Special zum Welt-Linkshändertag: Auf der anderen Seite

"Nimm das schöne Händchen!": Als Linkshänder hatte man es nie leicht – aber vielleicht wird's ja noch.
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Die Erschaffung Adams ist das berühmteste von Michelangelos Bildern in der Sixtinischen Kapelle. Und wer genau hinschaut, sieht: Adam ist Linkshänder – genau wie Michelangelo es war.
Musei Vaticani/dpa Die Erschaffung Adams ist das berühmteste von Michelangelos Bildern in der Sixtinischen Kapelle. Und wer genau hinschaut, sieht: Adam ist Linkshänder – genau wie Michelangelo es war.

Wir haben sogar eine Art eigenen Club, direkt hier in München: die "Beratungs- und Informationsstelle für Linkshänder und umgeschulte Linkshänder". Nicht, weil wir uns so besonders fühlen – es gibt dort keine Kaffeekränzchen mit Spezialtassen (das Motiv auf der anderen Seite, damit wir es auch mal sehen), in denen es nur um Linkshänder-Kreativität geht. Sondern weil linkshändig sein für viele Menschen kompliziert bis schädlich ist.

Ob es um die Drehrichtung von Korkenziehern geht oder die Nachwirkungen von Umerziehung, die noch bis in die 70er üblich war: Der Alltag für die etwa zehn bis 15 Prozent der Weltbevölkerung, die Linkshänder sind, ist noch immer schwierig. Darauf soll der Tag der Linkshänder aufmerksam machen.

Wie das für unsere drei Redaktions-Linkshänder war und ist, haben sie hier aufgeschrieben. Vielleicht kommen uns die Rechtshänder nach der Lektüre ein bisschen entgegen. Muss ja nicht gleich das Händeschütteln mit Links sein – es reicht schon, nichts Gemeines über die Handschrift zu sagen.

Wirre Wollfäden

Als Linkshänder wird man gerne mal getriezt. Ich denke da an meine Kinderärztin, die mich, als ich noch sehr klein war, auf dem rechten Bein hüpfen ließ – was mir nicht so recht gelang – und mich schon für doof erklären wollte. Wer nicht einbeinig hüpfen kann, mit dem muss doch etwas verkehrt sein, oder?

Wie gut, dass meine Mama sie noch rechtzeitig aufgeklärt hat: Das Kind hat's nicht so mit rechten Händen und Füßen.

Mit linken Maschen aber auch nicht. Die sind, Ironie irgendwie, für Linkshänder nämlich aus unerfindlichen Gründen nicht strickbar. Zumindest erinnere ich mich noch gut an den einen Nachmittag in der Grundschule, als meine Handarbeitslehrerin verzweifelt versuchte, mir das Stricken linker Maschen beizubringen. Sie hatte sogar eine Anleitung aus einem Buch kopiert, damit das Kind nicht blöd nach Hause gehen muss.

Aber es wollte einfach nicht klappen. Weshalb mir Wolle immer etwas suspekt geblieben ist (siehe Foto). Wobei, so ganz stimmt das nicht: Denn rechte Maschen, die kann selbst ich Linkshänder-Kindl stricken.

Wenn ich wollte, könnte ich dabei sogar hüpfen – allerdings lieber auf dem linken als auf dem rechten Bein. Sie wissen ja, warum.
Sophie Anfang

All die schönen Gegenstände

Dass da etwas nicht stimmen kann, stellte ich zum ersten Mal bewusst fest, als meine Mutter mir etwas Gutes tun wollte und mir eine Linkshänderschere mitbrachte.

Linkshänderin bin ich, seit ich denken kann, das war auch nie ein großartiges Thema. Die Füllerfeder war halt immer etwas verbogen, weil ich beim Schreiben mehr aufdrückte als ein durchschnittliches Kind (was auch an der grundsätzlichen Lebenseinstellung gelegen haben mag), aber der Rest der Welt ließ mich in Ruhe, alles war gut. Bis die Linkshänderschere kam, ich sie freudig an ein Blatt Papier ansetzte – und nichts geschah. Die Klingen drückten das Papier etwas zusammen, ansonsten: nada.

Man nennt es "halber Linkshänder" oder auch: "verkappter". Stift und Tasse halten und verwenden, das kann die linke Hand, ansonsten ist sie genau so ein Trottel wie die Linke eines Rechtshänders. All die schönen Linkshänder-Gegenstände, die gespiegelten Brotmesser, verzwirbelten Korkenzieher und eben die Scheren, sind bei mir verschwendet.

Darüber könnte man sich natürlich freuen. Allerdings bedeutet die innere Doppelverdrehtheit eine besonders große Enttäuschung: Linksfuß bin ich nicht. Und Rechtsfüßer gab's unter den Stürmerinnen im Fußballverein leider zu viele, als dass es die fehlende Begabung ausgeglichen hätte.
Anja Perkuhn

Gemeingefährlicher Psychopath?

Eines der schönsten Geschenke, die ich in meinem Leben erhalten habe, waren zwei Linkshänderscheren, eine große, eine kleine, die mir einmal eine liebe Sekretärin auf den Schreibtisch gelegt hat. Mit mitleidigem Blick sagte sie: "Herr Hagen, die haben wir im Materialschrank gefunden. Sie sind doch unser einziger Linkshänder. Bitteschön."

Erst dachte ich an einen Scherz, aber nach Redaktionsschluss, als ich allein war und nicht Gefahr lief, von Kollegen ausgelacht zu werden, probierte ich mein Geschenk aus. Ich nahm die große Schere und ein Blatt Papier und zerschnitt es – schnipp, schnapp – in zwei Teile. So muss sich Messner auf dem Gipfel des Nanga Parbat gefühlt haben. Dieser unbeschreibliche Glückszustand können Rechtshänder nicht nachempfinden, denn die konnten schon im Kindergarten mit ihren Kinderscheren ganz tolle Sachen basteln – ich konnte das nie.

Überhaupt ist das Leben als Linkshänder gar nicht so lustig. Zwar erzählt einem die halbe Welt, allen voran die eigenen Eltern, wie sagenhaft kreativ Linkshänder seien. Aber wenn man dann nicht subito komponiert wie Mozart oder dichtet wie Johann Wolfgang von Goethe, kommt irgendwann die Erkenntnis, dass man selbst vielleicht nicht zu diesen ganz großen Kreativlingen gehört.

Frühe Kränkungen tun da ihr Übriges. In der Grundschule habe ich von meiner ansonsten großartigen Lehrerin einmal eine Vier in Schreiben bekommen. Dabei hat sie wahrscheinlich noch beide Augen zugedrückt, denn eigentlich verdient meine Handschrift eine glatte Sechs. Würde man mein Signum einem Graphologen vorlegen, würde er sicher auf einen gemeingefährlichen Psychopathen tippen.

Keine Angst, ganz so schlimm hat es das Schicksal dann doch nicht gemeint. Irgendwie habe ich mich mit meiner Linkshändigkeit abgefunden. Nur wenn meine süße Tochter ihrem Vater mal wieder vorwirft, dass sie das linkshänder-typische Ungeschicklichkeits-Gen nur von Daddy haben könne und mir einen strafenden Blick zuwirft, dann denke ich: Verflixt, die "Rechten" haben’s einfacher im Leben!
Clemens Hagen

Diese Prominenten machen's mit Links

Der (noch) wohl mächtigste Linkshänder der Welt ist US-Präsident Barack Obama, auch sein Vorgänger Bill Clinton schreibt und unterschreibt mit der Linken.

Künstler und Erfinder Leonardo DaVinci schrieb oft in Spiegelschrift und von rechts nach links – angeblich, weil das für ihn als Linkshänder praktischer war.

Gitarren-Virtuos Jimi Hendrix spannte meist die Saiten einer normalen Gitarre um, Ex-Beatle Paul McCartney verwendet eine Linkshänder-Gitarre. Fußballstar Pelé ist Beidfüßer, aber Linkshänder, Bayernstar Arjen Robben unterschreibt Verträge mit Links – und Tennis-Ass Rafael Nadal wurde bewusst umgeschult, mit Links zu spielen, fürs Überraschungsmoment.

Autogramme der Hollywood-Schauspielerinnen Angelina Jolie und Scarlett Johansson sind wohl immer leicht verschmiert. Und der "Simpsons"-Nachbar Ned Flanders, der einen Linkshänder-Laden führt, ist sicherlich auch deshalb Linkshänder, weil sein Erschaffer Matt Groening einer ist.

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