Stadt zahlt nur 28 Tage für Fundtiere – Münchner Tierheim bleibt auf Kosten sitzen

Ausgesetzte Hunde, streunende Katzen und entwischte Vögel: Die Stadt teilt der AZ mit, sie übernehme 28 Tage lang "die Kosten für die Versorgung, Betreuung und notwendige tierärztliche Behandlungen von Fundtieren", die im Tierheim abgegeben werden. Danach steuere sie einen freiwilligen Betrag bei. Für den Tierschutzverein München bedeutet das: Er übernimmt den Rest.
Verstehen kann der Vorsitzende des Vereins, Kurt Perlinger, das nicht, wie er bei der Jahrespressekonferenz am Donnerstag im Tierheim erklärt: "Am 28. Tag müssten wir die Tiere eigentlich ins Rathaus bringen. Meiner Meinung nach sind das die Tiere der Stadt. Sie sind ja auch dort gefunden worden." Perlinger findet, dass es deshalb auch das Problem der Stadt sein sollte. Doch am Ende reiche das Geld der Stadt eben nicht aus; die Zusatzkosten würden sich zu den Ausgaben des Vereins addieren.

900.000 Euro Minus: Tierheim München zieht Bilanz für 2025
Die beliefen sich im vergangenen Jahr auf circa 11,5 Millionen Euro. Wobei etwa 15 Prozent, also etwa 1,6 Millionen Euro, durch Förderungen durch die Stadt gedeckt werden konnten. Die anderen 85 Prozent wurden durch Erbschaften, Spenden und Mitgliedsbeiträge finanziert. Weil am Ende immer noch fast 900.000 Euro fehlten, mussten Rücklagen angezapft werden.

Vielleicht nicht den größten, aber einen nennenswerten Anteil, machen die Mitgliedsbeiträge in der Finanzierung aus. Fast eine halbe Million kam im letzten Jahr zusammen. Doch die Mitgliederzahlen sinken. In den letzten 30 Jahren haben sie sich halbiert, auf 8.266. Heutzutage sei es schwieriger, Menschen in den Verein zu holen, sagt Vorstand Perlinger.
Allein im vergangenen Jahr nahm das Tierheim über 4000 Tiere auf
Doch eines der drängendsten Probleme, mit denen der Verein und das Tierheim zu kämpfen haben, bleibt die Wildtiersituation: Allein im vergangenen Jahr nahmen sie über 4.000 Tiere auf, die Zahl steigt – auch wegen des Klimawandels. Darunter Wild- und Wasservögel, Igel und Marder sowie Tauben.

Aktuell leben 400 von ihnen im Tierheim München in Riem. Finanziert werden die Plätze ausschließlich durch Spenden. Während die Wildtierstation an ihre Grenzen stößt, warnt auch die Münchner Tierrettung in der Herzogstraße.
Täglich würden sie etliche Anrufe erreichen. "Oft geht es um wichtige Informationen, aber teilweise auch darum, dass völlig gesunde Jungtiere gerettet werden sollen", so die Cheftierärztin Ines Holz. Die Tierrettung empfiehlt daher, sich vorher ausreichend zu informieren. Helfen soll zum Beispiel die App sos-wildtier.de, die eine erste Orientierung bietet. Das Thema Wildtiere beschäftigt also zunehmend nicht nur das Tierheim.
Die im Stadtrat haben nie Geld
Dass es zumindest bei Fundtieren – ausgesetzte Hunde, streunende Katzen oder entwischte Vögel – bald mehr finanzielle Entlastung von der Stadt geben könnte, hält Kurt Perlinger für unwahrscheinlich. Auf die neue Stadtregierung setze er keine Hoffnung. Seit 25 Jahren sei er schon Vorsitzender und sagt: "Das müsste vom Stadtrat genehmigt werden. Und die im Stadtrat haben nie Geld, da stehen die Tiere immer an fünfter Stelle."
Hinweis: Am 25. Juli lädt das Tierheim zu seinem alljährlichen Sommerfest (11 bis 16 Uhr) in der Brukenthalstr. 6.