Sommer in der Stadt: Wer München von früher kennt, wird heute staunen
Dass wir gerade in den schönsten aller Zeiten leben, kann man nicht zwingend behaupten, dass wir aber in einer der schönsten Städte der Welt leben, ist sicher.
Man kann es auch dadurch sehen, dass die Zahl der Touristen, die unsere Stadt besuchen, stetig steigt.

Im Sommer kommt man sich in der Innenstadt ein bisschen vor wie im Disneyland. Kaufte man sich vor etlichen Jahren noch einen Reiseführer, Europa in 5 Tagen, in der jeweiligen Landessprache, oder selten, aber möglich, einen über München alleine, ein kleines Büchlein mit einigen Fotos und den üblichen Hotspots – Marienplatz, Hofbräuhaus, Frauenkirche – wusste man nach kurzer Zeit, man hat alles gesehen, München ist fertig, den Schwarzwald kann man sich sparen, die Kuckucksuhr gibt’s am Bahnhof. Also ab in die Schweiz.

Neue Art des Tourismus: Hot Spots, Gruppenradeln und Bier-Bikes
Das ist heute ungleich schwerer. Dank Internet und Social Media kommt man hier so schnell nicht mehr weg, denn die heutigen Hot Spots sind die angesagten Partymeilen. Touren mit kleinen Hot Rods durch die Stadt, geführtes Gruppenradeln überall, dazu Bier-Bikes und Ähnliches.

München ist aufwendiger geworden. Gehen Sie doch in den Hochzeiten einmal an den Hauptbahnhof, der mit den Kränen, und lassen sie das Leben dort auf sich wirken. Alles läuft durcheinander, Gruppen, Einzelreisende, Familien mit Koffern, Rucksäcken, mobile Kinderwohnwagen, von flinken Müttern oder Vätern professionell gelenkt, wahrscheinlich Kinderzimmer, Küche, Bad und Wickeltisch in einem, rasen mitten durch die Menge. Ein herrliches Gewusel.

Viktualienmarkt – die neue Partymeile
Der Gärtnerplatz ist belagert, der Viktualienmarkt die neue Partymeile. Die neuen Stehkneipen überall sind die Schmelztiegel der neuen Feierkultur.

Neulich gehe ich Richtung Rindermarktbrunnen und höre schon von Weitem, dass da offenbar eine Veranstaltung ist. Laute Musik, vielleicht eine Band? Als ich näherkomme allerdings nichts zu sehen, keine Buden, keine Bühne.

Mitten auf dem Platz sitzen Jugendliche im Kreis um eine Boombox herum, wie wir früher ums Lagerfeuer, und das kleine schwarze, vom Handy gesteuerte Teil, spielte eine gut ausgesuchte Playlist ab, in einer Qualität, mit der man auch ein kleineres Volksfest hätte beschallen können. Tja, das Ende der Kuckucksuhr...
In diesem Sinne eine schöne Woche,
Ihr Sigi Müller
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