So laufen die Bauarbeiten für die Münchner Stammstrecke

Was gerade bei den Bauarbeiten für die Stammstrecke passiert und wie es weitergeht.
| Emily Engels
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Kaum noch Durchkommen für den Verkehr am Bahnhofsplatz.
Daniel von Loeper Kaum noch Durchkommen für den Verkehr am Bahnhofsplatz.

Was gerade bei den Bauarbeiten für die Stammstrecke in München passiert und wie es weitergeht.

München - Die eindrucksvollen Maschinen am Hauptbahnhof sieht man schon von weitem. Die Bauarbeiten für das Mega-Projekt Zweite S-Bahn-Stammstrecke gehen voran. Aktuell entsteht am Hauptbahnhof eine S-Bahn-Station der Superlative. "Noch nie wurde in München so tief gebaut", kündigt die Deutsche Bahn an. Die S-Bahnstation soll 43 Meter tief sein, für die Bauarbeiten geht es sogar 65 Meter unter die Erde. Ähnlich tief soll die neue Station am Marienhof werden. Zum Vergleich: Am Ostbahnhof plant die Bahn eine nur 16 Meter tiefe Station.

Mega-Projekt Zweite S-Bahn-Stammstrecke

Martin Wieser, Projektleiter für die Station am Hauptbahnhof, erklärt: "Im vergangenen Jahr haben wir mit dem Abbruch der Schalterhalle und des Schwammerls das Baufeld geschaffen." 80.000 Kubikmeter umbauter Raum wurde abgebrochen. Wieser erklärt in einem Video der Bahn die komplexe Bauweise – die am Hauptbahnhof, Marienhof und Ostbahnhof zum Einsatz kommt: die sogenannte "Schlitzwand-Deckelbauweise".

Der Name verrät schon, was die Hauptelemente dieser Methode sind: nämlich Schlitzwände (also in den Boden einbetonierte Wände) sowie aus Beton gegossene Deckel. Für die jeweilige Station entsteht zunächst eine tiefe Wand aus Stahlbeton. Dafür werden Schlitzen in den Boden gefräst und dann mit Beton gefüllt. Die 1,50 Meter dicke Betonwand umschließt am Ende die gesamte zukünftige Station. Diese Hülle wird benötigt, um die Baugrube vor Grundwasser und benachbarter Erde zu schützen.

Kaum noch Durchkommen für den Verkehr am Bahnhofsplatz.
Kaum noch Durchkommen für den Verkehr am Bahnhofsplatz. © Daniel von Loeper

Innerhalb der Schlitzwand wird dann die Baugrube für die jeweilige Station ausgehoben – und mit einer Betondecke "abgedeckelt". Dabei bleibt jeweils eine Öffnung für die Arbeiten – denn es wird von oben nach unten gebaut. "Nach und nach werden unter dem Deckel weitere Bodenschichten abgegraben und in bestimmten Abständen weitere Betondecken eingezogen", erklärt Wieser.

Diese Ebenen werden dann später einmal die Zwischengeschosse bilden. Einen Vorteil dieser Bauweise, so Wieser: "Dadurch, dass die weiteren Arbeiten unter dem Betondeckel stattfinden, werden Lärmund Staubemission für Anwohner deutlich reduziert." Um die zukünftige Station zu stabilisieren, werden zu den Schlitzwänden aktuell die sogenannten "Primärstützen" gesetzt. Die Betonsäulen mit 1,50 Metern Durchmesser werden – genau wie die Wände – 65 Meter tief in den Boden eingebracht.

Stammstrecke geht frühestens 2028 in Betrieb

An der S-Bahn-Station am Hauptbahnhof sollen 210 Meter lange Bahnsteige entstehen, pro Gleis jeweils einer für Ein- und Aussteiger. Über Expressaufzüge und Rolltreppen kommen Fahrgäste schnell an die Oberfläche. Doch bevor der fertige Bahnhof steht, ist es noch ein langer Weg. Allein mit dem Bau der Stützen und der Schlitzwände werden die Bauarbeiter das ganze Jahr 2020 beschäftigt sein.

Die Stammstrecke soll frühestens 2028 in Betrieb gehen. Unter anderem, weil wegen der Bauarbeiten am Bahnhof noch eine U-Bahnhaltestelle im Rohzustand für die zukünftige Entlastungsspange U9 entstehen soll, hatte die Bahn 2019 angekündigt, dass sich die Bauzeit verzögern wird – ursprünglich war eine Fertigstellung bis 2026 geplant gewesen.

Wieser sieht die aktuelle Baustelle dennoch als großen Fortschritt. Er sagt: "Das ist ein wichtiger Meilenstein für unser Projekt."

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