Spektakulärer Drogen- und Waffenfund in Münchner Wohnung
Alles fing damit an, dass sich eine Frau und ein Mann kurz vor Mitternacht auf offener Straße lauthals stritten. Der Mann war zudem halb nackt, weshalb genervte Anwohner die Polizei verständigten.
Den Streifenbeamten fielen zwei Dinge auf: Der 22-Jährige stand trotz Kälte mit nacktem Oberkörper vor ihnen und zudem blutete er leicht aus der Nase. Das sei die Folge eines „häuslichen Unfalls“, versuchte sich der Münchner herauszureden. Er habe sich „gestoßen“, behauptete er. Seine Freundin, Mitarbeiterin in einer Münchner Table-Dance-Bar, verhielt sich auffallend unbeteiligt.
Drogen liegen offen in Wohnung herum
Den Polizisten kam die ganze Situation irgendwie komisch vor, deshalb begleiteten sie das Paar zu dessen Wohnung in Waldperlach. Dort hatte es in jener Nacht auf den 17. Oktober bereits jede Menge „Schnee“, genauer gesagt Kokain. Die Drogen lagen zum Teil offen in der Wohnung herum.
Als der 22-Jährige merkte, dass er aufgeflogen war, versuchte er zu fliehen. Die Polizisten holten ihn aber sofort ein und nahmen ihn fest.
Knapp zwei Kilo reinstes Kokain
Die Staatsanwaltschaft München I ordnete noch in derselben Nacht eine Durchsuchung der kompletten Wohnung an. Dabei fanden die Beamten jede Menge Kokain. „Insgesamt waren es 1,8 Kilogramm, von hoher Qualität und unverschnitten“, sagt Drogenfahnder Harald B. Der Stoff hat im Straßenverkauf einen Schwarzmarktwert von geschätzt rund 140.000 Euro. „Einige der rechteckigen, weißen Platten aus Kokain lagen in Plastik verschweißt in einem Schrank“, sagt Sebastian S., Fahnder beim Kommissariat 83.

Vier Pistolen lagen griffbereit
Die Ermittler fanden zudem in einer verschließbaren Glasbox einen gepressten Block aus 45 Gramm Haschisch, eine Menge, die für den privaten Eigenbedarf gerade noch rechtlich erlaubt ist.
Am brisantesten war allerdings ein Koffer, der offenbar dem 22-Jährigen gehört. Darin lagen vier scharfe, halbautomatische Pistolen: eine „Hrvatski Samokres“, kurz HS, eine kroatische Waffe und drei österreichische Pistolen der Marke Glock. Die Waffen waren mit Stangenmagazinen ausgerüstet, die jeweils bis zu 30 Patronen fassen.
Zudem lag in dem Koffer eine sogenannte „Glock Switch“, ein kleines, aber auch illegales Bauteil, das eine halbautomatische Glock-Pistole zu einer vollautomatischen Maschinenpistole macht und damit praktisch zu einer Kriegswaffe wird.

Verdächtiger ist bereits aktenkundig
Der 22-Jährige ist bereits bei der Polizei wegen Drogendelikte bekannt. Der Verdächtige wurde dem Ermittlungsrichter vorgeführt, der Haftbefehl erließ. Der 22-Jährige sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Ihm drohen bei einer Verurteilung vor Gericht mindestens fünf Jahre Freiheitsstrafe wegen bewaffneten Drogenhandels in nicht geringer Menge.
Die Freundin des Münchners kam hingegen wieder frei. Der Haftbefehl gegen die 30-Jährige wurde unter Auflagen außer Vollzug gesetzt.
Kokainschwemme in München
München erlebt derzeit eine Kokain-Schwemme. Es ist deutlich mehr Stoff auf den Straßen der Stadt im Umlauf als noch vor zehn Jahren, berichten die beiden Fahnder von K 83. Die Droge ist zudem für relativ wenig Geld zu bekommen. Ein Gramm kostet rund 80 Euro im Straßenverkauf. Das Kokain hat zudem eine sehr hohe Qualität und ist nahezu unverschnitten.
