und Waffenspiele ihrer „neuen Landsleute“ zu Gemüte führte.

Amüsement und die Möglichkeit, Sehnsüchte nach einem gerade populär werdenden „Zurück zur Natur“ und dem „ungekünstelten Leben“ zu stillen waren die Beweggründe der zahlenden Zuschauer.

Dichter und Maler konsumierten sinnliche Eindrücke und produzierten danach Schwärmereien. „Ach, die von Samoa!“ ließ Joachim Ringelnatz neidvoll einen seiner Helden auf der Suche nach einem Entkommen aus kleinbürgerlich deutschem Alltag nach dem Besuch einer Samoa-Schau ausrufen.

Mit historischen Originalfotos, Plakaten und kunstvoll gestalteteten Ethnographica aus den Sammlungen des Völkerkundemuseums blendet die Ausstellung zurück in Zeit und Atmosphäre der großen Samoa-Schauen im Deutschen Kaiserreich, gibt aber auch die Gedankenwelt heutiger Samoaner zu diesem Kapitel ihrer Geschichte wieder.

So entsteht ein vielfarbiges Bild, in dem nicht zuletzt die Lebensverhältnisse, Motive und mit ihrem Deutschlandbesuch verknüpften Ziele und Strategien der samoanischen Völkerschau-Reisenden im Vordergrund stehen.

Mit Werken des samoanischstämmigen Neuseeländers Michel Tuffery landet die Ausstellung mitten in der Gegenwartskunst.

Einige seiner Arbeiten entstanden durch die Inspiration der Völkerschaureisen sowie ethnografischer Objekte aus der Sammlung des Münchner Völkerkundemuseums.

Die Ausstellung ist vom 31. Januar bis 5. Oktober, Dienstag bis Sonntag von 9.30 bis 17.30 Uhr zu sehen.

Der Eintritt kostet 6 Euro, ermäßigt 5 Euro.

Ein Begleitprogramm ist in Vorbereitung. Nähere Infos unter: www.voelkerkundemuseum-muenchen.de

 

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