So verändert die Corona-Krise Schwangerschaftsabbrüche

Mit Krankenkassen und Frauenärzten gibt es Probleme, doch die Videoberatung läuft.
| Jasmin Menrad
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Die Schwangerenkonfliktberatung von pro familia wird mittlerweile meist am Telefon oder per Videochat durchgeführt.
Britta Pedersen dpa Die Schwangerenkonfliktberatung von pro familia wird mittlerweile meist am Telefon oder per Videochat durchgeführt.

München - Wenn eine Frau entscheidet, ein Kind nicht zu bekommen, zählt jeder Tag. "Je später ein Schwangerschaftsabbruch gemacht wird, desto belastender ist das für den Körper. Von der Belastung für die Psyche durch diesen Spießrutenlauf gar nicht zu sprechen", sagt Thoralf Fricke von pro familia. Gesetzlich ist vorgeschrieben, dass ein Kind bis zur zwölften Woche abgetrieben werden kann, dass sich eine Frau zuvor beraten lassen muss und sich drei volle Bedenktage Zeit nehmen muss nach der Beratung. Doch jetzt ist der Zeitraum bis zur Abtreibung für viele Frauen deutlich länger.

Ohne Kostenübernahme gibt es vielleicht keinen Vortermin

Weil Frauen, die durch ihr geringes Einkommen einen Anspruch auf eine Kostenübernahme haben, nicht mehr persönlich in ihre Krankenkasse gehen können, verzögert sich das Prozedere. Die Techniker Krankenkasse (TK) etwa verschickt das benötigte Formular aus "datenschutzrechtlichen Gründen", wie es online heißt, nicht per E-Mail, sondern nur per Post. Die Frau muss es ausfüllen, zurückschicken und bekommt erst dann die Kostenübernahme zugeschickt. "Bei einigen Ärzten bekommen die Frauen ohne Kostenübernahme nicht einmal einen Vortermin", sagt Fricke. Rechtlich sei es auch nicht möglich, dass die Frauen das Geld vorstrecken.

Auch wenn Ärzte und die Berater Schwierigkeiten haben, an Schutzausrüstung zu kommen, gibt es genug Ärzte, die Abtreibungen durchführen – noch. "Ein Drittel der Abtreibungen in Bayern macht Friedrich Stapf. Wenn er ausfällt, wäre das eine Katastrophe", sagt Alicia Baier vom Verein Doctors for Choice. "In den Städten ist die Versorgung aber noch sichergestellt." Der einzige Abtreibungsarzt in Niederbayern hat laut Baier seine Praxis geschlossen, da er zur Corona-Risikogruppe zählt.

Schwangerenkonfliktberatung per Videochat

Auch Friedrich Stapf zählt als ehemaliger Krebspatient mit 74 Jahren zur Hochrisikogruppe. Er berichtet, dass Frauen momentan nur schwer einen Termin beim Frauenarzt bekommen. "Die machen ein Minimalprogramm. Wer keinen festen Frauenarzt hat, bekommt keinen Termin." Der Abtreibungsarzt rät jenen, die eine Kostenübernahme brauchen, den Krankenkassen per Mail eine Vollmacht zu schicken, so dass Formulare per Mail geschickt werden können und der Abtreibungsarzt die Kostenübernahme zugefaxt bekommt. Dann geht das Prozedere schneller.

Die Schwangerenkonfliktberatung von pro familia wird mittlerweile meist am Telefon oder per Videochat durchgeführt. Nur in Ausnahmefällen, etwa wenn die Verständigung wegen der Sprache schwierig ist, kommen die Frauen noch in die Beratungsstelle. "Im Videochat sind die Menschen nicht in einer fremden Umgebung, die sie ausloten müssen, oft ist der Partner unterstützend dabei", sagt Eva Zattler von der Schwangerenkonfliktberatung von pro familia in Schwabing. Sie betont, dass wegen der Krise nicht mehr Frauen über eine Abtreibung nachdenken. Die Zahl an Beratungsgesprächen sei nicht gestiegen, sagt Zattler.

Lesen Sie hier: Abtreibungsparagraf 219a - Erneut Geldstrafe für Ärztin

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