"Skandalös": Münchner erhebt schwere Vorwürfe gegen Tierheim

Der Münchner Harald Mayer-Haas musste seine fünf Haustiere im Tierheim München unterbringen. Der AZ berichtet er von hohen Kosten und unprofessionellem Verhalten. Das Tierheim sieht es anders.
von  Bjarne Wolter
Zwei der Katzen, die an das Tierheim übergeben wurden.
Zwei der Katzen, die an das Tierheim übergeben wurden. © Harald Mayer-Haas

Für Harald Mayer-Haas ist es zuletzt gleich doppelt dick gekommen: Zuerst die Nachricht, dass er mehr oder weniger sofort ins Krankenhaus muss. Und dann die Frage: Wer kümmert sich um die Haustiere? Der Münchner, bei dem zu diesem Zeitpunkt zwei Hunde und drei Katzen leben, steckt in der Bredouille.

Am Ende werden die Tiere vorübergehend im Tierheim München untergebracht. Doch genau diesem macht er nun schwere Vorwürfe. Was ist geschehen?

Sein Partner ist mit der Betreuung überfordert

Alles beginnt mit der Nachricht, dass Mayer-Haas überstürzt ins Krankenhaus muss, wie er im Gespräch mit der AZ schildert. Der 74-Jährige leidet unter akuten Nierenproblemen, die zügig Behandlung brauchen.

Seine fünf Haustiere lässt er zunächst in der Obhut seines 87-jährigen Partners. Doch schnell stellt sich heraus, dass der mit der Betreuung einfach überfordert ist. "Er ist tatsächlich nicht in der Lage, mit Hunden rauszugehen", sagt Mayer-Haas. Weil der Partner keine andere Betreuung organisieren kann, landen alle Vierbeiner am 12. September schließlich vorübergehend im Tierheim.

Eine Unterbringung mit Folgen

Da liegt Mayer-Haas auf der Intensivstation. Als er entlassen wird und feststellt, dass Hunde und Katzen nicht mehr da sind, zögert er nicht lange: Er setzt sich sofort mit dem Tierheim in Verbindung und will die geliebten Haustiere zurückholen.

Als er alle Vierbeiner – bis auf einen, doch dazu später – schließlich wieder mit nach Hause nehmen kann, ist er zunächst überglücklich. Doch dann folgt der erste Schock: Insgesamt 2562,17 Euro sollte der 74-Jährige für die fünftägige Unterbringung und tierärztliche Versorgung bezahlen. Mit einer so hohen Summe hat Mayer-Haas nicht gerechnet.

Die Reaktion des Tierheims verärgert den Münchner

Er zahlt, wünscht sich allerdings eine detaillierte Rechnung. Die bekommt er nach eigener Aussage nicht. Die Begründung des Tierheims, so schildert es der Münchner: Man stelle grundsätzlich keine Rechnungen aus, "sonst müssten sie zusätzlich eine Buchhalterin einstellen." Der 74-Jährige ist verärgert. Als er sich beschwert, habe es geheißen, man könne die Angelegenheit gerichtlich klären.

Eine Woche später folgt dann der nächste Schock für Mayer-Haas: Seine Wohnung wird von der Tierschutzinspektion des Tierheims untersucht. Diese hatte schließlich auch die gewünschte Rechnung dabei, zusammen mit einer Kopie des Personalausweises von Herrn Mayer-Haas. Laut dem gelernten Friseur, der zurzeit in einer Bäckerei arbeitet, sei dies nur auf Drohungen mit einem Anwalt seinerseits geschehen.

Der 74-jährige Münchner Harald Mayer-Haas ist nicht gut auf das Münchner Tierheim zu sprechen.
Der 74-jährige Münchner Harald Mayer-Haas ist nicht gut auf das Münchner Tierheim zu sprechen. © Harald Mayer-Haas

Kontrolleure kommen in die Wohnung

Gefunden hat die Inspektion nach Angaben des Münchners nichts. Kritisiert hätten die Kontrolleure lediglich, die Bewohner würden wegen ihrer zwei Schottischen Faltohrkatzen Qualzucht unterstützen.

Der 74-Jährige sagt: "Allein die Tatsache, dass man Leuten, die sich nichts haben zuschulden kommen lassen, Kontrolleure ins Haus schickt, ist nahezu skandalös."

Das Tierheim erzählt eine andere Version

Was sagt das Tierheim zu den Vorwürfen? Auf AZ-Nachfrage ergibt sich eine andere Version der Geschichte. Die Vierbeiner wurden von der Polizei, die von Mayer-Haas’ Ehepartner kontaktiert worden war, vorübergehend in dem Tierheim untergebracht, "da ihre Versorgung aufgrund eines Krankenhausaufenthalts des Eigentümers nicht sichergestellt werden konnte", bestätigt es. So weit stimmen die Angaben überein.

Dann allerdings gehen die Erzählungen auseinander: Die fünf Tiere befanden sich laut dem Geschäftsführer des Tierheims, Sebastian Maßmann, teilweise in einem sehr schlechten gesundheitlichen Zustand. Eine Katze habe demnach unter einer schmerzhaften Zahnerkrankung gelitten, eine andere unter Gelenkschmerzen und Atemproblemen, vermutlich eine Folge von Qualzucht. Die dritte habe extreme Hautprobleme gehabt. Zwei der Tiere seien zudem stark abgemagert gewesen.

"Nichts davon kann unsere Tierärztin bestätigen"

Deshalb habe man die Tiere während ihres Aufenthalts entsprechend versorgt. Über die Unterbringung der Tiere, den Zustand und die damit verbundenen Kosten wurden die Besitzer dem Tierheim zufolge informiert.

Mayer-Haas will den Vorwurf, seine Tiere seien in einem schlechten Gesundheitszustand, nicht auf sich sitzen lassen: "Nichts davon kann unsere Tierärztin bestätigen", sagt der Münchner. Das Tierheim hatte die tierärztlichen Befunde an diese weitergeleitet und nach der Kontrolle durch die Tierinspektion auch das zuständige Veterinäramt verständigt.

Tierärztliche Versorgung in so einem Fall Standard

Vier der abgegebenen Haustiere wurden dem Besitzer nach seinem Krankenhausaufenthalt schließlich zurückgegeben, die Katzen am 17. September und einer der Hunde am 22. September. "Meinen Zwergspitz musste ich schweren Herzens abgeben", sagt Mayer-Haas. Die Kosten: 700 Euro. Dazu, warum er den Vierbeiner abgegeben hat, äußert er sich nicht näher. Dem Tierheim zufolge geschah die Abgabe auf eigenen Wunsch.

Das Tierheim München muss sich heftiger Kritik eines Münchners stellen.
Das Tierheim München muss sich heftiger Kritik eines Münchners stellen. © Tierheim München

War die hohe Rechnung für die Unterbringung gerechtfertigt? Das Tierheim argumentiert, die tierärztliche Versorgung sei in einem solchen Fall Standard. "Werden bei der Aufnahme gesundheitliche Probleme festgestellt, lassen wir diese selbstverständlich tierärztlich abklären und behandeln."

Kontrolleure stellen Haltungs- und Gesundheitsmängel fest

Die Kontrolle durch die Tierschutzinspektion sei, so schildert es das Tierheim anders als Mayer-Haas', bei der Rückgabe der Tiere freiwillig vereinbart worden: "Aufgrund des gesundheitlichen Zustands, in dem die Tiere bei uns aufgenommen worden waren, war es uns wichtig, uns auch ein Bild von den Haltungsbedingungen zu machen und zu klären, ob ihre weitere Versorgung sichergestellt ist."

Die Kontrolleure stellten dem Tierheim zufolge Haltungs- und Gesundheitsmängel fest. Infolgedessen schaltete das Tierheim das Veterinäramt ein, das Mayer-Haas am 30. September daheim besuchte. Auf AZ-Anfrage teilt das Amt mit, man veröffentliche grundsätzlich keine Details zu Kontrollen von Privatwohnungen.

"Dafür Amtstierärzte zu bemühen, ist lächerlich"

Laut dem 74-Jährigen ließ sich außer einer Zahnfleischentzündung seines Hundes bei dem Termin nichts feststellen. "Dafür Amtstierärzte zu bemühen, ist nahezu lächerlich", sagt Mayer-Haas. Er muss nun einen Tierarzttermin nachweisen.

Trotz des Ärgers ist der Münchner froh, vier seiner Tiere – und natürlich seine Gesundheit – wiederzuhaben.

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