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Söder "in Pandas verliebt": Tierschützer schlagen Alarm wegen Hellabrunn-Zuwachs

Zwei Riesenpandas sollen nach München kommen – als Leihgabe aus China. Was das kostet, welches andere große Tierpark-Projekt deshalb erst einmal gestorben ist und welche Folgen die Pandas auf die Eintrittspreise haben.
von  Christina Hertel
Markus Söder, (CSU) Ministerpräsident von Bayern, sitzt während einer Pressekonferenz im Tierpark Hellabrunn neben einem Stoffpanda.
Markus Söder, (CSU) Ministerpräsident von Bayern, sitzt während einer Pressekonferenz im Tierpark Hellabrunn neben einem Stoffpanda. © Peter Kneffel /dpa

Vor knapp einem Jahr hat Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bei seinem Besuch in China einen Plüschpanda abgebusselt und freilich auch viel Spott abbekommen. Er hat ihn als Geschenk mit nach Hause genommen. Normalerweise sitze der Panda in seinem Büro, sagt Söder. An diesem Mittwoch muss das Kuscheltier mit ins Elefantenhaus vom Tierpark Hellabrunn und darf in die Gesichter von einem ganzen Tross an Journalisten, Kameraleuten und Fotografen blicken.

Zwei Pandas für München

Dort verkünden Söder, Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD), Tierparkchef Rasem Baban und ein chinesischer Generalkonsul die Neuigkeit: München bekommt voraussichtlich 2028 zwei Pandas aus China.

Die Volksrepublik verschenkt oder verkauft die Tiere nicht. Sie verleiht sie gegen eine Gebühr. Diese liegt – so sagte es Söder – zwischen 500.000 Euro und einer Million jährlich. München darf die Bären laut Söder mindestens zehn Jahre behalten.

Auf seiner China-Reise hat Ministerpräsident Markus Söder (CSU) Gefallen an den gefährdeten Tieren gefunden. (Archivbild)
Auf seiner China-Reise hat Ministerpräsident Markus Söder (CSU) Gefallen an den gefährdeten Tieren gefunden. (Archivbild) © Peter Kneffel/dpa

Söder: "Wir haben uns in die Pandas verliebt"

Darauf habe er lange hingearbeitet, sagte Söder. „Bei unserem Besuch in China haben wir uns in die Pandas verliebt.“ Er wurde im März 2025 durch die Panda-Aufzuchtstation in Chengdu geführt. Schon damals habe er gefragt, ob München Pandas bekommen könne. In China trifft diese Entscheidung nicht einfach ein Zoo, sondern die „höchste politische Ebene“.

In Berlin lebt seit 2017 ein Panda-Pärchen. Die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich dafür eingesetzt, sie zu bekommen. Dass bald zwei deutsche Zoos Pandas haben, sei einmalig in Europa, sagte Söder. Bayern werde der achte Panda-Standort in der EU, weltweit gebe es Pandas außerhalb Chinas nur in 19 Zoos.

„Das stärkt die Beziehungen zwischen Bayern und China“, sagte Söder. Er setze im Verhältnis zu China auf Kooperation statt Konfrontation.  Tatsächlich nutzt China die Tiere, um sein Image in der Welt zu stärken. Gleichzeitig sind die Pandas immer nur eine Leihgabe. Wenn in München Nachwuchs auf die Welt kommt, müssen die Panda-Babys, wenn sie etwa zwei Jahre alt sind, zurück nach China. Japan muss seine beiden Pandas im Februar abgeben und soll keinen Ersatz bekommen. Wegen, so berichten es mehrere Medien, dem Streit rund um Taiwan.

Tierschützer: "Ein Geschäft auf dem Rücken der Tiere"

„Die Haltung und Zucht von Pandas in westlichen Zoos ist kein Beitrag zum Artenschutz, sondern ein finanzielles und politisches Geschäft auf dem Rücken der Tiere“, sagt Laura Zodrow, Sprecherin der Münchner Tierschutzorganisation Pro Wildlife. Die Organisation kritisiert außerdem, dass in China Pandas „seit Jahrzehnten in Zuchtstationen wie am Fließband produziert“ werden. Doch „diese Massenzucht“ trage nicht zum Erhalt der wild lebenden Population bei. Zwischen 2003 und 2018 seien nur zwölf Pandas ausgewildert worden. Zwei seien kurz darauf gestorben.

Erfüllt sich Söder mit zwei Riesenpandas für den Münchner Tierpark einen Traum? (Archivbild)
Erfüllt sich Söder mit zwei Riesenpandas für den Münchner Tierpark einen Traum? (Archivbild) © Peter Kneffel/dpa

Diese Kritik teilt der Münchner Tierpark-Chef Baban nicht: „Der große Panda ist eines der erfolgreichsten Artenschutz-Projekte weltweit.“ Die ARD berichtete, dass laut der chinesischen Forstbehörde wieder mehr Pandas in freier Wildbahn leben: Inzwischen seien es 1.900 Tiere, während es in den 1980er-Jahren nur etwa 1.100 gewesen seien. Was stimmt, ist schwer zu sagen.

Klar ist aber: Auf Hellabrunn kommen wegen der Pandas Umbauten zu. Für 18 Millionen Euro soll ein neues Gehege entstehen. Um Platz zu schaffen, plant der Tierpark-Chef rund 20 Paviane an andere Zoos abzugeben. Außerdem sollen die Lamas ins sogenannte „Mühlendorf“ umziehen. Der Streichelzoo dort, der derzeit geschlossen ist, soll laut einer Tierparksprecherin im Frühjahr öffnen.

Zwergflusspferde kommen doch nicht 

Dafür liegt ein anderes Projekt erst einmal auf Eis: Eigentlich hatte der Tierpark 2021 bekannt gegeben, dass Zwergflusspferde nach Hellabrunn kommen. Anstelle des früheren Fledermaushauses sollten sie ihr Gehege bekommen. Das ist laut der Tierpark-Sprecherin erst einmal verschoben: „Bis das Panda-Gehege fertig ist, steht das nicht auf dem Plan.“

Das neue Panda-Gehege, das laut Dietl modernste Haltungsbedingungen erfüllen soll, wird der Freistaat bezahlen. „Es ist schon im Haushalt eingeplant“, sagte Söder. Schließlich gehe es um ein Artenschutz-Projekt. Außerdem seien die Pandas ein Wirtschaftsfaktor. Söder rechnet damit, dass die Pandas viele Besucher anlocken. 

Und die kann der Tierpark gut gebrauchen: Im Sommer berichtete die AZ, dass 2024 rund 600.000 Menschen weniger als im Vorjahr den Zoo kamen. Fast 1,9 Millionen Besucher zählte Hellabrunn vergangenes Jahr. Auch Bürgermeisterin Dietl rechnet damit, dass die Pandas zu einem Besucher-Magneten werden. Sie geht davon aus, dass die zusätzlichen Besucher die Kosten, die auf Hellabrunn zukommen, wieder reinspielen. Zum Beispiel essen Pandas bis zu 18 Kilo Bambus täglich.

Erhöhen sich die Eintrittspreise dank der Pandas?

Die Eintrittspreise wolle sie wegen der Pandas nicht extra erhöhen, sagte Dietl. Generell seien Eintrittserhöhungen in München nicht ausgeschlossen, so Dietl. Sie erinnerte aber auch daran, dass der Münchner Zoo der günstigste in ganz Deutschland sei. Was nicht ganz stimmt: Unter anderem Frankfurt ist billiger. 

Die Pandas taugen nicht nur dazu, die diplomatischen Beziehungen zwischen Bayern und China zu verbessern. Auch zwischen der Stadtspitze und dem Ministerpräsidenten herrscht Kuschel-Stimmung – trotz Kommunalwahl. „Sie waren die Initialzündung, dass es gelingt, die Pandas nach München zu holen“, bedankte sich die SPD-Bürgermeisterin beim Ministerpräsidenten. Und der lobte, dass er gemeinsam mit dem Rathaus seit einem Jahr an dem Projekt gearbeitet habe, trotzdem sei bis zum Schluss nichts an die Öffentlichkeit geraten. „Wir haben viel zusammengewuppt“, sagte Söder. Nach dem Olympia-Entscheid nun auch den großen Panda-Deal. 

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