Am Stachus: Demenz-Test im Wohnwagen

Wie gut ist mein Gedächtnis? Am Stachus wird das von Experten geprüft. Die AZ hat einen Reporter (33) teilnehmen lassen. Er schneidet schlechter ab als eine 76-Jährige. Der Testbericht
| Thomas Gautier
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Paulina Riedl (76) testet bei Doktorandin Nina Kramer ihr Gedächtnis - und erzielt ein sensationelles Ergebnis.
Gregor Feindt 2 Paulina Riedl (76) testet bei Doktorandin Nina Kramer ihr Gedächtnis - und erzielt ein sensationelles Ergebnis.
Wie ging’s gleich noch mal weiter? Der AZ-Redakteur kommt beim Gedächtnistest ganz schön ins Grübeln.
Gregor Feindt 2 Wie ging’s gleich noch mal weiter? Der AZ-Redakteur kommt beim Gedächtnistest ganz schön ins Grübeln.

Altstadt - Beim Apfel setzt’s aus. Es ist erst das fünfte Wort der Liste, und ich kann mich schon nicht mehr daran erinnern. „Teller“, „Hund“, „Lampe“, „Brief“, diese Begriffe weiß ich noch. Dann ist da nur noch Leere. Ich starre aus dem Plastikfenster auf die Kaufingerstraße. Was kommt nach „Brief“? Mein Hirn antwortet nicht. Geht ja gut los.

Ich sitze in einem Wohnmobil auf dem Stachus. Er gehört dem Institut für Schlaganfall- und Demenzforschung (ISD) des Klinikums der LMU. Hier können sich Münchner über Demenz informieren.
Schließlich sind Millionen betroffen. Wer älter wird, hat oft mit seinem Gedächtnis zu kämpfen. Das ist normal – oft aber kommen die Erinnerungslücken von einer Krankheit wie Alzheimer.

Es ist 10 Uhr, der Andrang ist groß. Viele, es sind fast nur Rentner, wollen sich informieren und ihr Gedächtnis im Wohnmobil testen lassen. Das machen die LMU-Mediziner anhand des Verfahrens ... ähm, wie heißt es noch – DemTect, genau.

Jetzt bin ich (33) an der Reihe. Mir am Esstisch gegenüber sitzt Doktorandin Nina, die herausfinden soll: Bin ich demenzgefährdet? Tja – sagen wir’s mal so: Gedächtnis-Weltmeister werde ich nicht.
Die erste Runde zwischen Gardine, Kochnische und Holzfurnier ging, wie beschrieben, ziemlich schlecht für mich aus.

Jetzt die zweite Aufgabe: Ich soll Ziffern ausschreiben und ausgeschriebene Zahlen in Ziffern umwandeln. Das bekomme ich besser hin, genau wie die Supermarktaufgabe: Nina möchte, dass ich ihr in einer Minute so viel wie möglich aufzähle, das man im Supermarkt kaufen kann. Mindestens 30 Produkte.

Auch das schaffe ich. Aber das kriegt Paulina Riedl noch viel besser hin – und sie ist 76. Sie weiß sogar so viel, dass Nina die Kästchen auf ihrem Prüfblatt nicht reichen. Paulina Riedl steigt nach dem Test mit einem 1a-Ergebnis strahlend aus dem Wohnmobil. Sie ist seit 56 Jahren verheiratet, hat drei Kinder „und sogar schon zwei Urenkel“, erzählt sie. Sie ist sicher: Das alles hält sie jung.

Vierte Aufgabe: Nina liest mir nach und nach Zahlenfolgen vor. Erst 7-2, dann 4-7-9, gefolgt von 4-5-9-6 und 2-7-5-3-6 und am Schluss das Ungetüm 8-1-3-5-4-2. Ich soll jede rückwärts aufsagen. Bei der letzten hakt’s gewaltig.

Am Schluss fragt mich Nina noch einmal nach den Begriffen aus Aufgabe 1. Sechs weiß ich noch, in loser Reihenfolge. Dann rechnet sie das Ergebnis aus: 17 Punkte! Gut – eine „altersgemäße kognitive Leistung“, steht auf dem Zettel. Ich bin erleichtert – dann der Schock: Nina hat sich verrechnet.

14 Punkte habe ich erreicht – noch altersgemäß, aber ich bin an der Obergrenze zur „leichten kognitiven Beeinträchtigung“. Die Testerin versucht, mich trösten: Die erste Aufgabe hätte ich versemmelt, „aber das passiert den meisten, weil sie aufgeregt oder noch abgelenkt sind“.

Diese Entschuldigung lassen die Kollegen natürlich nicht gelten, als ich vom Test erzähle. „Wir haben’s geahnt“ heißt’s in der Redaktion. „War ja klar!“, oder: „Das wussten wir ja schon.“
Sehr lustig, haha, echt kreativ, Kollegen – aber wartet nur: Das merk’ ich mir.

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