Sie machen unseren Dreck weg

Seit 125 Jahren gibt es die Münchner Müllabfuhr. Zeit für eine Würdigung.
| Florian Zick
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125 Jahre nach Gründung: So sieht’s bei der Abfallwirtschaft München, kurz AWM, heute aus.
AWM 6 125 Jahre nach Gründung: So sieht’s bei der Abfallwirtschaft München, kurz AWM, heute aus.
Eine Szene aus der Müllsortierhalle in Puchheim. Das Bild muss um das Jahr 1900 entstanden sein.
AWM 6 Eine Szene aus der Müllsortierhalle in Puchheim. Das Bild muss um das Jahr 1900 entstanden sein.
Und so sahen die Müllautos in den Anfangsjahren aus: Die sogenannten Harritschwagen hatten, wie man sieht, genau ein PS.
AWM 6 Und so sahen die Müllautos in den Anfangsjahren aus: Die sogenannten Harritschwagen hatten, wie man sieht, genau ein PS.
Der AWM-Fuhrpark im Olympiajahr 1972. Manche dieser Fahrzeuge fuhren auch vor ein paar Jahren noch durch München.
AWM 6 Der AWM-Fuhrpark im Olympiajahr 1972. Manche dieser Fahrzeuge fuhren auch vor ein paar Jahren noch durch München.
Nach dem Zweiten Weltkrieg motorisiert die Stadt den
Fuhrpark mit 30 Spezialsammelfahrzeugen.
AWM 6 Nach dem Zweiten Weltkrieg motorisiert die Stadt den Fuhrpark mit 30 Spezialsammelfahrzeugen.
Weil die Müllberge zu groß werden, baut die Stadt Anfang der 60er Jahre das Heizkraftwerk Nord in Unterföhring.
AWM 6 Weil die Müllberge zu groß werden, baut die Stadt Anfang der 60er Jahre das Heizkraftwerk Nord in Unterföhring.

München - Am 14. April 1891 wurde es den Stadtoberen dann doch zu bunt – oder sollte man sagen: zu gstingert? Mit dem Erlass der „ortspolizeilichen Vorschrift über Lagerung und Wegschaffung des Hausunrats“ veranlassten sie die Gründung von Münchens erster Müllabfuhr.

Auf den Tag genau 125 Jahre ist das nun her. Davor hatte die im Zuge der Industrialisierung stark gewachsene Münchner Bevölkerung ihren Dreck in die stadtweit etwa 2700 Kehricht- und Düngergruben gekippt. Die wurden aber nur einmal im Jahr geleert – was der Stadt ein entsprechendes Odeur verlieh.

Seit dieser Tage hat sich bei der Abfallwirtschaft München, wie der Betrieb mittlerweile heißt, einiges getan. Statt der „Harritsch“ genannten Pferdewagen kurven nun hochmoderne Müllautos durch die Stadt. Statt der Ex-und-hopp-Mentalität gibt es nun ein bis ins Kleinste durchorganisiertes Recycling-System. Und natürlich sind in all den Jahren auch einige Anekdoten entstanden. Zu erwähnen wäre da sicherlich eine Begebenheit aus der Zeit kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Internierten NS-Schergen – gerade noch Herrenmenschen – wurden zur Müllbeseitigung zwangsrekrutiert. Es fehlte einfach an einsatzfähigen Männern.

Aus jener Zeit stammt auch die Nachricht, dass sich in der Stadt Beschwerden über die Zuverlässigkeit der Müllmänner häuften. Die Münchner hatten das Gefühl, dass nur die Tonnen geleert werden, in deren Umgriff eine Brotzeit zu bekommen ist – also in der Nähe von Metzger- und Bäckereien.

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Das mit der Bestechlichkeit hat sich natürlich grundlegend geändert. Eine gute Brotzeit schätzen die Leute von der Müllabfuhr zwar noch immer, umsonst annehmen dürfen sie die aber nicht. Nicht einmal zu Weihnachten dürfen Müllmänner mittlerweile mehr Trinkgeld annehmen – so ändern sich die Zeiten.

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