Staatstrojaner: Münchner Software-Firma im Visier der Staatsanwaltschaft

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen eine Münchner Firma, ob sie illegal Staatstrojaner verkaufte. Nun liefern Experten neue Indizien.
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Die Staatsanwaltschaft München I ermittelt gegen eine Münchner Firma, die womöglich illegal Staatstrojaner verkauft haben soll. (Symbolbild)
Oliver Berg/dpa Die Staatsanwaltschaft München I ermittelt gegen eine Münchner Firma, die womöglich illegal Staatstrojaner verkauft haben soll. (Symbolbild)

München - Der Chaos Computer Club (CCC) hat bei seiner jährlichen Fachkonferenz, die bis Montag in Leipzig stattfindet, eine Analyse veröffentlicht, die die Münchner Firma Finfisher belasten könnte. Bereits seit September ermittelt die Staatsanwaltschaft München I, ob die Firma Überwachungssoftware ohne Genehmigung der Bundesregierung ins Ausland verkauft hat. Bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung gilt die Unschuldsvermutung.

Die Firma entwickelt sogenannte Staatstrojaner, die auch von den deutschen Landeskriminalämtern und dem Bundeskriminalamt genutzt werden, um Chatverläufe von Verdächtigen mitzulesen und auf deren Kontaktdaten zuzugreifen.

Die deutsche Polizei liest mit Finspy Chats von Verdächtigen mit "Unsere Analyse zeigt, dass eine ursprünglich aus Deutschland stammende Überwachungssoftware offenbar gegen demokratische Dissidenten eingesetzt wurde", teilte Linus Neumann vom CCC, einer der Autoren der Analyse, jetzt mit.

Software eine Variante des Staatstrojaners Finspy

Es gebe "einen starken Hinweis", dass es sich bei der Software um eine Variante des Staatstrojaners Finspy – einem Produkt von Finfisher – handelt. Weiter heißt es vom CCC, das Ergebnis der Analyse sei, "dass ein Schadsoftware-Exemplar, das laut Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF) im Jahr 2016 gegen die türkische Oppositionsbewegung eingesetzt wurde, eindeutig nach dem Inkrafttreten der EU-Exportkontrollvorschriften für Überwachungssoftware erstellt wurde".

Anlass der Untersuchung waren Strafanzeigen der GFF und weiterer Organisationen gegen die deutsche Firmengruppe Finfisher wegen des vorsätzlichen Verstoßes gegen Genehmigungspflichten. Finfisher ist in Privatbesitz und hat eine Niederlassung in München. Wie sie auf ihrer Internetseite angibt, wurde sie 2008 in Deutschland "mit der Mission" gegründet, erfolgreiche Operationen, erstklassige Cyber-Lösungen und Wissen gegen das organisierte Verbrechen bereitzustellen. Sie arbeite ausschließlich mit Strafverfolgungs- und Nachrichtendiensten zusammen mit dem Ziel, "Terror und Kriminalität wirksam zu verhindern und aufzuklären".

Die Forscher des Chaos Computer Clubs haben nach ihren Angaben 28 Exemplare der Spionage-Software Finspy für Android aus den Jahren 2012 bis 2019 analysiert. Hauptaugenmerk der Untersuchung waren die Herkunft der Schadsoftware und das Datum ihrer Herstellung.

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