Skurriler Polizei-Vorfall in München: Betrüger betrügen sich gegenseitig

Ein Münchner kauft von einem 17-Jährigen zwei Uhren. Er bezahlt mit einer Tasche voll Papier. Doch auch die teuren Uhren sind Fälschungen.
| Ralph Hub
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In der Tasche war kein Geld, sondern Papierschnippsel.
imago/Reporters In der Tasche war kein Geld, sondern Papierschnippsel.

München - Trau, schau, wem! Hätte der 30-Jährige diese Binsenweisheit beachtet, es wäre ihm eine Menge Ärger erspart geblieben – und letztendlich auch ein Betrugsverfahren.

Der Münchner hatte im Februar einen 17-Jährigen kennengelernt, der mit einer Rolex am Handgelenk protzte. Der 30-Jährige wittert ein gutes Geschäft und bestellt bei dem jungen Mann zwei teure Uhren. Eine Rolex will er haben und eine Audemars Piguet. Zwei unglaublich teure Chronometer, die der 17-Jährige angeblich zum Schnäppchenpreis besorgen kann. Die Männer vereinbaren einen Kaufpreis von 50.000 Euro.

Doch so ganz traut der Ältere seinem neuen Geschäftsfreund nicht. Sie vereinbaren einen Deal: Der 17-Jährige soll als Sicherheit dem Kunden seine Rolex als Pfand übergeben. Als Anzahlung sind 25.000 Euro ausgemacht. Übergeben werden sollte die Summe am vergangenen Sonntag in der Innenstadt. Als Dreingabe bietet der Verkäufer eine nicht minder teure Tasche von Louis Vuitton. Soweit der Plan. Doch am Ende kommt es anders.

Gefälschte Uhr, Papierschnipsel statt Geld

Um seinen Kunden zu beeindrucken, taucht der 17-Jährige am Treffpunkt in einer Limousine samt Chauffeur auf. Er übergibt seine Rolex, eine Fälschung. Der 30-Jährige bringt eine Tasche mit – angeblich mit 25.000 Euro in bar. Da beide offensichtlich vorhaben, den jeweils anderen übers Ohr zu hauen, haben sie es sehr eilig. Statt an Ort und Stelle Uhr und Tascheninhalt zu prüfen, machen sich beide schnell aus dem Staub. Als der 17-Jährige wenig später in die Tasche greift, kommt ein Haufen wertloser Papierschnipsel zum Vorschein. Schlagartig wird dem in München geborenen Italo-Türken klar, dass er geleimt worden ist.

Sein Temperament geht mit ihm durch. Er flippt aus, schlägt sogar den Chauffeur, wobei der am allerwenigsten für die Pleite kann, und demoliert auch noch die gemietete Limousine. Der Fahrer erstattet Anzeige.

Letzter Akt der Gauner-Posse: Der 17-Jährige verplappert sich bei der Vernehmung. Der Betrug mit der Geldtasche fliegt auf. Die Polizei stattet auch dem 30-Jährigen einen Besuch ab. Der versucht sich herauszureden, er habe Uhr und Tasche als Pfand erhalten. Was ihm allerdings nicht hilft. Auch gegen ihn ermittelt die Polizei wegen Betrugs. Beide Männer sind wegen etlicher früherer Gaunereien polizeibekannt.

Lesen Sie hier: Polizei spürt europaweit aktiven Einbrecher-Clan auf

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