Sie haben die heißesten Jobs Münchens

Alle schwitzen wegen der Hitze – doch an manchen Arbeitsplätzen ist es nochmal einige bis viele Grad wärmer. Die AZ hat drei Arbeitsplätze in München besucht, an denen es richtig heiß wird!
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Ercan Keskin ist nicht zu beneiden: 49,6 Grad vorm Spieß.
Hüseyin Ince 3 Ercan Keskin ist nicht zu beneiden: 49,6 Grad vorm Spieß.
43,8 Grad: Ali Amini in seinem Taxi.
Daniel von Loeper 3 43,8 Grad: Ali Amini in seinem Taxi.
Die Raubtierpflegerin Sabrina Ameshofer.
Jasmin Menrad 3 Die Raubtierpflegerin Sabrina Ameshofer.

München - Den meisten Münchnern reicht es in der Mittagspause aus dem klimatisierten Büro zum Bäcker zu gehen und schon fließt der Schweiß. Doch wie geht’s jenen Menschen, die während ihrer Arbeit extremer Hitze ausgesetzt sind?

Am augenfälligsten ist das bei den Bauarbeitern, die in der prallen Sonne schwere körperliche Arbeit verrichten. Aber auch andere Berufsgruppen müssen oft schwitzen: Der Mann, der am Dönerspieß steht, der Taxler, der keinen Schattenparkplatz bekommt und die Raubtierpflegerin, die in der Dschungelwelt arbeitet.

Und manchmal ist’s auch beim Bäcker unerträglich heiß: so wie in der Filiale einer Münchner Bäckereikette. Es herrschen über 40 Grad, die Verkäuferin erzählt, dass sie mit einer älteren Kollegin diese Woche Schicht getauscht hat, weil die Kollegin nachmittags Kreislaufprobleme bekommt. Man wünscht ihnen von Herzen eine funktionierende Klimaanlage und viel Speiseeis!

"Nachmittags werden es locker 55 bis 60 Grad!"

Ercan Keskin ist nicht zu beneiden: 49,6 Grad vorm Spieß.
Ercan Keskin ist nicht zu beneiden: 49,6 Grad vorm Spieß. © Hüseyin Ince

Bei Ercan Keskin (51), Besitzer des "Sattler Kebab Haus" an der Sattlerstraße hat es um 11.30 Uhr 49,6 Grad. Er bleibt gelassen: "Jammern bringt nichts. Das ist nun mal mein Job, mein Laden. Ich glaube, dieser Sommer wird heißer als 2018. An die Hitze gewöhnt man sich aber. Ich glaube, die 49,6 Grad an der Theke sind noch nicht alles. Ich hatte die Temperatur zuvor nie gemessen, aber mit dieser Höhe der Temperaturen habe ich gerechnet. Vormittags liegt mein Imbiss ja sogar noch im Schatten, aber nachmittags scheint die Sonne direkt hinein, bis zur Theke. Ich glaube, da sind es dann locker 55 bis 60 Grad am Dönergrill", sagt er.

Eine Klimaanlage lohnt sich für den 51-Jährigen allerdings nicht. "Wie ich mit der Hitze zurzeit umgehe, während ich arbeite? Ich nutze jede freie Minute, um nach draußen zu gehen. Kalte Getränke helfen natürlich auch. Aber die muss man gut dosieren. Leider habe ich keine Klimaanlage. Ich habe schon darüber nachgedacht, eine einzubauen, aber das lohnt sich nicht. In den kommenden Jahren wird der Sattlerplatz ja komplett umgestaltet. Der Gebäudeteil, in dem ich meinen Imbiss habe, wird dann abgerissen, soweit ich das verstanden habe."

"Ich arbeite auch bei solchen Temperaturen ganz normal"

43,8 Grad: Ali Amini in seinem Taxi.
43,8 Grad: Ali Amini in seinem Taxi. © Daniel von Loeper

Auch Taxifahrer haben unter den extremen Temperaturen zu leiden. Zwar sind ihre Autos in der Regel klimatisiert, davon profitieren aber vor allem die Fahrgäste. Denn die Fahrer stehen oft eine längere Zeit mit ihren Autos in der Sonne und dann sind die Klimaanlagen meist nicht in Betrieb. So auch bei Taxifahrer Ali Amini (50), den die AZ am Mittwochmittag in der Innenstadt getroffen hat.

In seinem Taxi, mit dem er am Taxistand vor dem Bahnhof in der prallen Sonne steht, zeigt das Thermometer schweißtreibende 43,8 Grad an, während er geduldig auf Kundschaft wartet. Schatten gibt’s hier nicht. Amini nimmt die extremen Temperaturen aber gelassen.

"Ich arbeite auch bei solchen Temperaturen eigentlich ganz normal. Ich komme ursprünglich aus dem Iran. Das ist ein heißes Land und dort sind hohe Temperaturen relativ normal. Auch solche Hitzewellen sind dort nichts Ungewöhnliches. Von daher bin ich diese Hitze gewöhnt, so viel macht mir das nicht aus", erzählt er der AZ. "Außerdem fahre ich schon ein paar Jahre Taxi, da habe ich schon so einige heiße Tage erlebt."

"Die Flughunde fächern sich Luft zu"

Die Raubtierpflegerin Sabrina Ameshofer.
Die Raubtierpflegerin Sabrina Ameshofer. © Jasmin Menrad

Dschungelwelt im Tierpark Hellabrunn, 12 Uhr, 35 Grad. Hier arbeitet Raubtierpflegerin Sabrina Ameshofer (28): "In unserem Haus herrschen zwar zwischen 70 und 90 Prozent Luftfeuchtigkeit, aber trotzdem denkt man beim Reinkommen: geht schon! Gemein ist der letzte Höhenmeter, die letzte Stufe unters Dach, da wird’s nochmal viel heißer. Wenn ich dort oben saubermache und die Näpfe auffülle, dann beeile ich mich, denn es ist richtig drückend.

Die Flughunde sind schon weiter nach unten gezogen und fächern sich Luft zu. Die Vögel haben die Möglichkeit, auch baden zu gehen, zudem plustern sie sich auf, damit kühlende Luft ins Gefieder kommt und sie hecheln wie Hunde. Allerdings ist es heute noch okay: Wenn die Gärtner alle zwei Tage gießen, steigt die Luftfeuchtigkeit auf bis zu 95 Prozent. Und wenn es einige Wochen so warm ist wie jetzt, dann haben wir hier 45 bis 48 Grad.

Mir hilft’s, wenn ich zwischendurch rausgehe und etwas Luft schnappe, viel trinken gehört natürlich sowieso dazu. Die Raubkatzen genießen, dass es so heiß ist – manchmal gehen sie sogar baden. Jetzt, wo die Löwen und Tiger die meiste Zeit draußen sind, können wir, doppelt und dreifach abgesichert, dass sie nicht reinkommen können, neue Spielzeuge aufhängen oder Düfte wie alte Parfüms von Mitarbeitern oder Baldrian versprühen. Auch bei dieser Hitze wollen die Tiere beschäftigt werden."

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