Solidarität mit Collien Fernandes: 6000 Münchner demonstrieren gegen Gewalt gegen Frauen

6000 Teilnehmer haben sich auf dem Königsplatz versammelt, um ihre Solidarität mit Collien Fernandes kundzutun. Aber auch mit allen anderen Frauen, die zu Gewaltopfern, digital oder analog geworden sind. 
John Schneider
John Schneider,
dpa |
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Im Schatten der Propyläen haben sich die Demonstranten versammelt um ihrer Wut Ausdruck zu geben.
Im Schatten der Propyläen haben sich die Demonstranten versammelt um ihrer Wut Ausdruck zu geben. © Jan Krattiger

Agnes L. ist wütend. Die 48-Jährige und ihr Begleiter Oliver G. (50) recken vor den Propyläen auf dem Königsplatz Schilder in die Höhe. Darauf ist zu lesen: "Das Patriarchat tötet. Es tötet auch Gefühle" oder "Stop! in the fucking name of love".

"Virtuelle Vergewaltigung"? Deepfakes von Collien Fernandes im Umlauf

Anlass der Demo, die von der Grünen Jugend organisiert wurde, sind die öffentlich gewordenen Vorwürfe der Schauspielerin und Moderatorin Collien Fernandes.

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Fernandes hatte zuerst im "Spiegel" öffentlich gemacht, dass gefälschte Pornovideos mit ihr als vermeintlicher Darstellerin, sogenannte "Deepfakes" in Umlauf gebracht wurden. Die Rede ist von "virtueller Vergewaltigung". Außerdem geht es in ihrem Fall um gefälschte Online-Profile unter ihrem Namen.

Teilnehmerin der Demo: "Ich möchte meine Wut kundtun"

Als Agnes L. gefragt wird, warum sie an diesem Sonntagnachmittag zur Demo am Königsplatz gekommen ist, sagt die 48-Jährige: "Ich möchte meine Wut kundtun."

Agnes L. und Oliver G.  zeigen Solidarität mit Collien Fernandes und allen anderen Frauen, die zu Gewaltopfern – digital oder analog – geworden sind.
Agnes L. und Oliver G. zeigen Solidarität mit Collien Fernandes und allen anderen Frauen, die zu Gewaltopfern – digital oder analog – geworden sind. © John Schneider

Die Diskussion um die digitale Gewalt, die Frauen angetan wird, hat nicht nur sie, sondern auch ihren männlichen Begleiter zum Königsplatz gebracht. "Weil es auch mich betrifft", sagt Oliver zu seiner Motivation. Beide sind sich einig: "Wir sind hier, weil es ein wichtiges Thema ist und wir Präsenz zeigen wollen."

Die beiden sind zwei von 6000 Teilnehmern. So schätzen die Veranstalter. Unter den Demonstranten ist auch der künftige OB Münchens, Dominik Krause, der mit viel Applaus begrüßt wird. Doch reden tun an diesem Sonntag andere. Katharina Schulze (Grüne) zum Beispiel.

Schulze forderte strengere Gesetze gegen manipulierte pornografische Inhalte im Internet. "Wenn man pornografische Deepfakes herstellt oder weiterleitet, muss das in Zukunft strafbar sein", sagte sie. Außerdem müssten Technologieunternehmen stärker in die Verantwortung genommen werden und ihre Algorithmen offenlegen.

Sie und ihre Vorrednerin Lydia Dietrich fordern von der Politik mehr Härte bei der Verfolgung von Straftätern und eine Verschärfung der Gesetze, aber auch mehr Geld für Frauenhäuser und andere Organisationen und Initiativen, die sich um die meist weiblichen Gewaltopfer kümmern.

Schätzungsweise 6000 Teilnehmer auf dem Königsplatz

Dieses Motiv teilen sie mit vielen Frauen und Männern in der ganzen Republik. Und so schwappt eine Welle von Solidaritäts-Demos durchs Land. Zigtausende kamen bereits zu den Veranstaltungen in Hamburg, Hannover, Berlin oder Köln.

Collien Fernandes war zwar nicht in München, hatte sich aber kurz zuvor bei der Hamburger Demo selber geäußert. "Ich stehe jetzt hier mit einer schusssicheren Weste mit Polizeischutz und mit Security, weil ich Morddrohungen bekomme", sagte Fernandes. "Da muss man sich nicht mehr wundern, dass so viele Frauen einfach auch den Mut nicht haben, rauszugehen und zu sagen, dieses und jenes wurde mir angetan."

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  • Der wahre tscharlie vor 2 Stunden / Bewertung:

    Und für Herrn Ulmen gilt zu Recht die Unschuldsvermutung.
    Frau Fernandes beschuldigt Herrn Ulmen, hat aber anscheinend keine Beweise. Und da beginnt in meinen Augen das ganze Dilemma.
    Sie bräuchte die IP-Adresse.

    Und die wird von den Plattform-Betreibern nicht rausgerückt. NRW kämpft seit Jahren gg. die bekannte P-Seite und wollte sie sogar sperren lassen. Aber die haben dann ganz einfach ihre Domain minimal verändert.
    Teilweise wurden Fotos auf Grund von Beschwerden gelöscht, aber der Account des jeweiligen Users existierte weiter.
    Und es gibt eine Menge von rechten Accounts, die mit Promi-Pics Fake-Accounts erstellt haben mit Nicknamen, die ich hier nicht wiederholen möchte.

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  • Der wahre tscharlie vor 3 Stunden / Bewertung:

    Wenn man die Kommentare hier zum Thema durchgeht, dann muß man sich nur noch schämen für die Kommentare, die aus der altbekannten Ecke kommen.
    Da werden die Frauen von denen lächerlich gemacht. Alleine daran kann man schon sehen, welch ein "Verhältnis" die zu Frauen haben, bzw. die Problematik nicht verstehen wollen oder können.

    Seit Jahrzehnten ist das Problem der digitalen Gewalt und der Missbrauch der Bilder bekannt.
    Bis vor ca. 3j. konnte man auf der von deutschen Männern beliebtesten P-Seite (die Betreiber sind übrigens zwei Russen) ohne rechtl. Konsequenzen alle mögl. Bilder aus dem Netz hochladen.
    Millionen davon waren es. Besonders beliebt waren Politiker*innen. Aber im Prinzip war es egal, welchen sozialen Status diese Frauen hatten.

    Und genau das prangert Frau Fernandes an. ZU RECHT.
    Weil die Politik bei dem Thema kläglich versagt hat.

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  • Gelegenheitsleserin vor 9 Stunden / Bewertung:

    Es geht nicht um den Fall Fernandes/Ulmen.
    Der ist lediglich der Anlass, über das Problem "digitale Gewalt" nachzudenken und Maßnahmen zu ergreifen.
    Auch wenn manche hier meinen, das wäre nicht nötig, weil es ja schlimmere Straftaten gibt ... (mit dem Argument könnte man über die meisten Straftaten hinwegsehen).
    Auch wenn für manche hier wichtiger ist, wer gerade das Kind von Frau Fernandes betreut ... (eine 13jährige könnte man auch bei der Oma, Tante oder einer befreundeten Familie lassen)

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