Spaziergang durch die Altstadt: Viel mehr als ein Einkaufsbummel

In die Altstadt nur mal kurz ins Kaufhaus? Die AZ zeigt mit einem Spaziergang, dass sich ein zweiter Blick lohnt – hinein in Kirchen und Museen, hinauf an Fassaden und manchmal sogar auf den Boden.
| Fabian Dosch
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Antike Kunst im Residenzmuseum: Punkt zwei des Spaziergangs.
Fabian Dosch 8 Antike Kunst im Residenzmuseum: Punkt zwei des Spaziergangs.
Start der Tour: Der Platz der Opfer des Nationalsozialismus.
Fabian Dosch 8 Start der Tour: Der Platz der Opfer des Nationalsozialismus.
Die Kugel-Skulptur in den "Fünf Höfen".
Fabian Dosch 8 Die Kugel-Skulptur in den "Fünf Höfen".
Das Denkmal für Kurt Eisner befindet sich auf dem Boden.
Fabian Dosch 8 Das Denkmal für Kurt Eisner befindet sich auf dem Boden.
Wiegt 9,5 Tonnen: Die Statue von Maximilian Joseph Graf von Montgelas am Promenadeplatz.
Fabian Dosch 8 Wiegt 9,5 Tonnen: Die Statue von Maximilian Joseph Graf von Montgelas am Promenadeplatz.
Das kleine Glockenspiel in der Sendlinger Straße.
Fabian Dosch 8 Das kleine Glockenspiel in der Sendlinger Straße.
Beeindruckend: Die Asamkirche in der Sendlinger Straße.
Fabian Dosch 8 Beeindruckend: Die Asamkirche in der Sendlinger Straße.
Erfrischung zum Schluss: Der Springbrunnen am Sendlinger Tor.
Fabian Dosch 8 Erfrischung zum Schluss: Der Springbrunnen am Sendlinger Tor.

Altstadt - Wer an die Altstadt denkt, dem fallen erstmal typische Sehenswürdigkeiten ein – wie der Marienplatz, die Frauenkirche, der Stachus oder der Viktualienmarkt.

Die Altstadt ist, der Name lässt es schon erahnen, der älteste Stadtteil. Sie bildet mit dem Lehel den Stadtbezirk 1. Das älteste Bauwerk Münchens? Steht, klar, hier in der Altstadt. Beziehungsweise die Reste seiner Grundmauern. Es handelt sich um eine Latrine aus dem 13. Jahrhundert am Marienhof.

Wie andere deutsche Städte wurde auch München - und gerade auch die Altstadt - im Zweiten Weltkrieg durch alliierte Bomber beschädigt. Schätzungen gehen davon aus, dass 90 Prozent der Bauwerke in der Altstadt Schaden nahmen oder zerstört wurden. Viele Fassaden strahlen heute wieder im historischen Glanz, etwa entlang der Maximilian- und Ludwigstraße. Doch auch abseits der bekannten Ziele lohnt sich ein Blick in die Altstadt.

Machen Sie sich mit der AZ auf einen Spaziergang durch Münchens ersten Bezirk. Sie sollten sich für unseren Spaziergang etwa zweieinhalb Stunden Zeit nehmen, damit Sie die Orte auf sich wirken lassen können. Die Route führt Sie vom Odeonsplatz quer durch die Altstadt bis zum Sendlinger Tor. Da ist viel Geschichte und Kultur dabei – und zum Abschluss lockt ein kühler Brunnen oder auch ein kühles Bier.


Startpunkt: Ein Ort des Gedenkens

Der Start des Spaziergangs ist rund drei Minuten Fußweg von der U-Bahnhaltestelle Odeonsplatz entfernt. Zwischen Café Luitpold und dem Karolinenplatz befindet sich der Platz der Opfer des Nationalsozialismus (1). Der Ort ist dem Gedenken an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft gewidmet. Der Ort wurde bewusst ausgewählt, da sich in unmittelbarer Nähe das Hauptquartier und das Gefängnis der Gestapo befanden, im Wittelsbacher Palais. Heute steht dort der Klotz der Landesbank.

Start der Tour: Der Platz der Opfer des Nationalsozialismus.
Start der Tour: Der Platz der Opfer des Nationalsozialismus. © Fabian Dosch

Mittig auf dem Platz der Opfer des Nationalsozialismus steht ein Denkmal mit einer brennenden Flamme. Die lange Bronzetafel am Denkmal erinnert unter anderem daran, dass hier ein "Ort der Vernichtung, der Einschüchterung und des Terrors gegen politisch Andersdenkende und gegen rassistisch und religiös diskriminierte Minderheiten" gewesen ist. Gehen Sie nun wieder zum Odeonsplatz zurück.

Altertümliche Kunst in der Residenz

Schräg gegenüber der Feldherrnhalle befindet sich das Residenzmuseum. Gerade an regnerischen Tagen ist das Museum einen Besuch wert. Der Eintritt kostet neun Euro. Zu sehen ist etwa die Ahnengalerie des Hauses Wittelsbach, das Porzellankabinett oder das Antiquarium (2), das der älteste Raum der Residenz ist.

Antike Kunst im Residenzmuseum: Punkt zwei des Spaziergangs.
Antike Kunst im Residenzmuseum: Punkt zwei des Spaziergangs. © Fabian Dosch

Das im 16. Jahrhundert errichtete Gewölbe enthält zahlreiche antike Büsten. Deshalb auch der Name Antiquarium. Doch genug von altertümlicher Kunst, denn als Nächstes wird es etwas moderner. Unsere nächste Station ist gerade einmal drei Minuten zu Fuß entfernt.

Über eine kleine Passage am Bogner Haus kommen sie zu den "Fünf Höfen" an der Theatinerstraße. Dort befindet sich in einem Innenhof ein Werk des dänischen Künstlers Ólafur Elíasson. Die etwa 20 Meter große "Sphere" (3) besteht aus Edelstahl und ist an den beiden Polen oben und unten offen. Der Betrachter, der mittig unter der Kugel steht, hat einen tollen Blick in den Himmel. Gerade an sonnigen Tagen bietet das Kunstwerk mit seinen polierten Metallelementen ein fröhliches Licht- und Schattenspiel. Verweilen kann man derweil im Café nebenan, bevor es weiter geht Richtung Hotel Bayerischer Hof.

Die Kugel-Skulptur in den "Fünf Höfen".
Die Kugel-Skulptur in den "Fünf Höfen". © Fabian Dosch

Ein Denkmal auf dem Boden

Neben dem Edel-Hotel Bayerischer Hof befindet sich das Kurt-Eisner-Denkmal (4) in der Kardinal-Faulhaber-Straße 14. 1989 errichtet, erinnert es an den am 21. Februar 1919 ermordeten ersten bayrischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner. Eine in den Boden eingelassene Stahlplatte zeigt die Umrisse des an dieser Stelle ermordeten Eisners. Auf der Gedenktafel über dem Kopf steht: "Kurt Eisner, der am 8. November 1918 die bayerische Republik ausrief, nachmaliger Ministerpräsident des Volksstaates Bayern, wurde an dieser Stelle am 21. Februar 1919 ermordet. Zu seinem Trauerzug kamen 100.000 Menschen." Am Ostfriedhof erinnert heute ein Gedenkstein an Kurt Eisner. Weiter geht's einmal ums Eck, Richtung Promenadeplatz.

Das Denkmal für Kurt Eisner befindet sich auf dem Boden.
Das Denkmal für Kurt Eisner befindet sich auf dem Boden. © Fabian Dosch

Am Promenadeplatz befindet sich ein weiterer Mann, der den bayerischen Staat geprägt hat. Mit sechs Metern Höhe ist das moderne Standbild kaum zu übersehen. Aber wer ist dieser Mann? Es ist Maximilian Joseph Graf von Montgelas (5). Das 2005 errichtete Denkmal wurde aus einem Stück Aluminium gefräst und wiegt 9,5 Tonnen. Montgelas war Minister unter König Maximilian I. und ein bedeutender Staatsreformer. Ihm lag etwa der Gedanke der Gleichstellung der Konfessionen oder etwa die tiefgreifenden Reformen in der öffentlichen Verwaltung und Politik am Herzen.

Wiegt 9,5 Tonnen: Die Statue von Maximilian Joseph Graf von Montgelas am Promenadeplatz.
Wiegt 9,5 Tonnen: Die Statue von Maximilian Joseph Graf von Montgelas am Promenadeplatz. © Fabian Dosch

Von der Frauenkirche in Richtung Sendlinger Straße

Vorbei an der Frauenkirche, geht es nun einmal entlang des Färbergrabens bis zur Sendlinger Straße.

Die Sendlinger Straße ist bekannt als Shopping- und Flaniermeile. Weniger bekannt: Auch Kulturfreunde finden hier Spannendes. So befindet sich an der Fassade des Hauses in der Sendlinger Straße 15 ein Glockenspiel mit einem Moriskentänzer (6), welches stündlich spielt. Das Glockenspiel wurde 1972 im Zuge der Olympischen Sommerspiele von dem Juwelier Fridrich gestiftet. Es zeigt einen in Gold gefassten Morisken nach dem Vorbild des Münchner Bildhauers Erasmus Grasser. Sie gehen nun weiter die Sendlinger Straße entlang.

Das kleine Glockenspiel in der Sendlinger Straße.
Das kleine Glockenspiel in der Sendlinger Straße. © Fabian Dosch

Mittig der Sendlinger Straße sehen Sie die prächtige Fassade der Asamkirche (7), die schon erahnen lässt, wie sehenswert das Kirchlein von innen ist. Die Kirche aus dem 18. Jahrhundert gilt als eine der bedeutendsten Bauwerke des Spätbarocks und wurde 1733 von den Brüdern Cosmas Damian und Egid Quirin Asam errichtet. Ein bewusster Blick nach oben lohnt sich: Die Kirche ist immer heller gestaltet, je weiter nach oben man schaut. Achten Sie einmal darauf! 1944 wurde die Kirche schwer beschädigt, nach dem Krieg restauriert. Laufen Sie nun weiter entlang der Sendlinger Straße.

Beeindruckend: Die Asamkirche in der Sendlinger Straße.
Beeindruckend: Die Asamkirche in der Sendlinger Straße. © Fabian Dosch

Erfrischung am Ende des Spaziergangs

Am Ende der Sendlinger Straße - und am Ende unseres Spaziergangs - angekommen, erblickt man das Sendlinger Tor mit dem dahinterliegenden Sendlinger-Tor-Platz. Mittig auf dem Platz befindet sich ein Springbrunnen (8), welcher gerade jetzt in den heißen Tagen für eine willkommene Abkühlung sorgen kann. Wer dann Lust auf ein frisches Bier hat, lässt sich auf einem der vielen Plätze des Irish Pub nieder – oder man setzt sich einfach auf eine der Parkbänke am Brunnen.

Erfrischung zum Schluss: Der Springbrunnen am Sendlinger Tor.
Erfrischung zum Schluss: Der Springbrunnen am Sendlinger Tor. © Fabian Dosch

Karte: Die Tour durch die Altstadt

 

Lesen Sie auch: Vom Bauernhof zum Container - eine Tour durch Sendling

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