Solidarität mit Collien Fernandes: Tausende demonstrieren in München
Agnes L. ist wütend. Die 48-Jährige und ihr Begleiter Oliver G. (50) recken vor den Propyläen auf dem Königsplatz Schilder in die Höhe. Darauf ist zu lesen: "Das Patriarchat tötet. Es tötet auch Gefühle" oder "Stop! in the fucking name of love".
Anlass der Demo, die von der Grünen Jugend organisiert wurde, sind die öffentlich gewordenen Vorwürfe der Schauspielerin und Moderatorin Collien Fernandes. Fernandes hatte zuerst im "Spiegel" öffentlich gemacht, dass gefälschte Pornovideos mit ihr als vermeintlicher Darstellerin, sogenannte "Deepfakes" in Umlauf gebracht wurden. Die Rede ist von "virtueller Vergewaltigung". Außerdem geht es in ihrem Fall um gefälschte Online-Profile unter ihrem Namen.
Teilnehmerin der Demo: "Ich möchte meine Wut kundtun"
Als Agnes L. gefragt wird, warum sie an diesem Sonntagnachmittag zur Demo am Königsplatz gekommen ist, sagt die 48-Jährige: "Ich möchte meine Wut kundtun."
Die Diskussion um die digitale Gewalt, die Frauen angetan wird, hat nicht nur sie, sondern auch ihren männlichen Begleiter zum Königsplatz gebracht. "Weil es auch mich betrifft", sagt Oliver zu seiner Motivation. Beide sind sich einig: "Wir sind hier, weil es ein wichtiges Thema ist und wir Präsenz zeigen wollen."

Die beiden sind zwei von 6000 Teilnehmern. So schätzen die Veranstalter. Unter den Demonstranten ist auch der künftige OB Münchens, Dominik Krause, der mit viel Applaus begrüßt wird. Doch reden tun an diesem Sonntag andere. Katharina Schulze (Grüne) zum Beispiel.
Schulze forderte strengere Gesetze gegen manipulierte pornografische Inhalte im Internet. "Wenn man pornografische Deepfakes herstellt oder weiterleitet, muss das in Zukunft strafbar sein", sagte sie. Außerdem müssten Technologieunternehmen stärker in die Verantwortung genommen werden und ihre Algorithmen offenlegen.
Sie und ihre Vorrednerin Lydia Dietrich fordern von der Politik mehr Härte bei der Verfolgung von Straftätern und eine Verschärfung der Gesetze, aber auch mehr Geld für Frauenhäuser und andere Organisationen und Initiativen, die sich um die meist weiblichen Gewaltopfer kümmern.
Schätzungsweise 6000 Teilnehmer auf dem Königsplatz
Dieses Motiv teilen sie mit vielen Frauen und Männern in der ganzen Republik. Und so schwappt eine Welle von Solidaritäts-Demos durchs Land. Zigtausende kamen bereits zu den Veranstaltungen in Hamburg, Hannover, Berlin oder Köln.
Collien Fernandes war zwar nicht in München, hatte sich aber kurz zuvor bei der Hamburger Demo selber geäußert. "Ich stehe jetzt hier mit einer schusssicheren Weste mit Polizeischutz und mit Security, weil ich Morddrohungen bekomme", sagte Fernandes. "Da muss man sich nicht mehr wundern, dass so viele Frauen einfach auch den Mut nicht haben, rauszugehen und zu sagen, dieses und jenes wurde mir angetan."
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