Aufzug defekt: Gefangen in der eigenen Wohnung

Bereits acht Mal musste Rollifahrer Jörg Hoppe mit einem Kran geborgen werden. Nun sitzt er wieder fest.
| Florian Zick
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Jörg Hoppe in seiner Wohnung. Wenn der Hausaufzug nicht funktioniert, kann er sie nicht verlassen.
von Loeper Jörg Hoppe in seiner Wohnung. Wenn der Hausaufzug nicht funktioniert, kann er sie nicht verlassen.

Riem - Niere, Lunge, Herz: Bei Jörg Hoppe gibt es kaum ein Organ, das kein Zipperlein hat. Momentan macht die Harnröhre größere Probleme.

Eigentlich stünde eine wichtige Operation an. "Die im rechts der Isar warten schon auf mich", sagt Hoppe. Allerdings: Seit Dezember ist der Aufzug in seinem Haus fast durchgehend kaputt. Der 72-Jährige ist in seiner Wohnung deshalb mehr oder weniger gefangen. Hoppe ist auf den Rollstuhl angewiesen. Ohne Aufzug kann er das Haus in der Helsinkistraße nicht verlassen. Eine Gefahr für Leib und Leben sei das, schimpft der Senior – und das nicht nur für ihn. Unter den Nachbarn gebe es schließlich noch andere Menschen mit Gebrechen. "Mieten und Nebenkosten erhöhen, das können sie schon", regt sich Hoppe auf. "Aber einen Aufzug reparieren, das geht nicht!"

Acht Mal von der Feuerwehr befreit

Es ist nicht das erste Mal, dass in der Wohnsiedlung in Riem der Fahrstuhl für längere Zeit ausfällt. An Ostern 2012 saß Hoppe zum ersten Mal fest – und seitdem immer wieder. Insgesamt acht Mal habe ihn die Feuerwehr in den vergangenen Jahren mit einem Schwerlastkran aus der Wohnung bergen müssen, sagt Hoppe. Aber selbst das sei jetzt nicht mehr möglich.

In diesem Haus wohnt Jörg Hoppe. Foto: Daniel von Loeper

In der Eckwohnung, aus der der 148-Kilo-Mann immer gehievt worden ist, sei nur noch selten jemand da, sagt Hoppe. Und wegen der Tiefgarage könne die Feuerwehr nirgendwo anders stehenbleiben. Die Decke der Tiefgarage trage nur 16 Tonnen. Der Kranwagen wiege aber alleine schon mehr als das Doppelte. "Wahrscheinlich muss ich aus dem vierten Stock runterspringen", sagt Hoppe. "Dann wäre ich wenigstens mal wieder unten."

Am Sonntag hat Hoppe das bislang letzte Mal das Haus verlassen können. Da sei der Lift kurz mal gegangen. Eigentlich traue sich da aber niemand mehr so richtig rein. Zu groß sei die Angst, mit dem unzuverlässigen Gefährt stecken zu bleiben. Drei bis vier Mal täglich sei mittlerweile der Monteur da, sagt Hoppe. Zwischendrin gehe der Lift dann, "mal für zehn Minuten, mal für zwei Stunden."

"Das ganze Trumm austauschen"

Darauf verlassen könne man sich aber nicht. "Im schlimmsten Fall stehe ich dann ewig draußen in der Kälte." Das Haus wird verwaltet von der kirchennahen Joseph-Stiftung in Bamberg. Dort gesteht man auf Nachfrage ein, dass es in der Vergangenheit wieder vermehrt Störungen gegeben habe. Am Freitag sei aber das Problem identifiziert worden, sagt Hausverwalter Josef Polster. Der Türantrieb sei kaputt.

Die Stiftung habe umgehend einen Reparaturauftrag erteilt. Das Ersatzteil dürfte in Kürze eintreffen, so Polster. "Das sollte die Lage hoffentlich beruhigen." Jörg Hoppe indes glaubt nicht daran, dass sich das Aufzug-Problem damit erledigt haben wird. Mit einem Ersatzteil ist es seiner Einschätzung nach nicht getan. "Das ganze Trumm müsste ausgetauscht werden", sagt er.

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