So will München das Olympia-Gelände zum Weltkulturerbe machen

Die Stadt München will, dass der Olympiapark in die Unesco-Liste aufgenommen wird. Doch der Prozess ist langwierig. Bis eine Entscheidung fällt, kann es zehn Jahre dauern.
| Christina Hertel
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Überblick: Stadion, Halle und Olympiabad am See nebst Eislaufzentrum und Turm. Das alte Radstadion (hinten rechts) ist inzwischen Geschichte.
imago images/Heinz Gebhardt 9 Überblick: Stadion, Halle und Olympiabad am See nebst Eislaufzentrum und Turm. Das alte Radstadion (hinten rechts) ist inzwischen Geschichte.
Familienausflug aufs Olympiagelände 1972: Rast im noch spärlichen Schatten vor dem Olympiabad.
Stadtarchiv 9 Familienausflug aufs Olympiagelände 1972: Rast im noch spärlichen Schatten vor dem Olympiabad.
26. August 1972: Der deutsche Gold-Achter von 1968 trägt bei der Eröffnungsfeier der Spiele die Olympia-Fahne ins Olympiastadion.
picture alliance / dpa 9 26. August 1972: Der deutsche Gold-Achter von 1968 trägt bei der Eröffnungsfeier der Spiele die Olympia-Fahne ins Olympiastadion.
1972: Das Betongebirge namens Olympiadorf ist fertig - der Olympiaturm wirft einen Schatten voraus.
Stadtarchiv 9 1972: Das Betongebirge namens Olympiadorf ist fertig - der Olympiaturm wirft einen Schatten voraus.
Erinnerungen an 1972: Wandmalereien mit den weltberühmten Olympia-Piktogrammen an den Studenten-Bungalows im Olympiadorf.
imago images/Imagebroker 9 Erinnerungen an 1972: Wandmalereien mit den weltberühmten Olympia-Piktogrammen an den Studenten-Bungalows im Olympiadorf.
August '68: Das erste Modell der Sportstätten. Das Olympiastadion hat hier noch eine überdachte Gegengerade - die dem Rotstift zum Opfer fiel.
imago images/ZUMA Press/Keystone 9 August '68: Das erste Modell der Sportstätten. Das Olympiastadion hat hier noch eine überdachte Gegengerade - die dem Rotstift zum Opfer fiel.
Der Fußballer Murtaz Khurtsilava (UdSSR) schaut Sportlern beim Minigolf und Tischtennis zu - später holt er nebenan im Stadion Bronze.
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Werbe-Fotos für die Weltpresse im Juni 1972: Eine Olympiahostess posiert im Dirndl und mit zwei Dackeln im Olympiastadion.
imago images/ZUMA/Keystone 9 Werbe-Fotos für die Weltpresse im Juni 1972: Eine Olympiahostess posiert im Dirndl und mit zwei Dackeln im Olympiastadion.
1971: Prinz Ferdinand von Liechtenstein sitzt auf der Gegengerade im noch halbfertigen Olympiastadion schon mal Probe.
imago images/ZUMA/Keystone 9 1971: Prinz Ferdinand von Liechtenstein sitzt auf der Gegengerade im noch halbfertigen Olympiastadion schon mal Probe.

München - Für den großen Erfolg braucht es mutige Träume - und das wusste auch Günter Behnisch. 1967 bastelte der Architekt († 2010) aus Holzstäbchen und der Nylonstrumpfhose seiner Frau ein Modell für eine Dachkonstruktion, von der damals viele dachten, sie würde beim ersten Schneefall in sich zusammen brechen. Zum Glück hat Behnisch die Jury überzeugt und durfte das 74.800 Quadratmeter große Zeltdach bauen, unter dem später die Olympischen Spiele stattfanden.

Stadt will Olympiapark zum Weltkulturerbe machen

Heute, fast 50 Jahre später, zählen das Stadion, der Park, die Wohnanlagen, die Behnisch damals mit seinem Büro konzipierte, zu den prägnantesten Wahrzeichen Münchens. Um sie dauerhaft zu erhalten, will die Stadt, dass der bereits denkmalgeschützte Olympiapark auch zum Weltkulturerbe wird.

Dazu entschloss sich der Stadtrat schon vor etwa drei Jahren. Nun allerdings rückt die Entscheidung, ob der Olympiapark tatsächlich in die Liste aufgenommen wird, näher - zumindest ein klein wenig.

Im Herbst entscheidet das Kabinett über den Antrag

Dieses Frühjahr hat ein Expertenrat des bayerischen Wissenschaftsministeriums den Antrag positiv bewertet. Nach der Sommerpause entscheidet das bayerische Kabinett, ob es den Antrag an die Kultusministerkonferenz weiterreichen wird. Dann müsste sich der Olympiapark gegen Vorschläge aus anderen Bundesländern, dann gegen Kandidaten aus dem Ausland durchsetzen. Und das kann dauern: Zehn Jahre können nach Einschätzungen von Icomos, das ist eine Organisation, die die Unesco berät, vergehen.

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Einen konkreten Vorteil hätte München nicht, wenn der Olympiapark Weltkulturerbe würde. Mit der Anerkennung einer Natur- oder Kulturstätte als Welterbe sind keine finanziellen Zuwendungen durch die Unesco verbunden. Vielmehr verpflichten sich die zuständigen Regierungen, die Schutz- und Erhaltungsmaßnahmen sicherzustellen.

Weltkulturerbe: Einen Vorteil hätte München nicht

So will es die deutsche Unesco-Kommission - und so schildert es auch Stadtbaurätin Elisabeth Merk (parteilos) am Montag bei einer Pressekonferenz. Viele Städte erhoffen sich mehr Tourismus. In Quedlinburg in Sachsen-Anhalt etwa ist die Zahl der Übernachtungen um mehr als das Tausendfache gestiegen.

München will aber mit dem "Label" gar nicht noch mehr Touristenströme anzuziehen, sagt Merk. Vielmehr gehe es um die Überzeugung - und um eine Bestätigung, "dass es sich lohnt, den Park am Leben zu erhalten".

Nach dem Opernhaus in Sydney wäre der Olympiapark das jüngste Weltkulturerbe

Dass im Olympiapark auch fast 50 Jahre nach den Spielen noch immer das Leben pulsiert, macht ihn zu einem besonderen Ort: 2019 gab es dort laut Marion Schöne, der Geschäftsführerin des Olympiaparks, 400 Veranstaltungen, vier Millionen Menschen besuchten den Park. "Wir wollen ein ,Living Heritage', also ein lebendiges Denkmal, bleiben", sagte Schöne.

Aus dem Olympiapark soll demnach kein Freiluft-Museum werden. Trotzdem bedeutet die Aufnahme in die Unesco-Liste eine Verpflichtung. Denn Icomos, die Beraterorganisation, überprüft regelmäßig, ob der Olympiapark den Titel verdient.

Was die Chancen, ihn überhaupt erst einmal zu bekommen, erhöhen dürfte: Bis jetzt stehen auf der Unesco-Liste zwar 1.121 Stätten in 167 Ländern. Aber nur Sportstätten aus der Antike. Nach dem Opernhaus in Sydney wäre der Olympiapark das jüngste Weltkulturerbe überhaupt.

Das Olympiastadion ist bis heute eine Ikone

Auch mit der Idee, die hinter den Spielen '72 steckt, will die Stadt bei ihrer Bewerbung punkten: Damals wollten die Münchner Werte wie Demokratie und Weltoffenheit zeigen - und sich ganz bewusst von den Olympischen Spielen während des NS-Regimes in Berlin 1936 absetzen.

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Das Stadion sollte - obwohl 80.000 Besucher hineingepasst haben - nicht monumental wirken, weshalb es etwa halb in den Hang gebaut wurde. Gelungen ist dies auch wegen des Zeltdachs aus Plexiglas. Es ist zwar architektonisch komplex, immerhin 137.000 Knoten halten es zusammen, wirkt aber futuristisch, luftig und leicht und gibt den Blick in den blauen Himmel frei - zum Träumen.

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