102-jähriges Einbruchsopfer verarztet Dieb

Um zwei Uhr morgens steht ein Einbrecher im Haus des Rentners. Der Mann blutet. Statt die Polizei zu rufen, verarztet der betagte Bewohner den Mann. Der bedankt sich bei ihm – und verschwindet wieder.
| Ralph Hub
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Der Einbrecher stieg über den Balkon dieses Pasinger Wohnhauses ein. Bei seinem Einbruch verletzte sich der Dieb an der Hand. Kurioserweise wurde dieser danach vom 102-jährigen Einbruchsopfer verarztet.
Der Einbrecher stieg über den Balkon dieses Pasinger Wohnhauses ein. Bei seinem Einbruch verletzte sich der Dieb an der Hand. Kurioserweise wurde dieser danach vom 102-jährigen Einbruchsopfer verarztet.

Pasing - Bei der Kripo bekommt man es in München manchmal mit den skurrilsten Fällen zu tun. So wie jetzt mit einem Einbrecher: Er bedankt sich bei einem Opfer – und will am Ende sogar noch Geld da lassen. Eine wirklich merkwürdige Geschichte. Franz B. (Name geändert) ist 102 Jahre alt, in ein paar Tagen feiert er seinen 103. Geburtstag. Trotz seines hohen Alters ist der Witwer noch recht fit. Ins Seniorenheim? Für den Pasinger ist alleine die Vorstellung ein Graus. Bisher ist er immer ganz gut alleine zurecht gekommen. Der Handwerksmeister ist es gewohnt, vieles selbst zu machen.

Sein Haus in Pasing sieht tiptop aus, eine sauber gestrichene Fassade, das Grundstück ist blitzsauber, der Garten aufgeräumt – und alles ist jetzt schon fit für den Frühling. Was so gar nicht ins Bild passt, ist die zersplitterte Scheibe der Balkontür oben im ersten Stock. Hier ist der Einbrecher am frühen Sonntagmorgen eingestiegen.

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Franz B. hört in dieser Nacht, dass Glas splittert. Er macht das Licht an. Er steht auf und sieht nach, was los ist. Plötzlich steht ein fremder Mann vor ihm. Ein junger Bursche, gut 25 Jahre alt schätzt er ihn, braune Haare, etwa 1,70 Meter groß. „Wer sind Sie, was machen Sie hier?“, fragt Franz B. Dann fällt dem Rentner auf, dass der nächtliche Besucher an der linken Hand blutet. Offenbar hat er sich geschnitten, als er das Glas der Balkontür eingeschlagen hat.

Franz B. bleibt ganz ruhig. Vielleicht liegt es an der nachtschlafenden Zeit, vielleicht auch ein bisschen am Alter. Der Münchner reagiert jedenfalls ganz lässig. Er holt Verbandszeug und fängt an, die Verletzung des Einbrechers zu versorgen. Am Ende legt er dem Mann einen Verband an. „Jetzt gehen Sie aber bitte“, sagt Franz B., als er den verletzten Einbrecher verarztet hat.

Der ist von dem Verhalten des Rentners so beeindruckt, dass er erst gar nicht den Versuch unternimmt, in dem Haus nach Wertsachen zu suchen. Stattdessen greift er in seine Hosentasche und holt seinen Geldbeutel heraus. Er gibt Franz B. zehn Euro. Der Rentner nimmt das Geld nicht an. Dafür begleitet er den Mann bis zur Haustür. Der Einbrecher verschwindet in der Dunkelheit.

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Franz B. geht anschließend zurück ins Schlafzimmer und legt sich in sein Bett. Am nächsten Tag bekommt er Besuch und erzählt von der merkwürdigen Geschichte der vergangenen Nacht.

Der Senior verständigt dann erst die Polizei. Die Beamten untersuchen den Tatort. Spuren werden gesichert. Über das Blut haben die Experten in der Gerichtsmedizin die Möglichkeit, den genetischen Fingerabdruck des Einbrechers zu erstellen. In einigen Tagen dürften die Ergebnisse vorliegen. Die Informationen werden anschließend mit den im Zentralcomputer beim Bundeskriminalamt (BKA) gespeicherten Daten angeglichen. Gut möglich, dass der Computer einen Treffer ausspuckt.

Zeugenaufruf

Die Polizei bittet um Hinweise. Zeugen, denen ein junger Mann mit einer Schnittverletzung an der linken Hand aufgefallen ist, können sich beim Kommissariat K 53 melden. (Tel.: 089-29 100)

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