So revolutioniert das Klinikum Harlaching die Schlaganfall-Behandlung

Das Klinikum Harlaching will das Verfahren bei der Schlaganfall-Behandlung revolutionieren. Der Hintergrund: Die Ärzte sollen zukünftig zum Patienten kommen, nicht umgekehrt.
| Bettina Funk
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Die Thrombektomie: Thomas Witton-Davies und Christoph Degenhart lösen ein Blutgerinnsel.
Daniel von Loeper 2 Die Thrombektomie: Thomas Witton-Davies und Christoph Degenhart lösen ein Blutgerinnsel.
Die beiden Neuroradiologen Christian Maegerlein und Benjamin Friedrich fliegen zu Schlaganfall-Patienten im Umland.
Daniel von Loeper 2 Die beiden Neuroradiologen Christian Maegerlein und Benjamin Friedrich fliegen zu Schlaganfall-Patienten im Umland.

München - Bei einem Schlaganfall zählt jede Minute. Bis zur Behandlung sterben im Schnitt pro Minute 1,9 Millionen Nervenzellen im Gehirn ab. Insgesamt gibt es davon im menschlichen Gehirn 90 Milliarden. Bisher war es in der Schlaganfallversorgung Standard, dass Patienten für schwierige Eingriffe in spezialisierte Schlaganfallzentren gebracht werden mussten. Im Schnitt dauerte das von der Diagnose bis zur Behandlung 170 Minuten.

Das Klinikum Harlaching revolutioniert nun dieses Verfahren. In einem Pilotprojekt fliegen Experten nun mit einem Helikopter direkt zum Patienten und führen den Eingriff in der Klinik vor Ort durch. Eingespart werden dadurch etwa 100 Minuten – und 190 Millionen Nervenzellen im Gehirn sterben nicht ab.

Daran erkennt man einen Schlaganfall

Rund 260.000 Menschen erleiden jedes Jahr in Deutschland einen Schlaganfall. Die Folge sind oft bleibende Behinderungen. Außerdem ist der Hirnschlag hierzulande die dritthäufigste Todesursache. Ein Schlaganfall ist die anhaltende Störung der Gehirnfunktion aufgrund einer Durchblutungsstörung im Gehirn. Ursache ist meist ein Blutgerinnsel, das Blutgefäße verstopft. Zu den typischen Symptomen gehören ein Taubheitsgefühl, Halbseitenlähmung oder Sprachstörungen.

Die Thrombektomie: Thomas Witton-Davies und Christoph Degenhart lösen ein Blutgerinnsel.
Die Thrombektomie: Thomas Witton-Davies und Christoph Degenhart lösen ein Blutgerinnsel. © Daniel von Loeper

Mittlerweile gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten. Bei leichteren Verläufen wird die Thombolyse durchgeführt. Dabei versuchen die Ärzte, das Blutgerinnsel medikamentös zu lösen. Etwa zehn Prozent der Betroffenen erleiden einen schweren Schlaganfall. Bei diesen Patienten kann eine neue Behandlungsmethode helfen: die Thrombektomie. Dabei wird das Blutgerinnsel mechanisch mithilfe eines Katheters, der durch die Leiste und die Hauptschlagader bis ins Gehirn geschoben wird, gelöst.

"Das ist eine sehr diffizile Tätigkeit, die eine hohe medizinische Expertise erfordert", erklärt Christian Maegerlein, Oberarzt für Neuroradiologie am Klinikum rechts der Isar. Sein Kollege Benjamin Friedrich ergänzt: "Das braucht viele Jahre Erfahrung, denn es ist eine Gratwanderung."

Auch Beratung über Viedeoschalte ist möglich

Die Thrombektomie kann deshalb nur von spezialisierten Neuroradiologen durchgeführt werden. Im Einsatz sind – neben Christian Maegerlein und Benjamin Friedrich – noch drei Ärzte aus dem Klinikum Harlaching. Und die werden für die Thrombektomie mit einem Hubschrauber in elf Kliniken im Umland geflogen. Zu diesen Kliniken gehören unter anderem Mühldorf am Inn, Straubing, Freising, Bad Tölz oder Rosenheim.

Die beiden Neuroradiologen Christian Maegerlein und Benjamin Friedrich fliegen zu Schlaganfall-Patienten im Umland.
Die beiden Neuroradiologen Christian Maegerlein und Benjamin Friedrich fliegen zu Schlaganfall-Patienten im Umland. © Daniel von Loeper

Damit nicht unnötig geflogen werden muss: Über Videoschalten beraten Neurologen in Harlaching ihre Kollegen in den Kliniken im Umland. Oft sind in diesen Kliniken keine Neurologen vor Ort – die Experten aus Harlaching helfen dann bei der Diagnostik. So wird entschieden, ob einer der Spezialisten in die Klinik fliegt, um dort den komplizierten Eingriff durchzuführen.

Ist eine Thrombektomie notwendig, steigt der Neuroradiologe dann mit einem Assistenten und einem 30 Kilo schweren Koffer mit Equipment in den Helikopter. In der Zwischenzeit kann der Patient bereits für den Eingriff vorbereitet werden.

Das Pilotprojekt läuft nun seit Februar. Zunächst sind diese Ärzte 26 Wochen im Jahr zwischen 8 und 22 Uhr einsatzbereit. Dieses Pilotprojekt läuft nun drei Jahre. Die Finanzierung erfolgt durch die Krankenkassen.

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