Simon Pearce bekämpft Pegida mit Humor

Der Münchner Schauspieler und Comedian Simon Pearce ist Sohn einer Deutschen und eines Nigerianers. Anfeindungen und Pegida-Hetze wehrt er mit Humor ab.
| dpa
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Simon Pearce kokettiert in seinen Shows gerne mit dem Ausländer-Klischee.
dpa Simon Pearce kokettiert in seinen Shows gerne mit dem Ausländer-Klischee.

München – "Servus, ich bin der Neger": Mit Sätzen wie diesem schützt sich der Münchner Comedian Simon Pearce gegen Rassismus. Auf der Bühne erzählt er von einer Nachbarin, die "Wir sind hier nicht im Dschungel!" brüllte, weil Pearce im Treppenhaus telefonierte. Er berichtet von seinem früheren Arbeitskollegen Kurti, der auf "die Neger" schimpfte. Irrerweise wollte Kurti ihn mit dem Satz "Du bist ja kein echter Neger. Du bist der Simon" besänftigen.

"Das war eine der krassesten Situationen. Auf der Bühne betone ich, dass ich sie nicht erfunden habe", sagt Pearce im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. "Humor ist das beste Mittel, um auf Rassismus und Intoleranz aufmerksam zu machen - und etwas in den Köpfen zu verändern." Er weiß, dass seine Geschichten und die Art, wie er sie erzählt, gerade gebraucht werden: Denn tausende Anhänger der islamfeindlichen Pegida-Bewegung protestieren mit ernsten Gesichtern gegen eine angebliche Überfremdung in Deutschland.

Der 33-Jährige hat den Jurypreis beim "Redefreiheit"-Slam in der "Toleranz"-Themenwoche der ARD gewonnen. Die Zugfahrt zu seinem Auftritt sei bizarr gewesen: Zwei Polizisten wollten seinen Ausweis sehen. "Sie behaupteten, das sei eine Stichprobe. Ein Geschäftsmann hinter mir mischte sich ein und sagte zu den Polizisten: "Dann möchte ich bitte auch kontrolliert werden." Auch die Frau neben mir streckte den Polizisten ihren Ausweis entgegen." Pearce wunderte sich nicht, dass sich die Polizisten danach ins Bordbistro setzten, statt weitere Reisende nach ihren Ausweisen zu fragen - "ich bin Polizei-Schikane gewohnt".

Lesen Sie hier das Interview mit Simon Pearce

Ständig geben Fremde erst dann Ruhe, wenn er ihre Frage "Wo kommst du her?" nicht mit "aus dem Münchner Vorort Puchheim" sondern mit "Mein Vater war Nigerianer" beantwortet. Pearce kommt aus einer Künstlerfamilie, seine Mutter ist die bayerische Volksschauspielerin Christiane Blumhoff, sein Opa war der Schauspieler und Marionettenspieler Franz Leonard Schadt.

Sein Lehramtsstudium hat Pearce abgebrochen, um auf die Schauspielschule Zerboni in München zu gehen. Schon als Zehnjähriger stand er fürs Schulfernsehen vor der Kamera, später kamen kleine Rollen in Filmen und Serien (u.a. im "Tatort" und in "Rosenheim Cops") und in Theaterstücken hinzu. Aktuell spielt Pearce seine erste Hauptrolle: den Pfleger Driss in der Bühnenversion des französischen Erfolgsfilms "Ziemlich beste Freunde" am Turmtheater Regensburg. Die Vorstellungen sind ausverkauft.

Sein Soloprogramm "Allein unter Schwarzen" ist das, was man Ethno-Comedy nennt: ein Konzept, mit dem auch Showgrößen wie Kaya Yanar, Bülent Ceylan oder Django Asül aus Niederbayern ihr Geld verdienen.

"Nightwash"-Moderator und Komiker Luke Mockridge findet Pearce "sehr, sehr lustig" - obwohl er aus München kommt. "Das macht aber nix", sagte Mockridge, als er Pearce in seiner Sendung ankündigte. Eigentlich mache er gar keine Stand-up-Comedy", sagt Pearce der dpa. "Eher Stand-up-Kabarett." Das merke er immer dann, wenn er bei "Nightwash", im Quatsch Comedy Club Hamburg oder bei den "StandUpMigranten" auf "Eins Plus" auftritt: "Vor mir haut einer einen Gag nach dem anderen raus. Ich dagegen erzähle eine Geschichte, bis zur Pointe dauert es zwei Minuten - und manchmal bleibt den Leuten das Lachen im Hals stecken."

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