Solidaritäts-Demo für Collien Fernandes: Mehrere tausend Teilnehmer in München erwartet

Es ist eines der Themen, die aktuell Deutschland am meisten beschäftigten. Der Fall von Schauspielerin Collien Fernandes (44), die ihrem Ex-Mann Christian Ulmen (50) "virtuelle Vergewaltigung" vorwirft und ihn angezeigt hat.
Seit dieser Vorfall bekannt wurde, gibt es für die 44-Jährige eine Welle der Solidarität in Deutschland. Bei einer Demonstration gegen sexualisierte digitale Gewalt am Sonntag in Berlin nahmen laut Polizei 6700 Menschen teil, die Veranstalter sprachen sogar von der doppelten Teilnehmerzahl.
Bundesweite Protestbewegung
Aus dieser Demo hat sich binnen weniger Tage eine bundesweite Protestbewegung entwickelt, in immer mehr deutschen Städten gegen die Menschen für die Opfer sexualisierter Gewalt auf die Straße.
Am Mittwoch versammelten sich in Hannover rund 2000 Menschen, darunter auch die ehemalige Grünen-Bundesvorsitzende Ricarda Lang, die in ihrer Rede eine Änderung der Gesetzeslage forderte.
Trotz Morddrohungen: Fernandes spricht bei Kundgebung in Hamburg
Am Donnerstag fanden weitere Demonstrationen mit mehreren tausend Teilnehmern und Teilnehmerinnen u. a. in Hamburg, Nürnberg und Kassel statt. Bei der Kundgebung in der Hansestadt, an der 17.000 Menschen teilnahmen, stand Fernandes überraschend für eine kurze Rede auf der Bühne.

Hinter ihrem Auftritt stand lange ein Fragezeichen, da die 44-Jährige im Vorfeld Morddrohungen bekam, wie sie in den Sozialen Medien bekanntgab.
In Hamburg trug sie daher eine schusssichere Weste und hatte Personenschutz. Weitere Demonstrationen sind u. a. in Köln, Lübeck, Oldenburg und Frankfurt geplant.
Auch in München wird demonstriert. Unter dem Motto "Digitale Gewalt bekämpfen – Betroffene schützen," ruft die Grüne Jugend München (GJM) am Sonntag ab 14 Uhr zu einer Solidaritätsdemonstration am Königsplatz auf. Laut Kreisverwaltungsreferat sind 5000 Teilnehmer angemeldet.
"Digitale Gewalt ist Ausdruck patriarchaler Machtverhältnisse, die sich im Netz fortsetzen. Betroffene erleben massive Grenzüberschreitungen, während sie gleichzeitig um Anerkennung und Gerechtigkeit kämpfen müssen", erklärt GJM-Sprecherin Aylin Zara Krüger.
"Der Fall Fernandes zeigt auf erschreckende Weise, wie leicht Identitäten missbraucht und Menschen digital entwürdigt werden können – und wie langsam Politik und Justiz darauf reagieren. Dieses Systemversagen werden wir nicht länger akzeptieren", so Krüger weiter.
Für Ulmen gilt weiterhin die Unschuldsvermutung
Hintergrund der Protestwelle sind schwere Vorwürfe, die Fernandes im "Spiegel" gegen ihren Ex-Mann erhoben hat. Fernandes hat im Jahr 2024 Anzeige erstattet – zunächst in Berlin, später auch in Spanien. 2025 wurde das Verfahren von der Staatsanwaltschaft Itzehoe eingestellt, nach der aktuellen Medienberichterstattung allerdings wieder aufgenommen.
Ulmen hat sich bisher nicht öffentlich zu den Vorwürfen geäußert, es gilt die Unschuldsvermutung.