Stadtklima: Das sind die Hitze-Hotspots in München
Nicht nur wegen der brütenden Hitze am Dienstagvormittag ist es im Rathaus kommunikativ keine leichte Aufgabe für Bürgermeisterin Mona Fuchs (Grüne) und Klimareferentin Christine Kugler (parteilos), die neue Stadtklimaanalyse vorzustellen.
Denn es gehe "nicht darum, Menschen in Angst zu versetzen, was durch den Klimawandel auf sie zukommen wird", sagt Fuchs. Sondern darum "verantwortungsvolle Politik zu machen", basierend auf wissenschaftlichen Ergebnissen.
Diese Ergebnisse – also diese nun vorliegende 182 Seiten starke Analyse – zeigen aber gleichzeitig, dass es "geradezu alternativlos" sei, so Fuchs, die Stadt zu entsiegeln und zu begrünen.
Neue Analyse: Die heißesten Orte der Stadt
Die Analyse zeigt einerseits den aktuellen Stand in der Stadt: Wo sind die heißesten Orte, wo kann man sich abkühlen, wie funktionieren die Luftströme, die vielleicht Abhilfe schaffen? Das Ganze ist in einer frei zugänglichen Karte aufbereitet, die man sich hier anschauen kann.
Besonders stark im roten Bereich ist da die sehr versiegelte Innenstadt und an den Stadträndern die Gebiete, wo viel Gewerbe angesiedelt ist. Im Münchner Norden zum Beispiel, aber auch im Osten. Und ebenfalls auffällig: ein riesiger, runder und roter Fleck, die Theresienwiese.

Grün und damit positiv sind die Erholungsflächen, entlang der Isar und die vielen Parks und Wälder im Stadtgebiet.
"Die Analyse beschreibt einen typischen Hitzetag in München, so wie heute", sagt Kugler am Dienstag dazu. Neu ist, dass das Klimamodell sehr kleinräumig funktioniert, bis auf fünf mal fünf Meter. So könne man auch genau analysieren, was es bringt, wenn man an einer Stelle zum Beispiel einen Baum pflanzt.
Berücksichtigt wird laut Kugler bei der Analyse auch das sogenannte "Alpine Pumpen", also das Windsystem zwischen Alpen und Alpenvorland, das nachts abgekühlte Bergluft nach München bringt. Die Karte zeigt auch, welche Flächen dafür besonders wertvoll sind.
"Jetzt müssen Sie stark sein"
Auf den 182 Seiten Analyse haben die Wissenschaftler (über zwei Jahre) auch noch Szenarien erarbeitet, die in die Zukunft schauen, genauer gesagt ins Jahr 2055. "Jetzt müssen Sie ganz stark sein", sagt Kugler, bevor sie die Karte mit dem realistischsten Szenario zeigt, nämlich dass die Temperaturen bis 2055 um durchschnittlich drei Grad steigen. "Da verändert sich die Stadt stark", sagt Kugler. "Das ist eher das wahrscheinliche Szenario."

Dann sind die jetzt noch weitverbreiteten Stellen in der Stadt mit vergleichsweise günstigen Bedingungen "mehr oder weniger komplett verschwunden", so Kugler.

Damit dieses Szenario nicht Realität wird, hat die Stadt bereits ein Ziel vor Augen, oder eine "Vision", wie sie es nennt: Die 3-30-300-Vision. Das heißt konkret: "Jede und jeder soll von zu Hause aus mindestens drei Bäume sehen, öffentliche Räume sollen zu 30 Prozent von Bäumen beschattet sein und eine Grün- und Freifläche soll in höchstens 300 Metern erreichbar sein."
Kugler gibt ein konkretes Beispiel: die Sendlinger Straße. Die habe heute wahrscheinlich etwa 41 Grad Celsius. Wäre sie begrünt und 30 Prozent der Straße dadurch im Schatten von Bäumen, würde die Temperatur um zwölf Grad sinken auf 29 Grad. "Das ist ein deutlicher Unterschied", findet Kugler.
In den Neubaugebieten würde die Stadt diese Zielmarke von 30 Prozent Baumschatten bereits einhalten, das Problem seien die Bestandsgebiete.
"Noch ganz schön viel zu tun"
Bürgermeisterin Mona Fuchs erkennt außerdem das Anliegen des Bürgerbegehrens Baumentscheid an, für das gerade Unterschriften gesammelt werden (AZ berichtete). Das baue sehr darauf auf, was die Stadt entwickelt hat, fordere aber noch mehr Tempo. "Das ist natürlich ein sehr nachvollziehbarer Wunsch", sagt Fuchs. "Aber man muss es auch irgendwie finanzieren."
Stand jetzt sind im Stadtgebiet rund 22 bis 23 Prozent der Fläche durch Bäume im Schatten. Das klinge nach viel, es sei aber "noch ganz schön viel zu tun", so Fuchs.
Das spüren die Münchner aktuell ganz besonders deutlich. Laut einer aktuellen Statistik des Referats für Klima- und Umweltschutz gab es dieses Jahr bereits 26 heiße Tage. Das sind Tage, an denen die Lufttemperatur 30 Grad Celsius übersteigt.
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