Stadt München will lieber lüften als Luftfilter anschaffen

Der Freistaat fördert die Geräte mit Millionen. Trotzdem will München seine Schulen nicht damit ausstatten. Die CSU fordert nun, dass sich das ändert.
| Christina Hertel
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Ein  mobiler Raumluftreiniger in einer Münchner Grundschule.
Ein mobiler Raumluftreiniger in einer Münchner Grundschule. © Imago Images

München - Luftfilter in Klassenzimmern könnten Schutz vor Corona leisten. Das meint zumindest das bayerische Kultusministerium und fördert den Kauf dieser Geräte mit vielen Millionen Euro. Trotzdem will die Stadt München diese Geräte nicht.

Die Münchner CSU kann diese Haltung nicht nachvollziehen. In einem Antrag fordert sie die Stadt nun dazu auf, schnellstmöglich damit zu beginnen, Luftfilter in den Klassenzimmern zu installieren.

"Kinder werden voraussichtlich noch lange nicht gegen Corona geimpft - jedoch bleibt die Gefahr durch das Virus in vollen Klassenzimmern bestehen", sagt Stadträtin Sabine Bär (CSU). Eine ähnliche Meinung vertritt Michael Schwägerl, der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes: "Die Haltung der Stadt ist völlig unverständlich. Wenn es schon Fördergelder gibt, solle die Stadt darauf auch zurückgreifen."

Freistaat fördert Luftfilter mit 50 Millionen Euro

Der Freistaat gibt für die Anschaffung von Luftfiltern 50 Millionen Euro aus. In der ersten Förderrunde übernahm der Staat 3.500 Euro je Raum, in der zweiten deckelte er die Fördersumme auf maximal 1.750 Euro pro Raum. Das ist etwa die Hälfte der Anschaffungskosten von einem Gerät. Noch bis Ende März können Städte Anträge einreichen.

Doch auch dieses Geld wird sich München wohl entgehen lassen: "Die Anschaffung von mobilen Raumluftreinigungsgeräten wird für die Münchner Schulen derzeit nicht für sinnvoll erachtet", antwortet die Pressestelle des Bildungsreferats auf eine AZ-Anfrage. Grund ist, dass der Nutzen hinsichtlich Covid-19 bislang nicht nachgewiesen worden sei. Gegebenenfalls könnten die Filter sogar kontraproduktiv wirken, schreibt die Stadt.

Im Umland sieht man das anders: Der Landkreis München beschaffte 113 mobile Raumluftreiniger für seine Förderzentren. Das habe 306.000 Euro gekostet. Doch eine Sprecherin des Landratsamtes geht davon aus, dass der Freistaat dieses Geld zurückzahlt.

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"Aus infektiologischer Sicht ist der Einsatz von Raumluftreinigungsgeräten sinnvoll, da diese die Aerosole in der Raumluft reduzieren", sagt Gerhard Schmid, der Leiter des Gesundheitsamtes im Landkreis.

Doch offensichtlich ist nicht nur München skeptisch, ob Luftfilter tatsächlich etwas bringen: Bei der Regierung von Oberbayern gingen 448 Anträge für CO2-Sensoren und für mobile Luftreinigungsgeräte ein. Allerdings gibt es in dem Bezirk fast 2.000 Schulen. Für 1.388 Schulräume in Oberbayern sind laut Regierung von Oberbayern Lüftungsgeräte angeschafft worden - für rund 4,5 Millionen Euro. Das bayerische Kultusministerium macht keine Angaben dazu, wie weit die Fördertöpfe für die Luftfilteranlagen ausgeschöpft worden sind.

Stadt München setzt auf regelmäßiges Lüften

Um Kommunen dazu zu bewegen Luftfilter zu kaufen, sollte die Regierung die Fördersätze erhöhen, findet Michael Schwägerl, der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes. "Wenn es an allen Schulen Luftfilter gibt, kann man auch darüber nachdenken, wieder zum Präsenzunterricht zurückzukehren."

Allerdings gibt es Zweifel, wie wirksam Luftfilter tatsächlich sind. Eine Studie, die die Hochschule München an einer Grundschule in Oberschleißheim durchführte, kam zu dem Ergebnis, dass Lüften trotzdem unverzichtbar ist. Zwar reduzierten sich die Partikel in dem Klassenzimmer um bis zu 50 Prozent. Jedoch konnte laut der Gemeinde das Gerät während des Unterrichts niemals auf voller Leistung betrieben werden - es war viel zu laut.

Wenn der Unterricht wieder läuft, setzt München deshalb darauf, dass die Lehrer regelmäßig lüften. Dafür können die Schulen laut Bildungsreferat CO2-Messgeräte anschaffen.

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