So schlecht verdienen McDonald's-Mitarbeiter

Der Fast-Food-Riese hat in Deutschland seine Zentrale in München. Stimmt das Klischee der Niedriglohnarbeitskraft wirklich? Die AZ hat es sich angesehen.
von  Maximilian Neumair
Ein McDonald’s-Mitarbeiter bereitet BigMacs vor. Ein Koch verdient bei McDonald’s 30.200 Euro im Jahr – ein leicht unterdurchschnittlicher Wert im Branchenvergleich.
Ein McDonald’s-Mitarbeiter bereitet BigMacs vor. Ein Koch verdient bei McDonald’s 30.200 Euro im Jahr – ein leicht unterdurchschnittlicher Wert im Branchenvergleich. © Funke Foto Services/imago

Wer über Burger und schnell verfügbares Essen spricht, darf über McDonald’s nicht schweigen. Die erfolgreichste Fast-Food-Kette der Welt hat ihren deutschen Firmensitz in Forstenried in der Drygalski-Allee. Auch abseits dessen hat München für das US-Unternehmen eine große Bedeutung: 1971 eröffnete die erste deutsche Filiale in der Martin-Luther-Straße in Obergiesing, ganz in der Nähe des Grünwalder Stadions. Und die Filiale am Stachus ist eine der umsatzstärksten in Deutschland und Europa.

Obwohl der Konzern mit München so verbandelt ist, können seine Mitarbeiter sich die teuren Lebenshaltungskosten kaum leisten. Das würden zumindest die meisten instinktiv denken. Aber stimmt das Bild vom schlecht bezahlten McDonald’s-Angestellten auch? Die AZ ist der Sache nachgegangen.

McDonald's-Chef verdient 550-mal so viel wie deutsche Mitarbeiter

Die Chefs: Wer in München keine Probleme haben dürfte, über die Runden zu kommen – wenn er denn hier leben wollte –, ist der McDonald’s-CEO Christopher Kempczinski. Der verdiente den Konzernangaben zufolge im Jahr 2024 etwa 18 Millionen US-Dollar (über 15 Millionen Euro) – ungefähr 550-mal so viel wie ein gewöhnlicher McDonald’s-Service-Mitarbeiter in Deutschland. Der Rest des US-Vorstands streicht zwischen vier und sechs Milliarden US-Dollar jährlich ein (3,4 bis fünf Milliarden Euro). Weil die McDonald’s Sparte in Deutschland eine Tochtergesellschaft nach amerikanischem Recht ist, muss das Unternehmen keine Angaben zu den Verdiensten des Vorstands hierzulande machen.

Er steht an der Spitze der größten Fast-Food-Kette der Welt: McDonald’s-CEO Christopher Kempczinski. Sein Verdienst: umgerechnet über 15 Millionen Euro im Jahr.
Er steht an der Spitze der größten Fast-Food-Kette der Welt: McDonald’s-CEO Christopher Kempczinski. Sein Verdienst: umgerechnet über 15 Millionen Euro im Jahr. © IMAGO/Nuccio DiNuzzo (www.imago-images.de)

Die Arbeitnehmer: Rund 64.000 Menschen arbeiten in Deutschland bei McDonald’s. Dass viele dieser Beschäftigten schlecht verdienen, ist nicht nur ein Klischee. Für die Systemgastronomie läuft zwar bis Ende des Jahres ein Tarifvertrag, aber Mitarbeiter in Gruppe 1 verdienen gerade einmal 20 Cent mehr als der gesetzliche Mindestlohn in Höhe von 13,90 Euro pro Stunde. Ab Oktober soll es zwar eine Lohnerhöhung auf 14,30 Euro geben, aber zum 1. Januar 2027 folgt ohnehin die gesetzliche Mindestlohnerhöhung auf 14,60 Euro.

Erfahrene Mitarbeiter verdienen in Tarifgruppe 2 derzeit 14,25 Euro pro Stunde, ausgebildete Arbeitskräfte fallen in Tarifgruppe 3 mit einem Stundenverdienst in Höhe von 14,55 Euro. Zumindest letztere erhalten ab Oktober den 15-Euro-Stundenlohn, den die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) zu Beginn der letzten Tarifverhandlungen als Einstiegsgehalt gefordert hatte. Insgesamt gibt es zwölf Tarifgruppen, bei der die höchste ein Monatsentgelt von 5305 Euro erhält. Doch derlei Beträge kassieren nur Mitarbeiter in der oberen Führung.

Als Küchenhilfe gibt's gerade mal 24.7000 Euro im Jahr

Weil der Tarifvertrag keinen Aufschluss darüber gibt, welche Stellen in welche Gruppen fallen, braucht es die Daten des Online-Portals Kununu. Dort können Mitarbeiter freiwillig ihre Gehälter angeben, woraus sich ein Durchschnittswert ergibt, der sich mit dem Schnitt in der Branche vergleichen lässt (siehe Tabelle). Auch diese Daten zeigen die niedrige Bezahlung bei McDonalds: Wer als Service-Mitarbeiter oder Küchenhilfe bei McDonald’s arbeitet, verdient im Schnitt 27.600 bzw. 24.700 Euro im Jahr – und damit weniger als das Mittel für den jeweiligen Beruf im bundesweiten Branchenvergleich.

Die McDonald’s-Filiale am Stachus ist eine der umsatzstärksten in ganz Deutschland.
Die McDonald’s-Filiale am Stachus ist eine der umsatzstärksten in ganz Deutschland. © Reinhard Kurzendörfer/imago

Wer mindestens zwölf Monate in einem Betrieb arbeitet, erhält im Juli zumindest ein Urlaubsentgelt zwischen 415 und 568 Euro – abhängig von der Anzahl der Beschäftigungsjahre. Eine Jahressonderzuwendung bekommen die Beschäftigten im Dezember. Die ist ebenfalls nach Beschäftigungsjahren von 415 bis 568 Euro gestaffelt. Als vermögenswirksame Leistung erhalten die Mitarbeiter je nach Länge der Betriebszugehörigkeit zwischen 13,29 und 26,59 Euro, die sie für eine Anlage wie etwa die Altersvorsorge oder ETFs nutzen müssen.

Rabatt aufs Essen 

Wer mindestens zwei Stunden pro Schicht in der Zeit zwischen 23 und sechs Uhr arbeitet, erhält zudem einen Zuschlag von 15 Prozent des Bruttostundenentgelts. Jene, die Überstunden schieben müssen, bekommen auf diese einen Zuschlag von 25 Prozent. An Feiertagen wird das Bruttostundenentgelt verdoppelt.

Abseits der vom Tarifvertrag geregelten finanziellen Vorteile gewährt McDonald’s in ihren hauseigenen Restaurants „Freiverzehr im Rahmen der steuerlichen Freigrenzen“, wie der Konzern auf AZ-Anfrage mitteilt. Die unabhängigen Franchise-Nehmer entscheiden hingegen eigenständig über Mitarbeitervorteile, weshalb der Konzern darüber keine allgemeingültige Aussage treffen könne. Erfahrungsberichte nennen beispielsweise Mitarbeiter-Rabatte auf Essen in Höhe von rund 30 Prozent. 

Gehälter bei McDonald's: 

Berufsbezeichnung Jahresgehalt in Euro Durchschnitt in Deutschland in Euro
Restaurantleiter 45.800 38.800
Schichtführer 33.200 45.000
Koch 30.200 33.800
Restaurantfachfrau/Restaurantfachmann 29.700 30.500
Service-Mitarbeiter Gastronomie 27.600 30.400
Verkäufer 26.600 30.300
Küchenhilfe 24.700 27.300
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