Spektakuläre Wende: Arabellahaus bleibt und wird grundlegend saniert

Das Arabellahaus in Bogenhausen wird nicht abgerissen, sondern für Hunderte Millionen Euro umfassend saniert und erweitert: mit Skygarden, öffentlicher Dachterrasse, Europas längster Außenrolltreppe, neuen Wohnungen – teils gefördert – und einem klaren Bekenntnis zu Nachhaltigkeit und grauer Energie.
Hüseyin Ince
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Das Arabellahaus im Arabellapark München – zuletzt sollte es noch abgerissen werden.
Das Arabellahaus im Arabellapark München – zuletzt sollte es noch abgerissen werden. © IMAGO/ HR Schulz

Seit fast zehn Jahren nehmen Münchnerinnen und Münchner sowie die Mieter des sogenannten Arabellahauses in Bogenhausen Abschied von einem der markantesten Gebäude Münchens, direkt am Mittleren Ring. Der Eigentümer – die Schörghuber-Familie – hatte 2018 den Abriss beschlossen. Nun kommt eine spektakuläre Wende: Das Haus bleibt, wird aber jahrelang entkernt, saniert, modernisiert sowie erweitert. Es ist übrigens benannt nach der Schörghuber-Tochter Arabella.

In einer Presseinfo von Dienstagmorgen heißt es nun: "Revitalisierung statt Abriss: Das Arabellahaus bleibt Münchner Ikone – mit öffentlicher Dachterrasse und der längsten Außenrolltreppenanlage Europas". Der Abriss scheint also verhindert zu sein. Die Familie will das Gebäude offenbar massiv aufwerten.

Sanieren? Nicht nur. Revitalisieren, nennt es die Bayerische Hausbau

In der Presseinfo ist auch die Rede von Nachhaltigkeit. Etwa 20.000 Tonnen CO2 würden durch den Erhalt des Gebäudes eingespart. Damit ist die hochgerechnete Energie gemeint, die für den Bau des Gebäudes ab 1968 aufgewendet wurde. Durch moderne Haustechnik möchte man zudem den künftigen CO2-Ausstoß drastisch verringern.

Vision ab 2035: Das neue Arabellahaus samt der längsten Außenrolltreppe Europas, einem begrünten Dach sowie einem Durchbruch, dem "Skygarden" luftiger Mitte.
Vision ab 2035: Das neue Arabellahaus samt der längsten Außenrolltreppe Europas, einem begrünten Dach sowie einem Durchbruch, dem "Skygarden" luftiger Mitte. © BHRE

Doch ausziehen müssen die etwa 500 Mieter des Gebäudes samt Hotel "Four Points by Sheraton" wohl trotzdem. Denn das Haus wird nicht nur saniert. Die Familie nennt es "revitalisieren", ohne den Charakter des wahrzeichenhaften Gebäudes zu verändern. Gemeint ist damit, dass das Haus entkernt, saniert und auch vergrößert wird.

Am markantesten sollen bei dem Hochhaus der Zukunft offenbar zwei Elemente werden. Zum einen werde das Arabellahaus nach der "Revitalisierung" ein Art Auge haben, genannt "Skygarden". Gemeint ist ein Durchbruch, mittig zwischen 15. und 19. Stock. Hier soll eine Gemeinschaftsfläche für alle künftigen Bewohner entstehen, die sie auch selbst mitgestalten und bespielen können.

Mit Beton lässt sich auch etwas Schönes, Charakteristisches anstellen: Das Arabellahaus ist unverwechselbar.
Mit Beton lässt sich auch etwas Schönes, Charakteristisches anstellen: Das Arabellahaus ist unverwechselbar. © IMAGO/imagebroker

Doch nicht nur das Gebäude wird an dieser Stelle geöffnet, auch das begrünte Dach soll nach der Fertigstellung für alle Münchner zugänglich sein, nicht exklusiv für Bewohner also. Angedacht sind laut Presseinfo Gastronomie, Sportflächen, Kulturangebote sowie frei nutzbare Aufenthaltszonen ohne Konsumzwang.

Für alle Münchner soll die Dachterrasse begehbar sein

Und das gepaart mit spektakulärem Blick über München und die Alpen in luftiger Höhe. Neudeutsch könnte man sagen: Das Arabellahaus soll durch die neue Dachterrasse demokratisiert werden. Bisher konnten dort nur Bedienstete sowie Mieter hochfahren.

Blick vom Arabellahaus auf das Westin Grand, ebenfalls im Arabellapark. Auch dieses Gebäude ist in die Jahre gekommen.
Blick vom Arabellahaus auf das Westin Grand, ebenfalls im Arabellapark. Auch dieses Gebäude ist in die Jahre gekommen. © IMAGO/Martin Hangen

Doch die Superlative, die die Familie Schörghuber ankündigt, gehen weiter. Damit auch jeder die Dachterasse nutzen kann, ohne das Gebäude betreten zu müssen, ist eine diagonale Rolltreppe an der Außenfassade geplant. Sie werde eben die längste Außenrolltreppenanlage Europas werden.

Arabella Schörghuber (rechts) mit ihrer Tochter Ramona Pongratz an einem Aschermittwoch am Fischbrunnen am Marienplatz. Einst haben ihre Eltern das Arabellahaus nach ihr benannt.
Arabella Schörghuber (rechts) mit ihrer Tochter Ramona Pongratz an einem Aschermittwoch am Fischbrunnen am Marienplatz. Einst haben ihre Eltern das Arabellahaus nach ihr benannt. © IMAGO/B. Lindenthaler

Möglich sei all das durch die neuesten Erleichterungen in der Bayerischen Bauverordnung geworden, gepaart mit "innovativen bautechnischen Lösungen", heißt es in der Presseinfo.  Offizieller Bauherr und Eigentümer ist die "Bayerische Hausbau Real Estate". "Das Arabellahaus ist ein Stück Münchner Stadtgeschichte. Unser Ziel ist es, das Gebäude in eine neue Zeit zu führen – attraktiver, nachhaltiger und offener für die Menschen in München", wird der Real-Estate-Geschäftsführer Stefan Bögl zitiert.

Auch sei ein neuer Zugang zum Areal des Rosenkavalierplatzes geplant, dazu größere öffentliche Wege, um das Haus "stärker mit seinem Umfeld zu verbinden. Das Gesamtkonzept des Areals samt Hochhaus habe sich bewährt und solle daher gleich bleiben: Wohnen, Hotel, Gesundheitsangebote, Geschäfte plus Gastronomie.

Ein Teil der neuen Wohnungen soll auch zum sozial geförderten Modell der Stadt gehören. Wie groß dieser Anteil sein wird, ist unklar. Doch hört man sich in der Branche um, heißt es, dass etwa 20 Prozent der Wohnfläche zu dem Modell gehören wird. Das wären bei 500 Wohnungen etwa hundert Wohneinheiten.

1968: Im Arabellapark werden nach und nach Hochhäuser hochgezogen – im Hintergrund das auffällige Arabellahaus mit seiner besonderen Fassade.
1968: Im Arabellapark werden nach und nach Hochhäuser hochgezogen – im Hintergrund das auffällige Arabellahaus mit seiner besonderen Fassade.

Das Architekturbüro Hild und K ist bereits beauftragt

Das Haus soll sich an den Längsfassaden verbreitern. In der Presseinfo heißt es: "Die bestehende Struktur soll durch den Anbau einer neuen Gebäudeschicht, so genannter Regale, ergänzt und aufgewertet werden." Technik und Dämmung will die Unternehmerfamilie Schörghuber auf den allerneuesten Stand bringen lassen. Auch die Energieversorgung will man zukunftsfähig machen, mit einer erheblichen Anzahl von Solarenergie-Flächen.

Doch ohne den Auszug der Mieter kann all die Erneuerung offenbar nicht stattfinden. Die Mieter, die schon seit 2018 mit einem Auszug rechnen, will die Bayerische Hausbau bei der Suche nach neuem Wohnraum unterstützen, mithilfe der hauseigenen Makler- und Eigentümernetzwerke. Die Bauarbeiten sollen im Optimalfall im Frühjahr 2030 beginnen, betont man in der Presseinfo.

Nach der Fertigstellung 2034 oder 2035 dürfte das Gebäude-Ensemble mehr als eine Milliarde wert sein

Mit dem Umbau beauftragt ist das Büro SBP Bau- und Projektentwicklung. Die architektonischen Herausforderungen wird das bekannte Münchner Büro Hild und K übernehmen und der Leitung des Architekturprofessors Andreas Hild.

Das Haus wurde zwischen 1966 und 1969 gebaut und galt als die Zukunft des Wohnens. Derzeit umfasst das Arabellahaus-Ensemble samt den umliegenden Gebäuden etwa 87.000 Quadratmeter. Das Kostenvolumen der Sanierung wird zwar nicht kommuniziert.

Branchenkenner aber gehen von einer Investition von deutlich mehr als 500 Millionen Euro aus. Doch es sei ebenso davon auszugehen, dass nach der etwa vierjährigen Modernisierung der Komplex mehr als eine Milliarde Euro wert sein werde.

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  • kartoffelsalat vor 56 Minuten / Bewertung:

    Der Fortschritt ist eine Schnecke aber nach und nach setzt sich nachhaltiges Handeln durch. Zwangsläufig natürlich. Und das ist gut so.

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