Abgerissenes Dönerhaus: "Eine versäumte Gelegenheit"

Das Dönerhaus ist abgerissen. Doch die Enttäuschung im Viertel ist groß, denn an der exponierten Stelle wird ein Hotel entstehen. Wohnungen wären zu teuer gewesen, sagt der neue Eigentümer.
| Conie Morarescu
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So sah das Haus vor dem Abriss aus. (Archivbild)
So sah das Haus vor dem Abriss aus. (Archivbild) © Archiv/Daniel von Loeper

Schwanthalerhöhe - Neuen Wohnraum in der Innenstadt zu schaffen, ist ein äußerst schwieriges Unterfangen. Man kann Häuser aufstocken, alte Gebäude sanieren oder abreißen. Sehr viel mehr ist nicht möglich, denn freien Baugrund gibt so gut wie keinen. Eine seltene Gelegenheit hätte sich für die Stadt bei dem Grundstück in der Schwanthalerstraße 119 ergeben, besser bekannt als das Dönerhaus.

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Dönerhaus stand 15 Jahre lange leer

Die Stadt sei ihm nicht entgegengekommen, klagt der Besitzer. Im Mai 2019 wechselte es bei einer Zwangsversteigerung den Besitzer. 15 Jahre lang stand das baufällige Haus leer und erinnerte die Passanten ständig daran, dass hier wertvoller Raum verschwendet wird. Die einzigen Bewohner sollen Ratten und Tauben gewesen sein. Bis Ende der Woche wird die letzte Mauer dieses traurigen Mahnmals abgebrochen. Doch Wohnungen sind dort nicht geplant.

Eine Lücke klafft dort, wo 15 Jahre lang ein Haus vor sich hingegammelt hat. Drinnen sollen viele Ratten und Tauben gewohnt haben.
Eine Lücke klafft dort, wo 15 Jahre lang ein Haus vor sich hingegammelt hat. Drinnen sollen viele Ratten und Tauben gewohnt haben. © Morarescu

Stadt München wollte bei Grundstück nicht mitbieten

"Die Gelegenheit, diesen Baugrund zu erwerben, hat der Stadtrat bereits vor Jahren versäumt", bedauert Sibylle Stöhr (Grüne), Vorsitzende des Bezirksausschusses (BA). Sie hätte sich gewünscht, dass die Stadt den Grund kauft und bezahlbaren Wohnraum schafft.

Vor einigen Jahren hatte sich der Stadtrat mit einer knappen Mehrheit dagegen entschieden, für das Grundstück mitzubieten.

Zu hohe Kosten: Hotel statt Wohnraum

Anstelle von bezahlbarem Wohnraum soll nun ein Aparthotel entstehen. Der Antrag auf Baugenehmigung wird aktuell geprüft. "Wir im BA sind natürlich nicht begeistert davon. Leider können wir nur Stellung beziehen, die Entscheidung liegt nicht bei uns", zeigt sich Sibylle Stöhr enttäuscht.

Die letzten Mauerreste sind noch sichtbar.
Die letzten Mauerreste sind noch sichtbar. © Morarescu

Die Biermeier Bauwerke GmbH hat das umstrittene Grundstück erworben. "Wir haben uns gegen den Bau von Wohnungen entschieden, weil die Kosten viel zu hoch gewesen wären", begründet Geschäftsführer Josef Biermeier die Entscheidung für das Aparthotel. "Bei diesem Grundstück reden wir über eine Fläche von nur 200 Quadratmetern. Die maximale Wohnnutzfläche liegt bei 1.000 Quadratmetern. Laut Stellplatzverordnung hätten wir 16 Parkplätze schaffen müssen."

Biermeier: "Hätte mir auch niedrigeren Grundstückpreis gewünscht"

Das hätte einen utopisch hohen Quadratmeterpreis ergeben, wie Biermeier betont, "denn wir hätten drei Untergeschosse für die Tiefgaragen bauen müssen." Für das fünfstöckige Aparthotel mit 30 vollausgestatteten Ferienwohnungen sind jetzt sieben Tiefgaragenparkplätze und zwei Untergeschosse geplant.

Auf die Frage, was er zu den Menschen sagen würde, die sich mehr Wohnraum wünschen, meint Josef Biermeier: "Ich hätte mir auch einen niedrigeren Grundstückspreis gewünscht oder weniger Baukosten. Aber bis heute ist die Stadt nicht auf mich zugekommen. Sie hätte mir zum Beispiel bei den Stellplätzen entgegenkommen können."

Antwort des Münchner Planungsreferats

Wie der Pressesprecher des Planungsreferats Ingo Trömer der AZ auf Nachfrage mitgeteilt hat, ist in solchen Fällen durchaus eine Ausnahmeregelung möglich. Wenn unverhältnismäßig hohe Kosten entstehen, um die geforderten Stellplätze zu schaffen, können diese durch das Zahlen einer Ablösesumme reduziert werden.

Im Fall des besagten Grundstücks hätte der Bauherr das dritte Tiefgaragenstockwerk nicht zwingend bauen müssen. Dennoch habe er sich nach der Bauberatung in der Lokalbaukommission für ein Hotel entschieden.

Feste Pläne für Aparthotel auf Dönerhaus-Grundstück

Angesprochen auf die ausgeschlagene Option, antwortet Biermeier: "Den Härtefallantrag haben wir nicht gestellt, weil der Plan für ein Aparthotel schon stand." Man müsse das von der wirtschaftlichen Seite betrachten. "Wohnungen wären nicht nur wegen den Stellplätzen teurer geworden, sondern auch wegen der Ausstattung. Bei Wohnungen hätten wir zum Beispiel eine Fußbodenheizung einbauen müssen, das tun wir jetzt nicht." Wie hoch der Kostenunterschied tatsächlich ist, könne er aber nicht sagen.

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